> > > Smaczny, Paul: Knowledge is the beginning: Daniel Barenboim and the West-Eastern Divan Orchestra
Samstag, 22. Februar 2020

Smaczny, Paul - Knowledge is the beginning: Daniel Barenboim and the West-Eastern Divan Orchestra

Seid umschlungen


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Musizieren ernst genommen: Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra.

In Europas Kulturhauptstadt des Jahres 1999, Goethes Weimar, haben Daniel Barenboim und dessen ‚engster Freund‘, Edward Said, das West-Eastern Divan Orchestra ins Leben gerufen. Junge Musiker aus dem Mittelmeerraum, vor allem Araber und Israelis, proben Werke des klassisch-romantischen Repertoires und leisten der Völkerverständigung Vorschub.

Paul Smaczny hat die Geschicke des Orchesters während mehrerer Jahre filmisch dokumentiert. Sein Zweistünder unter dem Titel ‚Knowledge is the beginning‘ hat zahlreiche Preise eingeheimst. Bei EuroArts liegt er als DVD vor und bezeugt Saids und Barenboims im Zweifel pro-palästinensische Sicht. Diese erklärt sich gewissermaßen aus der Sache, boykottiert doch das offizielle Israel Barenboims Initiative. Weshalb dies geschieht, wird von Smaczny nicht erwogen.

Zumal Edward Said ist als politischer Aktivist – und Kulturwissenschaftler, der westliche Orientbilder ‚dekonstruiert‘ – durchaus umstritten. Seinem Wirken verdankt sich die akademische Mode der Postcolonial Studies, die mit dem Bade des Kolonialismus das Kind der Aufklärung und Rationalität ausschüttet. Saids und Barenboims Unternehmung ist in jedem Fall ein Exempel hocheffektiver PR und politischer Kommunikation. Dies kann jedoch kein Einwand sein, denn alle Interessengruppen zwischen PLO und AIPAC versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Paul Smacznys Kamera und Schnitt sind angenehm unaufgeregt. Proben- und Pausenszenen wechseln mit Interviews, Bildern von Buchenwald, Córdoba, Rabat und Rammalah, mit Pressekonferenzen und Ansprachen. Die Erzählung verläuft chronologisch, von Weimar 1999 über Edward Saids Tod im Jahr 2003 zum sogenannten ‚Ramallah Concert‘ 2005. Auf Voice-over wurde dankenswerterweise verzichtet. Dies hat zur Folge, dass irreführende Aussagen unkommentiert bleiben, so die arglose Behauptung, Antisemitismus richte sich gegen alle Semiten, Araber nicht minder als Juden. Dass Barenboims friedensbewegte Ansprache im israelischen Parlament mit der ‚Mondscheinsonate‘ unterlegt wird, grenzt ans Sentimentale. Dies erschwert eine nüchterne Bewertung des Gesagten.

Eine zweite DVD dokumentiert das ‚Ramallah Concert‘ mit Mozarts 'Sinfonia concertante' KV 297 und Beethovens Fünfter. Daniel Barenboim erweist sich als profunder Musiker. Seine dirigentische Technik, raumgreifend, bisweilen schwerfällig und staksig, ist fehlbar wie die pianistische. Der Enthusiasmus des Orchesters führt, im Verbund mit sorgfältigen Proben, zu achtbaren Resultaten. Man musiziert geduldig, ohne Hysterie und artikulatorischen Furor, mit Gespür für harmonische Verläufe und Linien, dynamischen Nuancen und gediegenem Mischklang. Das Orchester hat sich Barenboims Mozart- und Beethovenstil vollumfänglich zu eigen gemacht. Referenzaufnahmen sind nicht entstanden. Fehlte die politische und humanitäre Rahmung, würden die Aufnahmen unter gutem diskographischem Durchschnitt abgelegt.

Leider werden auch Ansprachen palästinensischer Honoratioren wiedergegeben. Das Konzert nimmt Züge einer politischen Demonstration an. Die israelische Sicht wird zugunsten der palästinensischen unterschlagen. Barenboims Schlussansprache ist bemüht, eine gewisse Ausgewogenheit herzustellen.

Als ‚Bonus‘ wird ein Gespräch Barenboims mit Edward Said beigegeben. Es wurde 1999 in Weimar aufgezeichnet und enthält allerlei kluge Gedanken zu Bach, Wagner, Furtwängler und Adorno, zum ‚deutschen Klang‘ und dessen Ideologie, zur politischen Lage im Nahen Osten und zur Gruppendynamik im West-Eastern Divan Orchestra. Barenboim beteuert, im arabischen Raum wüchsen zahlreiche musikalische Talente heran. Gefördert würden diese nicht. Dies dürfte fünfzehn Jahre später, nach dem sogenannten ‚Arabischen Frühling‘, ebenso zutreffen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Smaczny, Paul: Knowledge is the beginning: Daniel Barenboim and the West-Eastern Divan Orchestra

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
2
05.11.2012
Medium:
EAN:

DVD
880242543387


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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