> > > Dvorak, Antonin: Sinfonien Nr. 3 & 7
Montag, 20. März 2023

Dvorak, Antonin - Sinfonien Nr. 3 & 7

Auseinander gefallen


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Marcus Boschs Dvořák-Platte überzeugt teilweise: Die Siebte Sinfonie ist sehr gut gelungen, problematisch hingegen ist sein Zugang zur Dritten Sinfonie.

Mittschnitte von Konzerten sind oft interessant und zugleich ein Prüfstein. Aber es ist nicht dieser Sachverhalt, der die vorliegende Neueinspielung der Siebten Sinfonie von Antonin Dvořák durch die Staatsphilharmonie Nürnberg unter Marcus Bosch so interessant macht. Marcus Bosch, der sich gründlich mit der Partitur auseinandergesetzt haben muss, gelingt eine stringente Interpretation, die zudem die geistige Nähe Dvořáks zu Johannes Brahms aufzeigt.

Vorzügliche Siebte Sinfonie

Das kommt besonders in der Siebten Sinfonie zum Ausdruck, in der sich Dvořák auf die Dritte von Brahms bezieht und versucht, sich entgegen den Anfeindungen im damaligen Wien als Komponist ‚ernstzunehmender‘ Sinfonien zu beweisen und nicht nur als Schöpfer ‚oberflächlicher‘ böhmischer Weisen. Die ersten beiden Sätze erklingen nicht nebelhaft andachtsvoll, sondern glutvoll – nur so kann der Funke überspringen. Das Virtuose des Finalsatzes wird eingebettet in einen ruhigen und gesanglichen Gestus. In Dvoraks Partitur findet Marcus Bosch zu einer wunderbaren Erzählhaltung, deren Tempi nicht vom virtuosen Effekt bestimmt war, sondern von der inneren Logik der Partitur.

Mehr Intensität statt breiter Pinsel

Die Musiker der Staatsphilharmonie Nürnberg folgen diesem überzeugenden Ansatz willig, wenngleich die Streicher im Gegensatz zu den Bläsern stellenweise etwas zu undifferenziert klingen, etwa im zweiten Satz. Hier wäre etwas mehr Intensität statt breitem Pinsel wünschenswert gewesen. Das sind aber nur marginale Kritikpunkte vor dem Hintergrund einer ebenso schlüssigen wie spannenden Interpretation.

Anders sieht es bei der Dritten Sinfonie aus. Zwar gibt es hier auch schöne Stellen. Insgesamt kann die Herangehensweise an dieses Werk aber nicht in gleicher Weise überzeugen. Sicherlich, die Instrumentalisten der Staatsphilharmonie Nürnberg geben ihr Bestes und agieren in Bezug auf Intonation und durchsichtigen Klang auf hohem Niveau. Aber Marcus Bosch geht zu handwerklich an die Partitur heran. Die Tempi stimmen bestenfalls metromisch, aber erschließen sich nicht dramatisch. Sie bewegen sich rechthaberisch stramm im rhythmischen Geschirr. Gleiches gilt auch für die Dynamik, deren Differenzierungen wenig plastisch erscheinen; in filigranen Passagen fehlt es an Gewissenhaftigkeit in der interpretatorischen Ausarbeitung. Im zweiten Satz stehen die einzelnen Klangschichten unvermittelt nebeneinander, sich durchdringen sich nicht gegenseitig. Hinzu kommt eine nicht einsichtige Agogik, die sich auch im dritten Satz störend auswirkt.

Fazit: Eine Aufnahme mit durchaus schönen Stellen, aber dass sie einen vorderen Platz in der Dvořák-Diskographie einnimmt kann man nun nicht behaupten. Der Text im Bocklet ist kenntnisreich, der Klang für eine Liveaufnahme recht gut.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Sinfonien Nr. 3 & 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
1
01.11.2012
Medium:
EAN:

SACD
4039956312123


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Coviello Classics

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