> > > Liszt, Franz: Klavierkonzerte Nr. 1 & 2
Mittwoch, 17. August 2022

Liszt, Franz - Klavierkonzerte Nr. 1 & 2

Silberstreif und Donnerwucht


Label/Verlag: Pentatone Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die junge armenische Pianistin knüpft mit der Einspielung der beiden Klavierkonzerte von Franz Liszt an ihr beachtliches Debüt bei Pentatone erfolgreich an.

Nach ihrem beachtlichen Debüt beim holländischen Label Pentatone mit einem Rachmaninoff-Programm legt die junge armenische Pianistin Nareh Arghamanyan nun nach kurzer Zeit bereits eine Folgeeinspielung vor. Sie widmet sich Virtuosenstoff reinsten Wassers, diesmal mit Orchester. Auf dem Programm stehen neben den beiden Klavierkonzerten von Franz Liszt sein 'Totentanz' sowie die eher selten zu hörende 'Fantasie über ungarische Volksweisen'.

Nareh Arghamanyan unterstreicht damit, dass sie zu den vielversprechenden jungen Pianistinnen der internationalen Musikerszene gehört. Um sie wird nicht so viel Publicity gemacht werden wie um Kolleginnen, die bei einem der Major Labels untergekommen sind. Aber Posen und Hochglanzfotos sagen über die künstlerische Reife erst einmal gar nichts. Oft ist das Verhältnis zwischen marketinggezeugter Bekanntheit und künstlerischer Qualität ohnehin reziprok. Daher kann man sich freuen, dass Arghamanyan mit Pentatone einen seriösen Partner an ihrer Seite hat. Für den Hörer zahlt sich das aber noch auf andere Weise aus: Pentatone garantiert erstklassige Klangqualität. So kann sich der gestalterische Feinschliff der Pianistin ohne klanglichen Watte-Vorhang auf direkte Weise ungehindert mitteilen.

Nareh Arghamanyan verfügt über eine makellos Technik. Endlose Trillerketten gelingen ebenso eindrücklich wie vorbeifliegende Ornamentik, die perlende Läufe wie ein Silberstreif als Gestalt- und Farbwert erfahrbar werden lässt, und auch die Oktavgänge meistert sie trittsicher. Vor allem aber ist die junge Pianistin eine Gestalterin. Man wird von ihr keine bahnbrechend neue Sicht auf Liszts erwarten, das wäre der falsche Maßstab. Aber sie setzt durchaus individuelle Akzente. So hebt sie die mit kantablen und rezitativischen Eigenschaften aufwartende Seitenthemen-Prägung im ersten Satz des Es-Dur-Konzerts aus dem Fluss heraus und verleiht ihr klare Konturen. Der Kontrast zum Vorhergehenden wird erhöht, aber auch in sich ist diese Gestalt reich an Nuancen. Es wundert nicht, dass aufgrund der geschärften Gegensätze der Rezitativ-Teil des 'Quasi Adagio' in ihrer Interpretation einen der Höhepunkte des Konzerts bildet. Der Schlagabtausch mit den flirrend-erregten Figuren des Orchesters ist voller Spannung und ungeduldigem Vorwärtsdrang.

Insgesamt zeichnet sich das Zusammenspiel von Orchester und Solistin durch eine gerade bei diesen Konzerten nicht allgemein übliche intensive Abstimmung aus. Die immer wieder solistisch hervortretenden Bläser verschmelzen manchmal beinahe mit der Klavierstimme, da sie fein aufeinander reagieren. Unter Alain Altinoglu spielt das Radio-Sinfonieorchester Berlin geschliffen, aber mit stetem Zug nach vorn – das trifft sich mit der Haltung von Nareh Arghamanyan sehr gut. Besonders sensibel und klangschön ist das ‚solistisch‘ geführte Violinduett in der Interaktion mit der Pianistin, blühend das Holzbläserspiel, von größtem Reiz allerdings ist das kernige Blech, das die martialischen Marsch-Episoden knackig unterstreicht. Auch in der Paraphrase über das ‚Dies-irae‘-Motiv überzeugt der zupackende, straffe Klang des Orchesters in den dramatisch zugespitzten Passagen. In der vierten Variation allerdings wird deutlich, dass die Pianistin neben dem virtuosen Feuerwerk auch polyphonen Linien in gebotener Zartheit, aber sehr klar nachzuspüren versteht. Es gibt jedoch Einspielungen, in denen die Variationen enger zusammenhängen und einen stärkeren Sog entfalten.

Nareh Arghamanyan gelingt es mit dieser Liszt-SACD, an ihr starkes Debüt anzuknüpfen. Sie gestaltet bewusst und bedacht, lässt aber auch an den geeigneten Stellen der puren Klangwucht oder der rauschenden Virtuosität freien Lauf. Das ist bei Liszt mehr als angebracht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Liszt, Franz: Klavierkonzerte Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Pentatone Classics
1
15.10.2012
Medium:
EAN:

SACD
827949039768


Cover vergössern

Pentatone Classics

PentaTone wurde im Jahr 2001 von drei ehemaligen Leitenden Angestellten der Philips Classics zusammen mit Polyhymnia International (dem ehemaligen Philips Classics-Aufnahmezentrum) ins Leben gerufen.
Die Gründer von PentaTone sind überzeugt, dass der 5-Kanal Surround-Sound allmählich den heute noch gängigen Stereo-Sound ersetzen wird, vor allem weil er die Hörerfahrung immens bereichert. Die Einführung der Super Audio-CD (SA-CD) durch Sony und Philips hat es dem Hörer ermöglicht, sich den Konzertsaal direkt ins eigene Wohnzimmer zu holen. Die SA-CD hat im Vergleich zur CD eine weitaus höhere Speicherkapazität und sie kann 5-Kanal-Informationen in hoher Auflösung aufnehmen. Deshalb bietet die SA-CD einen hochwertigen Surround Sound.
Alle PentaTone-Aufnahmen erscheinen auf sog. hybriden SA-CDs, die zwei miteinander verbundene Schichten haben. Die erste enthält das normale CD-Signal, während auf der zweiten das Surround-Sound-Signal abliegt. Diese hybriden Tonträger können mit Stereo-Effekt auf jedem normalen CD-Spieler abgespielt werden. Um den Surround Sound-Effekt zu erzielen, benötigt man einen SA-CD-Spieler.
PentaTone baut seit einigen Jahren mit den hervorragenden Aufnahmen von Polyhymnia International einen neuen Klassikkatalog auf, der die berühmtesten Werke der Musikgeschichte enthält, interpretiert von absoluten Weltklasseinterpreten. So wurden Symphonie-Zyklen von Beethoven, Bruckner, Schostakowitsch und Schumann begonnen. Ein Brahms-Zyklus mit Marek Janowski am Pult des Pittsburgh Symphony Orchestra ist bereits erschienen. Sämtliche Werke für Violine und Orchester von Mozart wurden mit Julia Fischer aufgenommen, dem "Gramophone Artist of the Year 2007". In seiner kurzen Geschichte hat PentaTone bereits zahlreiche renommierte Preise gewonnen, darunter einen Grammy, einen Gramophone Award, einen Preis der deutschen Schallplattenkritik, zwei Echos, zwei Diapason d'Ors de l'année und einen CHOC de l'année.
Neben den Neuaufnahmen veröffentlicht PentaTone auch historische Surround Sound-Aufnahmen auf SA-CD. Dafür hat PentaTone sämtliche, zwischen 1970 und 1980 von Philips Classics im Quadrophonie-Verfahren entstandenen Aufnahmen für die Herausgabe auf SA-CD lizenziert. Auf diesen Einspielungen sind die legendären Philips Classics-Künstler jener Epoche zu hören. Mit dem heutigen SA-CD-System kommen diese spektakulären und hochwertigen 4-Kanal-Aufnahmen so zur Geltung, wie man es ursprünglich geplant hatte. Die Serie trägt den Titel "RQR" (Remastered Quadrophonic Recordings).


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Von Dr. Tobias Pfleger zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

  • Zur Kritik... Vielversprechendes Debüt: Nareh Arghamanyan erweist sich hier als eine vielversprechende Pianistin, deren hohes technisches Vermögen außer Frage steht. Man wird von ihr noch einiges erwarten dürfen. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, 09.08.2012)

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Pentatone Classics:

  • Zur Kritik... Brahms der späten Jahre: Wach und feingliedrig, strukturklar und klangsensibel: Herbert Blomstedt kennt seinen Brahms und gibt ihm im Zusammenspiel mit dem Gewandhausorchester Leipzig Raum zum Atmen. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Schubert trifft auf Caspar David Friedrich: René Jacobs setzt mit dem B’Rock Orchestra seinen Schubert-Zyklus beim Label Pentatone fort. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Nostalgische Kunst-Folklore: Magdalena Kožená macht mit 'Nostalgia' auf zwei viel zu selten gespielte Liederzyklen von Bartók und Mussorgsky aufmerksam. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
blättern

Alle Kritiken von Pentatone Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Tobias Pfleger:

  • Zur Kritik... Tiefe persönliche Betroffenheit: Das Atos Trio nimmt mit einer glühend intensiven Aufnahme zweier tschechischer Klaviertrio-Meisterwerke für sich ein. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Durchdringung: Das Wiener Klaviertrio eröffnete mit gewohnter Klasse eine neue Reihe der Brahms-Klaviertrios. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Geist der Vergangenheit: Masaaki Suzuki nähert sich Strawinskys Neoklassizismus im Geist der Alten Musik. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Tobias Pfleger...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Mendelssohns Feuerwerkmusik aus Paris: Lars Vogt verpasst den beiden Mendelssohn-Klavierkonzerten eine dramatische Wucht, die den Werken eine überraschend düstere Aura geben. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Aufgetürmter Neubau: Telemanns Michaelis-Oratorium 1762 zeigt den Hamburger Komponisten auch in seinem letzten Lebensjahrzehnt auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Zwei Komponisten des Hochbarocks begegnen einander: Heinrich Ignaz Franz Biber und Georg Muffat lebten etwa zur selben Zeit und könnten sich in Salzburg begegnet sein. Dora Szilágyi und Flóra Fábri spüren Verwandtes und Unterschiede in der Kammermusik beider Komponisten auf. Weiter...
    (Diederich Lüken, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7-8/2022) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich