> > > Dongois, William & Le Concert Brisé: Venetian Art 1600: Werke von Fontana & Buonamente
Donnerstag, 19. Juli 2018

Dongois, William & Le Concert Brisé - Venetian Art 1600: Werke von Fontana & Buonamente

Ästhetischer Aufbruch


Label/Verlag: Accent
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sonaten von Fontana und Buonamente als Zeugnisse des radikalen Wandels um 1600 - überzeugend geboten von William Dongois und seinem Ensemble Le Concert Brisé.

Die ästhetische Wende in der europäischen Musik um 1600 brachte nicht nur einen fundamentalen Wandel mit Blick auf Formen, Gattungen, expressive Möglichkeiten und gestalterische Prinzipien – auch die instrumentale Musik emanzipierte sich erst in dieser Zeit vollständig von der vokalen, der sie zuvor weitgehend dienend zugeordnet war. Diese hochinteressante Phase der Musikgeschichte setzte bei etlichen Komponisten große Kreativität frei, weckte Entdeckerlust und Unternehmungsgeist.

Der Zinkenist und Ensembleleiter William Dongois hat nun Arbeiten von zweien dieser Protagonisten zu einem farbigen Programm zusammengefügt: Neben den Sonaten Giovanni Battista Fontanas stehen Sonaten und kürzere Sätze nach Tanzformen von Giovanni Battista Buonamente. Letzterer zeigt sich vor allem elegant und klangsinnlich. Seine effektvollen Kompositionen erlangen eine erstaunliche Expressivität. Buonamentes Satz lebt weniger von technischer Raffinesse als von klar ausgeprägtem Temperament und einem sicheren Gespür für Klangwirkungen.

Fontanas Arbeiten sind gestisch deutlich variantenreicher und getragen von einer deutlicher ausdifferenzierten Linearität, die sehr schöne lyrische Passagen zeitigt. Die Sonaten sind ausgreifend gebaut und kontrastieren virtuoses Passagenwerk mit kunstvoll gedehnter Linearität.

Kundige Stilisten

Dieses Programm bietet versierten Akteuren eine dankbare Möglichkeit zur Entfaltung: In der Besetzung mit Christine Moran (Violine), William Dongois (Zink), Katharina Bäuml (Dulzian), Matthias Spaeter (Erzlaute), Hadrien Jourdan (Orgel) und Carsten Lohff (Cembalo und Orgel) kultiviert das Ensemble einen frischen, agilen und wirklich plastischen Ton. Alle Akteure sind natürlich individuell stark, interagieren aber auch in den dezent wechselnden kammermusikalischen Besetzungen überzeugend. Dongois registriert die charaktervollen Möglichkeiten der Formation effektvoll, wobei neben seinem Zinkenspiel und Christine Morans Geigenanteil vor allem die ungemein konturstarken Beiträge Katharina Bäumls auf dem Dulzian herausragen. Die Intonation ist durchaus reich an lebendigen Schwebungen – die Instrumentencharakteristika spielen eine deutlich hörbare Rolle. Artikulatorisch wir der fast klassisch zu nennende Rahmen für die Musik des beginnenden Barock geradezu idealtypisch abgedeckt: Sprühend bewegte Kleinteiligkeit wird mit weit ausgreifenden Linien kontrastiert. Das alles ist in einem angemessen konzentrierten und doch räumlich lebendigen Bild realisiert. Der hintergründig zu nennenden Raumanteil veredelt manch schöne Linie ohne sie zu verunklaren. Im dreisprachigen, fein gestalteten Booklet überzeugt der kundige, dabei unmittelbar einleuchtende Text aus der Feder von William Dongois, der die Kompositionen gekonnt in musikhistorischen Zeitläufte einbettet.

Dongois zeichnet einmal mehr für eine programmatisch ambitionierte, in ihrem Ansatz durchdachte Platte verantwortlich. Wichtig ist: Das Nachdenken über musikalische Konstellationen ist nie Selbstzweck, sondern es mündet verlässlich in interpretatorisch hochwertige Resultate.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dongois, William & Le Concert Brisé: Venetian Art 1600: Werke von Fontana & Buonamente

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Accent
1
01.11.2012
EAN:

4015023242531


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Accent

Schon bei der Gründung des Labels 1979 durch Andreas Glatt war klar, dass ACCENT sich fast ausschließlich mit Alter Musik in historischer Aufführungspraxis beschäftigen würde. Die Künstler, die für ACCENT aufnehmen oder aufgenommen haben, gehörten von Anfang an zu den renommiertesten Interpreten der "Alte-Musik-Szene": darunter die Brüder Barthold, Sigiswald und Wieland Kuijken, René Jacobs, Jos van Immerseel, Maria Cristina Kiehr mit La Colombina, Paul Dombrecht, Marcel Ponseele mit seinem Ensemble Il Gardellino, aber auch jüngere Künstler wie Ewald Demeyere und sein Bach Concentus, das Ensemble Private Musicke mit Pierre Pitzl oder das Amphion Bläseroktett. Der ACCENT-Katalog möchte den neugierigen Musikfreund auf eine Reise durch die Welt der Alten Musik mitnehmen. Dabei wird er, neben ausgewählten Standardwerken, nicht selten Stücken begegnen, die kaum im Konzertbetrieb oder auf CD anzutreffen sind. Erstaunlicherweise stammen sie nicht nur von wenig bekannten Komponisten, sondern auch von so großen Namen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann. Diese Raritäten werden für ACCENT nicht allein um ihres Seltenheitswerts aufgenommen, sondern vielmehr, weil sie wichtige, bislang sträflich vernachlässigte Werke sind, deren Entdeckung zu einem persönlichen Anliegen der Interpreten wurde.


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