> > > Brahms, Johannes: Sonaten für Klarinette & Klavier Nr. 1 & 2, op. 120
Montag, 3. August 2020

Brahms, Johannes - Sonaten für Klarinette & Klavier Nr. 1 & 2, op. 120

Auf jeden Fall einmalig


Label/Verlag: Antes Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Für seine Interpretation der Klarinettensonaten von Brahms verwendet Kyrill Rybakow einen Nachbau der Klarinette Richard Mühlfelds. Das Ergebnis klingt nicht unbedingt überzeugend.

Brahms mit historischen Instrumenten – das gibt es eher selten. Anna Zassimova und Kyrill Rybakow spielten nun für Antes die Klarinettensonaten ein. Rybakows Klarinette ist dem Instrument nachgebaut, das Richard Mühlfeld spielte, jener Klarinettist der Meininger Hofkapelle, der Brahms mit seinem Spiel so begeisterte, dass daraufhin die beiden Sonaten entstanden. Doch Mühlfeldklarinette hin oder her – in der Aufnahme klingt das Instrument einfach nicht schön. Im Piano hört man ein deutliches Rauschen, im Forte wird der Ton grell und unangenehm. Schwer zu sagen, woran das liegt. Andere Aufnahmen mit Kopien historischer Klarinetten (meist mit älterer Musik, die Brahms-Sonaten werden fast immer mit modernen Instrumenten gespielt) zeigen solche Schwächen jedenfalls nicht. Man fragt sich: Kann es wirklich dieser Klang gewesen sein, der Brahms so beeindruckt hat? Beantworten lässt sich das kaum. Das Mundstück, das verwendete Blatt oder sogar die Schnur oder die Blattschraube, die das Blatt am Mundstück befestigt, beeinflussen den Ton enorm, ganz zu schweigen von der Person des Interpreten. Selbst die Verwendung des ‚korrekten‘ Instruments bleibt also eine vage Annäherung. Auch der Bechstein-Flügel von 1876 klingt leider nur mittelprächtig. Teilweise mag die Aufnahmetechnik daran schuld sein: Offenbar klingt schon der Raum nicht besonders gut. Technisch ist der Klang etwas dumpf.

Außer den beiden Klarinettensonaten spielt Anna Zassimova die Fantasien op. 116, und diese Aufnahme polarisiert. Die bei Antes Edition erschienene Platte trägt den Titel ‚Declaration of Love‘. Diese Anleihe beim Groschenroman erklärt sich dadurch, dass beide Interpreten Brahms' Werke im umfangreichen Beiheft sehr stark auf seine Beziehung zu Clara Schumann deuten. Ob sie mit ihren Ausführungen immer ins Schwarze treffen, sei dahingestellt, doch jedenfalls passt Anna Zassimovas Interpretation zu dieser Auffassung. So hemmungslos schwelgend hat wohl niemand vor ihr diese Stücke aufgenommen.

Man kann diese Deutung durchaus kritisch sehen, andere werden sie vielleicht lieben. Es gibt viel mehr Rubato als gewohnt, grundsätzlich sind die Tempi sehr langsam. Andere Pianisten benötigen für den Zyklus etwa 20 Minuten, manche auch 25. Anna Zassimova braucht über 30 und sprengt damit alle Grenzen, vielleicht auch die des guten Geschmacks. Das ist bei den Sonaten nicht der Fall, hier sind die Tempi relativ normal. Auf jeden Fall dürfte diese Aufnahme einmalig sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Brahms, Johannes: Sonaten für Klarinette & Klavier Nr. 1 & 2, op. 120

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Antes Classics
1
15.01.2013
Medium:
EAN:

CD
4014513029690


Cover vergössern

Antes Classics

Zu Beginn der 90er Jahre wurde die ANTES EDITION gegründet, in der hochwertige E-Musik auf Tonträger und im Notendruck erscheint unter dem Motto: Hohe Qualität, unvergleichliches Repertoire und Förderung junger Talente. So wird Komponisten und ausübenden Musikern ein kreatives und aktives Forum der klassischen Musik geboten. Veröffentlicht wurden bisher mehr als 250 CD-Produktionen mit ausgefallenen Kammermusikwerken und herausragenden Interpretationen des bekannten Repertoires. Einen besonderen Schwerpunkt stellt eine Reihe zeitgenössischer Werke aus Estland dar. Gerade die Tatsache, dass Estlands Avantgarde nicht an der Richtschnur westlicher Tendenzen in der Neuen Musik zu messen ist, macht sie so interessant.

Eine Vielzahl hervorragender Kritiken und Informationen wurden publiziert.

ANTES EDITION ist ein Label der BELLA MUSICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Antes Classics:

  • Zur Kritik... Virtuosenfutter: Diese Platte fasst viele heiße virtuose Eisen an - ohne sich daran zu verbrennen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Vielfalt in Artikulation, Dynamik und Expressivität: Nordeuropäische Orchestermusik präsentiert die Württembergische Philharmonie Reutlingen. Dirigiert von Ola Rudler interpretiert sie Werke von Edvard Grieg und Lars-Erik Larsson und zeigt dabei vor allem eines: bemerkenswerten musikalischen Ausdruck. Weiter...
    (Miriam Thaler, )
  • Zur Kritik... Gelungenes Wagnis: Joachim Enders und Manfred Bockschweiger reichern Mussorgskys 'Bilder einer Ausstellung' mit neuen Farben an und präsentieren dabei eine enorme Spannweite an musikalischen Facetten, die auf der Orgel und auf der Trompete möglich sind. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von Antes Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Jan Kampmeier:

  • Zur Kritik... Unbekannter Prokofjew: Das Symphonieorchester Lahti spielt unter Dima Slobodeniouk selten zu hörende Werke von Sergej Prokofjew. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Magnard zum Dritten: Das Philharmonische Orchester Freiburg unter Fabrice Bollon vervollständigt seine Edition der Orchesterwerke Albéric Magnards mit fünf kleineren Werken. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Komplexe Musik für Kenner: Marc-André Hamelin spielt wieder einmal extremes Repertoire. Diesmal hat sich der Virtuose sechs Sonaten von Samuel Feinberg vorgenommen. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von Jan Kampmeier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Einfachheit als Prinzip: Der Geist des Singens bewahrt den Menschen davor, zur Maschine zu werden - dieses Postulat bestimmt den Duktus der Werke von Zoltán Kodály für sein Lieblingsinstrument, das Cello. Julian Steckel geht diesem Phänomen auf den Grund. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Charakterzeichner: Makellos im Ansatz und Spiel, versteht sich das Saxophon-Quartett sonic.art auf zeitgenössische Musik voller Situationskomik. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Hammerklavier mal anders: Das Leipziger Streichquartett lässt mit transkribierten Raritäten aufhorchen. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Carl Reinecke: Symphony No.3 op. 227 in G minor - Scherzo. Allegro vivace - Trio I & II

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Liv Migdal im Portrait "Man spielt mit den Ohren!"
Liv Migdal im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich