> > > Frescobaldi, Girolamo: The Frescobaldi Legacy: Bearbeitungen von Respighi, Reicha, Bauer u.a.
Dienstag, 17. September 2019

Frescobaldi, Girolamo - The Frescobaldi Legacy: Bearbeitungen von Respighi, Reicha, Bauer u.a.

Der Brückenbauer


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Pianist Sandro Ivo Bartoli macht mit Transkriptionen einiger Werke von Frescobaldi bekannt, allerdings in neuem Gewand, das unter anderem Komponisten wie Ottorino Respighi für Frescobaldis Musik am Beginn des 20. Jahrhunderts schneiderten.

‚The Frescobaldi Legacy‘ – Das Erbe Frescobaldis: Es ist ein großer musikalischer Korpus, dem sich der Pianist Sandro Ivo Bartoli auf seiner neuen CD widmet. Im Zentrum stehen hier aber nicht die Originalkompositionen, sondern Bearbeitungen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Ottorino Respighi, Antonin Reicha, Harold Bauer, Samuil Feinberg, György Ligeti und Bela Bartok entstanden sind. Keine leichte Aufgabe, die sich der Pianist da vorgenommen hat. Denn in den Transkription von Frescobaldis Werk wird an den ausführenden Pianisten doch der Anspruch gestellt, sowohl die barocke Polyphonie als auch die neuen musikalischen Stilelemente, die in den Transkriptionen hinzugefügt werden, gleichberechtigt zum Vorschein zu bringen.

Dass Sandro Ivo Bartoli dieser Aufgabe durchaus gewachsen ist, zeigt sich besonders in der Interpretation der Fuge in g-Moll in der Einrichtung von Respighi. Zu Beginn huldigt er dem Original in der zarten Präsentation des Themas, das daraufhin die einzelnen Stimmen durchzieht. Der Hörer ist zunächst verwirrt: Das soll eine Transkription sein? Doch schon erklingt das Thema in offenen Quinten, die Respighi in Anlehnung die Orgel hinzu komponierte. Auch der musikalische Ausdruck ändert sich: Die Stimmführungen werden komplexer, fast in Liszt‘scher Manier pompös. Bartoli unterstützt dies dadurch, dass er das Tempo radikal verlangsamt, um den Klängen mehr Ausdruck und Breite verleihen zu können. Somit transferiert er die barocke musikalische Gestik in die Gegenwart und stellt hörbar heraus, was ihr hinzugefügt wurde.

Auch an anderer Stelle zeigt sich Bartolis interpretatorische Bemühung, die musikgeschichtlichen Bezüge zwischen Original und Transkription hervorzuheben. So arpeggiert er genüsslich die Akkorde in der Toccata a-Moll, ebenfalls in der Bearbeitung von Respighi, so dass sich der Hörer zunächst in eine romantische Klangwelt versetzt fühlt. Doch dieser Eindruck währt nicht lange: Bartoli stellt ihm ein klar artikuliertes barockes Thema gegenüber und führt damit in die barocke Gestik zurück.

Auch György Ligeti 'Musica ricercata' wird hier geboten. In diesem Werk wollte der Komponist durch seine eigene Klangsprache barocke Elemente wie den Kontrapunkt in neue Gewänder zu kleiden. Auch hier gelingt es Bartoli, barocken Ursprung und moderne Ausgestaltung klar in Lautstärke und Agogik voneinander abzugrenzen, beides jedoch gleichzeitig in eine wohlklingende Symbiose zu bringen.

Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Frescobaldi, Girolamo: The Frescobaldi Legacy: Bearbeitungen von Respighi, Reicha, Bauer u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
26.10.2012
Medium:
EAN:
CD
5029365941723

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