> > > Händel, Georg Friedrich: Orgelkonzerte Vol. 2
Freitag, 18. Januar 2019

Händel, Georg Friedrich - Orgelkonzerte Vol. 2

Freiheit zur Schönheit


Label/Verlag: Passacaille
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Da jubilieren Kuckuck und Nachtigall: Lorenzo Ghielmi und sein Ensemble La Divina Armonia lassen ihrer Aufnahme der Orgelkonzerte Opus 4 von Georg Friedrich Händels ein fast noch schöneres Second Set an Concerti folgen.

Die Kirche Il Sanctuario del Divin Prigioniero liegt kurz hinter der Schweizer Grenze im italienischen Valle di Colorina und verfügt über eine wunderbar leichtgängige, 2007 von Giovanni Pradella nach historischen Vorbildern gebaute Orgel. Diese ist mit einem Kammerton a von 415 Hz bereits auf ein auf ‚historischen‘ Instrumenten (bzw. Nachbauten) spielendes Ensemble wie La Divina Armonia eingestimmt und verfügt über eine schöne Pfeifenmischung nebst nicht zu mächtigem, kammermusikalisch ausgerichtetem Pedal (ein 16‘ Subbass, Posaune, Rohrflöte und Viola da gamba in 8‘). So transparent, wie die Orgel und auch das kleine Orchester - sechs Violinen, zwei Oboen, der Rest einfach besetzt nebst Lauten-und Cembalo-Continuisten - hier aufgenommen sind, mag man wahrlich nicht an die Pausenkonzerte von Oratorienaufführungen denken (für die diese Stücke von Händel komponiert oder zumeist auch einfach aus anderen Werken umarrangiert wurden).

Perfekter Raumklang, farbenreiches Orgel- und Orchester-Spiel

Vielmehr hören wir Kammermusik erster Güte: Bereits die beiden Eingangssätze des berühmten F-Dur-Konzerts HWV 295 sind ganz auf einen luziden Dialog zwischen den Orchester- und Orgelfarben ausgerichtet. Im Ansatz wird – ganz in der stilbildendne italienischen Originalklang-Tradition etwa des Giardino Amonico – in relativ konstatentem, eher ‚egalem‘ Großrhythmus gestaltet und dabei sehr rund und kantabel ausphrasiert. Ghielmi ist zudem – ganz Händels Vorbild als Organist folgend – ein Meister der Improvisation und Integration, wie die solistischen Ad-libitum-Sätze abermals zeigen: Im unbekannteren d-Moll-Konzert HWV 304 überrascht vor allem die aus der Smmlung 'Six Fugues or Voluntaries' (HWV 305-310) hinzugenommene Fuge. Noch weiter geht die Rekonstruktion einer Chaconne für Orgel und Orchester (HWV 434b), von der nur das orchestrale Ritornell und eine Generalbassstimme überliefert sind, die Ghielmi um einen eigenen Orgelpart nach Vorbild der bekannten Cembalo-Chaconnen HWV 435 und 442 ergänzt, die einen fast gleichen Basso ostinato aufweisen. Für Überraschungen ist gesorgt, denn neben der Orgel kommt diesmal auch Paolo Grazzi, der erste Oboist des Ensembles, mit dem Concerto  g-Moll HWV 287 zu solistischer Ehre. Das Programm dieser CD wird vervollständigt durch das zweite Orgelkonzert (A-Dur HWV 296) des 1738 von John Walsh in London publizierten '2nd Set' Händels für diese Besetzung (nach Opus IV) sowie mit dem g-Moll-Konzert Opus VII No. 5 (HWV 310) – ein Vorgriff und Appetizer auf die hoffentlich bald als Fortsetzung zu erwartende dritte Folge des Ghielmi-Zyklus mit dem Rest von Opus VII.

Das gelungene Programm und die herausragende Interpretation heben Ghielmis Händel abermals auf Referenz-Status: Die Produktion ist nicht nur der verbreiteten, aber etwas eintönigen, dumpfer, distanzierter aufgommenen Gesamtschau der Orgelkonzerte mit Christian Schmitt und Nichol Matt (Brilliant Classics) vorzuziehen, sondern schlägt auch ob ihrer demonstrativen Gelassenheit und Klangschönheit die sportiveren älteren Archiv Produktionen mit Simon Preston und Trevor Pinnock. Sowohl aufnahmetechnisch als auch hinsichtlich der Qualität des Booklets (mit einmführendem Text Ghielmis in Englisch, Französisch und Deutsch) hat das kleine belgische Label Passacaille wieder herausragende Arbeit geleistet – zurecht prämiert jüngst mit einem weiteren Diapason d’Or.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg Friedrich: Orgelkonzerte Vol. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Passacaille
1
01.10.2012
EAN:

5425004849908


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Passacaille

Das belgische Label PASSACAILLE wurde 1995 gegründet und sollte von Anfang an eine Plattform für hochrangige belgische Künstler der historischen Aufführungspraxis sein. Das Barockorchester il Fondamento mit seinem Leiter Paul Dombrecht und der Hammerklavierspezialist Jan Vermeulen gehörten zu den ersten, die für das Label aufnahmen. Später erweiterte sich der Künstlerkreis um weitere prominente Namen wie Wieland Kuijken oder das Ensemble Octophorus. Bald erhielten die Aufnahme internationale Preise, was als zusätzlicher Anreiz gesehen wurde, sich im künstlerischen Bereich auch internationalen Künstlern und Ensembles zu öffnen. Ab 2000 begann die Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen europäischen und transatlantischen Ländern. 2006 übernahm der belgische Traversflötist und Musikwissenschaftler Jan de Winne das Label und erweiterte den Künstlerkreis des Labels erneut um international renommierte Künstler wie zum Beispiel Graham O'Reillys Ensemble Européen William Byrd und Lorenzo Ghielmis Ensemble La Divina armonia, das hier erst kürzlich eine fulminante Aufnahme von Händels Orgelkonzerte Op.4 vorgelegt hat. Als weitere Neuzugänge seien noch der brasilianische Cembalist Nicolau de Figueiredo, der Cellist Sergei Istomin und der Fortepianist Alexei Lubimov zu nennen. Im Rahmen der Neuorganisation des Labels möchte Jan de Winne den bewährten ursprünglichen Schwerpunkt Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beibehalten, aber auch nach und nach Musik späterer Epochen in das Programm integrieren.


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