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Donnerstag, 28. Oktober 2021

Vivaldi, Antonio - La Senna festeggiante

Diplomatische Meisterleistung


Label/Verlag: Glossa
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Vivaldis Serenata 'La Senna festeggiante' liegt hier in einer schlüssig rekonstruierten und mit überzeugenden Sängern eingespielten Fassung vor.

Die hier eingespielte Serenata Vivaldis ist ein Beispiel musikalischer interkultureller Kommunikation. Vivaldi schrieb sie anlässlich des Besuches eines venezianischen Kardinals, der im Hause des französischen Botschafters gefeiert wurde. Das Werk thematisiert die vorausgehende politische Wiederversöhnung zwischen der Republik Venedig und dem Königreich Frankreich in Form eines Dialogs der Tugend, des Goldenen Zeitalter und der Seine. In wie vielschichtiger Weise dieser Anlass die Komposition in Form und Gestalt beeinflusste, wird ausführlich in dem hervorragenden Einführungstext im Booklet dargestellt, das man dem renommierten Musikwissenschaftler Michael Talbot anvertraut hat. Denn auch musikalisch verarbeitet Vivaldi die Verbindung der beiden Nationen. Alle Mühe einer Stilinterpretation gab sich Vivaldi mit der Ouvertüre des zweiten Teils, die ostentativ französisch klingen sollte – aber der Opernkomponist Vivaldi konnte oder wollte nicht so recht aus seiner Haut und die Französisierung dringt mehr auf der strukturellen Ebene (Anlage: langsam-fugato-langsam) denn auf der musikalischen Ebene durch. Daran konnten auch die scharf punktierten Rhythmen der Einleitung nichts ändern. Gleichwohl wird der Zuhörer damals die Anspielung verstanden haben.

Wie es häufig bei Gelegenheitswerken vorkommt, sind Teile des Werkes nicht überliefert, was, wenn es nicht eine Aufführung verhindert, manches Mal zu zweifelhaften Rekonstruktionsversuchen und Neukompositionen führt. Im vorliegenden Fall hat man sich für die vielleicht vernünftigste Lösung entschieden und die Lücken mit Teilen aus anderen Serenate Vivaldis gefüllt, was ein stilistisch und auch musikhistorisch vertretbares Ergebnis liefert.

Fabio Bonizzonis Orchester La Risonanza ist inzwischen eine feste Größe unter den historisch musizierenden Ensembles und liefert Aufnahmen in tadelloser Qualität. Den spritzigen Stil Vivaldis interpretieren sie angemessen vital, ohne Übertreibung und als kompakter, homogener Klangkörper. Natürlich und diskret schmiegt sich das Ensemble an die Singstimmen und begleitet ideal, ohne in den Vordergrund zu drängen.

Ein Glücksgriff des Labels Glossa ist die Sopranistin Yetzabel Arias Fernandez. Technisch nimmt sie jede Koloratur mit Leichtigkeit, aber die Faszination ihrer Stimme liegt in einem changierenden Timbre zwischen glockiger Strahlkraft und einer fast schon männlich-dunklen Farbe in den tiefen und mittleren Lagen (besonders schön hörbar in der Arie 'Al mio seno'). Daneben verblasst der Countertenor Martin Oro etwas, obwohl er einen angenehmen Stimmklang ohne jede Schärfe hat. Kleine intonatorische Unsauberkeiten mit den obligaten Instrumenten und weniger Präzision in den Verzierungen sind verzeihlich. Auffällig im Vergleich mit den beiden anderen Sängern ist eine – für Countertenöre nicht ganz untypische – eher flache Gestaltung der Musik und weniger Nuancen in Dynamik und Klangfarbe, ein häufiges Phänomen, wenn man Countertenöre direkt neben besonders stimm- und ausdrucksstarken Sängern hört. In Duetten mit der Sopranistin mischt sich seine Stimme jedoch ausgesprochen gut, was nicht zuletzt an dem verwandten, dunklen Timbre der beiden Sänger liegen mag (beispielsweise im Duett 'Godrem fra noi la pace'). In Bezug auf die Rollenverteilung wiederum ist die Wahl ausgezeichnet: Fernandez verkörpert voluminös und kraftvoll das Goldene Zeitalter, Oro fragil und zurückhaltend die Tugend. Der Bassist Sergio Foresti führt seine eher leichte Stimme mit heiterer Gemütlichkeit durch die Partie des Flusses Seine – intelligent und gefällig gesungen.

Die Aufnahme ist Teil einer ganzen Reihe gelungener Einspielungen des Labels Glossa, die sich unterschiedlichen Themen des französischen und italienischen Barock widmen und auch selten gehörtes Repertoire mit einer kleinen Auswahl ausgezeichneter Künstler einspielen. So lässt auch die vorliegende CD lässt kaum Wünsche offen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Silvia Bier Kritik von Silvia Bier,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vivaldi, Antonio: La Senna festeggiante

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Glossa
1
01.10.2012
Medium:
EAN:

CD
8424562215139


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Glossa

Spaniens renommiertestes Klassiklabel wurde 1992 von Carlos Céster und den Brüdern José Miguel und Emilio Moreno gegründet. Sein "Hauptquartier" hat es in San Lorenzo del Escorial in den Bergen nahe Madrid. Zahlreiche herausragende Künstler und Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik (z.B. Frans Brüggen und das Orchestra of the 18th Century, La Venexiana, Paolo Pandolfo, Hervé Niquet und sein Concert Spirituel u.v.a.) finden sich im Katalog des Labels. Doch machte GLOSSA von Anfang an auch wegen der innovativen Gestaltung und Produktionsverfahren von sich reden. Zu nennen wären hier die Einführung des Digipacks auf dem Klassikmarkt und dessen konsequente Verwendung, der Einsatz von Multimedia Tracks oder die Platinum-Serie mit ihrem avantgardistischen Design. Innerhalb der vergangenen knapp zwei Jahrzehnte konnte GLOSSA so zu einem der interessantesten Klassiklabels auf dem Markt avancieren. Zu verdanken ist dies nicht zuletzt auch dem Spiritus rector und Gesicht des Labels, Carlos Céster.


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