> > > Leclair, Jean-Marie: Violinkonzerte op. 7
Samstag, 19. Juni 2021

Leclair, Jean-Marie - Violinkonzerte op. 7

Atmendes Spiel


Label/Verlag: Ramée
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Label Ramée bringt abermals eine CD mit Werken Jean-Marie Leclairs auf den Markt und vertraut die Einspielung erstklassigen Kräften an: dem brasilianischen Geiger Luis Otavio Santos und Les Muffati unter der Leitung Peter van Heyghens.

Jean-Marie Leclairs Biographie war lange Zeit nur spärlich erforscht und vermittelte den Eindruck einer eigensinnigen Persönlichkeit. Begonnen hatte er seine Laufbahn in Lyon als Tänzer und Maître à danser, was ihn gleichzeitig als Geiger auswies. Sein Weg führte ihn nach Italien, wo er, durchaus mit geigerischem Talent gesegnet, bei Giovanni Battista Somis seine Fähigkeiten ausbaute. Auch zu Locatelli pflegte er Kontakte, so dass er die französische wie die italienische Violinschule gleichermaßen kannte. Als Geiger im Concert Spirituel, dem Rahmen hochkarätiger musikalischer Darbietung im Paris des 18. Jahrhunderts, konnte er sich so erfolgreich etablieren, dass er in königliche Dienste berufen wurde. Hier blieb er jedoch nicht lange und verließ infolge von höfischen Kabalen seinen Posten freiwillig wieder. Sein unstetes Leben endete in der Pariser Vorstadt, wo er letztlich ermordet wurde – angeblich von einem eifersüchtigen Neffen.

Von seinem kompositorischen Schaffen sind vor allem seine vier Bücher mit Violinsonaten bis heute geschätzt und gelten als Markstein des modernen, virtuosen französischen Violinstils. Seine Violinkonzerte tragen eine unverkennbare italienische Handschrift, ist das Konzert doch seinerzeit die italienische Gattung schlechthin; man fühlt sich an Corelli und Locatelli erinnert. Als etablierter Virtuose sparte Leclair nicht mit spieltechnischer Raffinesse und verlangt bis heute vom Spieler eine solide Fingerfertigkeit auch in den hohen Lagen, die im frühen 18. Jahrhundert schon aufgrund der Bauweise der Instrumente noch nicht so erschöpfend häufig eingesetzt wurden.

Die vorliegende Aufnahme ist ein weiterer Teil einer umfangreichen Einspielungsreihe, in der sich der Geiger Luis Otavio Santos dem Komponisten Leclair widmet – jedesmal mit Erfolg. Kaum ein anderer Barockviolinist der Gegenwart hat ein derart organisches und ‚atmendes‘ Spiel. Seine Spieltechnik ist makellos, tritt aber neben seiner Fähigkeit zum musikalischen Gestalten geradezu in den Hintergrund – zu gefesselt ist man von den vielfältigen Klangnuancen und Details in der Phrasierung. In der intimen Atmosphäre seiner Sonateneinspielungen tritt es noch deutlicher hervor, aber auch hier im Rahmen von Leclairs Konzerten überzeugt Santos vollkommen. Der süßliche, fast schon schmelzende Klang seines Instruments trägt ebenso zum faszinierenden Ergebnis von Santos Arbeit bei.

Das Orchester spielt lebendig, aber diszipliniert; man möchte meinen, sie wollten damit den doch sehr italienisch anmutenden Werken ihre französische Herkunft bewahren. Es zeugt von einer hervorragenden und intelligenten Orchesterleitung, wenn der Orchesterklang zwar homogen und präzise ist, aber nicht zu einer undefinierten und einheitlichen Klangwolke verschwimmt, sondern differenziert und nuancenreich bleibt. Peter Heyghen schafft eine hervorragende Begleitung zum lässig-eleganten Spiels des Solisten.

Die Klangqualität der Einspielung ist hervorragend klar und gut ausbalanciert und trotz einer Kirche als Aufnahmeort nicht zu verschwommen. Der Booklet-Text ist angemessen ausführlich, gut recherchiert und gefällig geschrieben. Er erläutert den Werdegang Leclairs in Bezug auf sein Konzertschaffen sowie die Ursprünge der zahlreichen Einflüsse, die auf sein Werk wirkten. Der historisch interessierte Leser kann sich außerdem in einer kurze Abhandlung über die hier praktizierte Besetzung der Konzerte vertiefen. Französische und englische Übersetzungen der Einführung und der Künstlerportraits komplettieren das Booklet. Alles in allem ein lohnenswerter Beitrag jeder ambitionierten CD-Sammlung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Silvia Bier Kritik von Silvia Bier,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Leclair, Jean-Marie: Violinkonzerte op. 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ramée
1
01.11.2012
Medium:
EAN:

CD
4250128512022


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Ramée

Das Label RAMÉE wurde im Jahre 2004 von Rainer Arndt gegründet.
In den ersten vier Jahren seiner Existenz hat sich RAMÉE bereits als eine vielbeachtete Marke am CD-Markt der Alten Musik etabliert. Etliche Veröffentlichungen des noch kleinen Katalogs haben das Lob von Fachpresse und Publikum gefunden und sind mit Preisen prämiert worden. Sechs bis acht »handverlesene« Produktionen pro Jahr des Ein-Mann-Betriebes konzentrieren sich vor allem auf selten oder noch nicht eingespielte Literatur der Alten Musik oder auf bekanntere Werke in neuen und ungewöhnlichen Interpretationen.
Dabei werden nicht nur höchste Ansprüche an die Aufnahme selbst gestellt, sondern ebenso an die graphischen und taktilen Eigenschaften der Hülle sowie an die literarische und wissenschaftliche Qualität des Textheftes: RAMÉE-CDs sollen poetische Objekte als Ganzes sein, denn das Vergnügen des Ohres ist untrennbar mit dem des Auges und der Hand verbunden. Eine Edition für anspruchsvolle Liebhaber guter Musik!


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