> > > Reimann, Aribert: Die Gespenstersonate
Dienstag, 2. Juni 2020

Reimann, Aribert - Die Gespenstersonate

Ein Gruselstück


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Uraufführung von Aribert Reimanns zweiter Oper 'Die Gespenstersonate' 1984 in Berlin: stimmig interpretiert in Musik und Szene, doch das Strindberg-Stück bleibt blass.

Aribert Reimanns Kammeroper 'Die Gespenstersonate' entstand nach der Shakespeare-Vertonung 'Lear' und vor der Euripides-Werfel-Adaption 'Troades'. Ihre Uraufführung 1984 auf der Bühne des Berliner Hebbel-Theaters gestalteten Sänger aus dem Ensemble der Deutschen Oper. Diese und die Berliner Festspiele produzierten, der Sender Freies Berlin strahlte aus – Klaus Lindemanns eindringliche Fernsehregie ist dicht an den Akteuren und setzt mit Zooms, die an Fassbinder erinnern, eigene Akzente. Im Graben sitzt das Ensemble Modern der Jungen Deutschen Philharmonie. Unter Friedemann Layers Leitung geben die zwölf Instrumentalisten die Partitur einfühlsam wider; schockhafte Dissonanzen, Klaviertröpfeln, Hornfanfare und Geigenlamento formen sie suggestiv zu einem Bogen.

Tautologie

‚Verbrechen und Geheimnisse und Schuld‘ binden die Gespenster aneinander. Das Gruselstück lässt an Benjamin Brittens 'The Turn of the Screw' denken, die Logik des Traums waltet in ihm. Strindbergs okkult eingekleidete Kritik am Bürgertum ist auf eine unangenehme Weise morbide. Tautologie haftet der Vertonung an. Der psychologische Reiz, die emotionale Wucht, opake Schönheit und unheimliche Geschlossenheit von Reimanns Musik scheinen deutlicher und stimmiger zur Geltung zu kommen bei einer Handlung, die logisch und irrational zugleich, eben kafkaesk ist wie in 'Das Schloss', oder ihre Existenzialität offen zeigt wie in 'Troades'. Hier aber scheint – ein seltener Vorgang – der Plot die Musik zu doppeln.

Dämonie und Verzweiflung

In Strindbergs Kammerspiel sind die meisten Figuren buchstäblich blutleer, aber dafür können die Sänger nichts. Martha Mödl, für die Reimann die Titelrolle seiner zweiten Oper 'Melusine' (1971) geschrieben hatte, singt die leichenblasse Mumie, die sich für einen Papagei hält, ausdrucksstark, pointiert, eine verwirrte Klytämnestra. Gudrun Sieber als das Fräulein (‚Gut ist schuldlos bleiben‘) und Horst Hiestermann (Oberst) können ebenso überzeugen wie Donald Grobe als schädelweißer Diener Johansson. Reimann hat dem Ensemble die Rollen auf die Stimmbänder geschrieben, das hört man. Die Diktion könnte kaum besser sein. Zwei Darsteller (und Rollen) ragen heraus: Hans Günter Nöcker, als Direktor Hummel im Rollstuhl sitzend, gefällt mit markantem Bass und Strahlkraft, sein Porträt paart Dämonie mit Verzweiflung. Daneben David Knutson als Student Arkenholz, eine leidende Kreatur wie Reimanns Landvermesser K. – die Ausbrüche ins Falsett bindet er mühelos in seinen gefühlvollen Tenorgesang ein.

Geister auf Glas

Heinz Lukas-Kindermann, schon 1976 mit der 'Melusine' in Braunschweig betraut, führte Regie. Die Visualisierung von Hummels Schuld – das ertrinkende Mädchen – macht schaudern, die Personenführung baut Spannungen auf und zeichnet sich durch genaue Abläufe aus. Die in ihrer Einfachheit beeindruckende Bühne (Dietrich Schoras) ist von einer Glasfläche überdacht, auf der die Gespenster stehen; deren Handlungen sieht man, während Hummel sie schildert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Reimann, Aribert: Die Gespenstersonate

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arthaus Musik
1
12.11.2012
Medium:
EAN:

DVD
807280165791


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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