> > > Prokofieff, Sergei: Violinkonzerte Nr. 1 & 2
Sonntag, 15. September 2019

Prokofieff, Sergei - Violinkonzerte Nr. 1 & 2

Vorläufiger Höhepunkt


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Arabella Steinbachers Beschäftigung mit den Violinkonzerten von Sergej Prokofjew lässt keine Wünsche offen, teils ist sie gar maßstabsetzend. Sie wird von Vasily Petrenko und dem Russian National Orchestra sehr farben- und stimmungsreich unterstützt.

Arabella Steinbacher setzte bislang, zumindest was ihre Einspielungen angeht, einen Schwerpunkt in der Violinliteratur des 20. Jahrhunderts. Freilich widmet sie sich auch den großen romantischen Konzerten, doch bekräftigte sie ihre künstlerische Reife insbesondere mit Schostakowitsch, Bartók, Milhaud, Khatchaturian, Szymanowski. War in ihrer letzten Einspielung für Pentatone bei aller technischen Souveränität in Bartóks Violinkonzerten noch ein wenig Zurückhaltung im Ruppigen und Motorischen festzustellen, so finden in ihrer nun ebenfalls von Pentatone veröffentlichten erfolgreichen Beschäftigung mit den beiden Violinkonzerten von Sergej Prokofjew die technische und die musikalisch-interpretatorische Seite in eine Balance, die man als ideal bezeichnen kann. Ihr zur Seite stehen diesmal das Russian National Orchestra unter der Leitung von Vasily Petrenko, der in letzter Zeit vor allem mit seinem Schostakowitsch-Zyklus aus Liverpool von sich reden machte.

Arabella Steinbacher wirft sich mit höchstem Engagement in Prokofjews Konzerte. Bittersüße melodische Bögen formt sie mit Ruhe, doch mit hoher Innenspannung. Stets ist beunruhigende Spannung spürbar, die dann auch regelmäßig Prokofjews Melodien entweder in motorisch-scherzandohaften Sarkasmus umkippen lässt oder vom Orchester so bitter eingefärbt wird, dass der Schönheit der Kantilene der Boden unter den Füßen wegbricht.

Die Geigerin versteht es nicht nur, diesen Stimmungsnuancen mit einem bemerkenswert flexiblen und farbenreichen Ton nachzuspüren, sondern begeistert auch durch dynamische Finessen. So werden heftige Umbrüche nicht kaschiert, sondern Charaktergegensätze in großer Plastizität vermittelt. Die größte Stärke dieser Einspielung liegt allerdings darin, dass es Arabella Steinbacher gelingt, mit höchster Spannkraft zu phrasieren, melodische Fortentwicklungen unter einen Atem stellend und stets auf einen ruhigen, aber unaufhaltsamen Zug nach vorn drängend. So gerät das 'Andantino' des Violinkonzerts Nr. 1 D-Dur op. 19 ebenso zwingend wie der von sehrender Sanglichkeit erfüllte zweite Satz des g-Moll-Konzerts op. 63. Von bezwingender Energie ist die Steigerung im ersten Satz 'Allegro moderato' dieses Konzerts, und auch das rasende 'Scherzo' des D-Dur-Konzerts macht eine furios Wirkung. Überzeugend gelingt der Geigerin auch der an die beiden Konzerte anschließende solistische Beitrag mit der Sonate für Violine solo D-Dur op. 115.

Zu dem glänzenden Gesamteindruck dieser exzellenten Aufnahme, die den vorläufigen Höhepunkt in Arabella Steinbachers Diskographie bilden dürfte, tragen Vasily Petrenko und das blitzsauber agierende Russian National Orchestra entscheidend bei. Petrenko arbeitet die Farben der Partituren minutiös heraus – das typisch gläsern kühle hohe Pfeifen Prokofjews ebenso wie die Schlagwerkeinwürfe, fahle Streicherklangflächen ebenso wie Holzbläserspitzen, ruhige Kantilenen gelingen ebenso wie motorische Rhythmik. Insgesamt sind die Tempi ein klein wenig langsamer als sie noch in der unmittelbaren Entstehungszeit (und von Geigern, die zu den ersten Interpreten dieser Stücke gehörten) genommen wurden, doch wirkt das Tempo stets goldrichtig, weil Steinbacher es versteht, jede Sekunde mit Spannung zu füllen und Phrasierungen weit ausgreifen zu lassen.

Die Qualität der klanglichen Präsentation steht der musikalischen in nichts nach. Auch wenn die Solistin ein bisschen zu prominent erscheint, so wird doch der sehr farbenreiche Orchesterklang mit all seinen Zwischennuancen sowie Ecken und Kanten von der Tontechnik sehr klar und räumlich abgebildet. Man wird diese hybride SACD jedem guten Herzens empfehlen dürfen, der sich mit Prokofjews Violinkonzerten (erneut) beschäftigen möchte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Prokofieff, Sergei: Violinkonzerte Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pentatone Classics
1
12.10.2012
Medium:
EAN:

SACD
827949039560


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Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


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