> > > Revich, Yury & Babor, Valentina spielen: Werke von Khandoshkin, Rachmaninoff u.a.
Samstag, 24. Oktober 2020

Revich, Yury & Babor, Valentina spielen - Werke von Khandoshkin, Rachmaninoff u.a.

Liebeserklärung an die russische Musik


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein sehr schönes Debüt des jungen Geigers Yury Revich mit einer interessanten Auswahl an bekannten und unbekannten russischen Werken, die er zauberhaft in Klang zu verwandeln versteht.

Der Musikschriftsteller Vladimir Stasov stellte einmal fest: ‚Das russische Volk liebt seit je sein Lied.‘ Diesem Leitspruch ist auch der junge, russische Geiger Yury Revich gefolgt und stellt uns auf seinem Debütalbum ‚Russian Soul‘ Werke seiner Heimat vor. Der erst 20-jährige Revich studierte Violine am Konservatorium in Moskau und an der Amadeus International School in Wien. Er spielte bereits mit zahlreichen, großen Orchestern (wie dem Russischen Nationalorchester oder der Moskauer Philharmonie) zusammen und trat auf internationalen Podien, etwa in der New Yorker Carnegie Hall oder im Wiener Musikverein auf. Sein künstlerische Entwicklung wurde mit einigen Preisen und Stipendien ausgezeichnet. Da darf man auf seine erste CD gespannt sein, bei der er von der Münchner Pianistin Valentina Babor begleitet wird, die 2011 ihr Solistendiplom an der Münchner Hochschule für Musik und Theater mit höchster Auszeichnung abgeschlossen hat.

Die Reise geht durch zweihundert Jahre russische Musikgeschichte. Es ist eine Entdeckungstour durch die ‚russische Seele‘ in der Musik. Dreh- und Angelpunkt dabei sind die Musikzentren St. Petersburg und Moskau. Beide Städte sind seit langer Zeit Standorte berühmter Konservatorien und Musikschulen, die von großen Musikern und Komponisten besucht und geprägt wurden. Doch neben den ganz großen Aushängeschildern der russischen Komponisten, wie Tchaikovsky, Prokofjew, Rachmaninoff und Schostakowitsch haben auch weniger bekannte einen Platz in diesem Programm gefunden.

So eröffnet Ivan Khandoshkin, ein höfischer Komponist Zar Peters I., das Programm. Seine Variationen über ein russischen Volkslied stimmen in ihrer von der italienischen Musik beeinflussten Leichtigkeit fröhlich und schwungvoll auf das Programm ein. Schon im zweiten Stück wird man völlig in den russischen Klangzauber eingeführt. Rachmaninoffs Serenade op. 3 lässt im Gegensatz zu Khandoshkin deutlich seine russischen Wurzeln erkennen, auch wenn er lange im Ausland gelebt hat. In den ersten zwei Stücken lässt sich bereits deutlich die große Kunstfertigkeit der beiden Interpreten erkennen. So zart und schwungvoll sie Khandoshkins Variationen darbieten, so souverän, kraftvoll und gleichfalls sensibel lassen die beiden jungen Künstler Rachmaninoffs Serenade erklingen.

Im folgenden 'Russischen Tanz' aus Tschaikowskys Ballett 'Schwanensee' und der Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier von Sergej Prokofjew zeigt Revich großes musikalisches Klangvermögen er besitzt; die Ausdruckspalette ist denkbar breit. Selbst kaum noch wahrnehmbar leise Töne besitzen Fülle. Selten ist ein so gespannte Zartheit auf der Violine zu hören, während die lauten, aufbrausenden Stellen direkt im Anschluss niemals schwer und überladen daherkommen. Verteilung und Einsatz der Kräfte sind phänomenal und ergeben ein schlüssiges und angenehm zu hörendes Gesamtbild der Stücke. Einen großen Anteil an diesem Klang hat sicherlich Revichs Instrument: eine Balestrieri von 1783, zur Verfügung gestellt von der Goh Family Foundation und der Amadeus International School in Wien. Doch das Instrument allein macht noch keine Musik, man muss es auch beherrschen können. Diese Fähigkeit besitzt Revich ohne Zweifel.

Auch einige ‚Klassiker‘ lassen sich in dem Programm finden. Rachmaninoffs 'Vocalise', arrangiert von keinem geringeren als Jasha Heifetz und – als eine Art Zugabe zum Schluss – der 'Hummelflug' von Rimsky-Korsakov. Auch wenn man sie schon so oft gehört hat, stören die zwei Nummern keineswegs den Genuss der auserwählten Sammlung an kleinen Besonderheiten.

Zuvor darf man ein Stück des fast vergessenen Komponisten und Lehrer Prokofjews, Reinhold Glière, erleben. Seine 'Romanze', ein Ruhepunkt zwischen zwei bewegten Stücken von Skrjabin und Rachmaninoff, verführt durch zarte Melodien und melancholische Harmonik. Voller Leidenschaft und Esprit, technisch auf allerhöchstem Niveau gelingt Revich und Babor dieses Stück ganz hervorragend. Ebenfalls schon fast vergessen, aber ein sehr wichtiger Impulsgeber für die Besinnung auf russische Traditionen in der Musik ist Milji Balakirev dessen 'Exprompt' mit Glasunovs 'Meditation' op. 32 einige letzte besinnliche Minuten vor dem Finale darstellen. Letzteres bilden zwei Tschaikowsky-Walzer und der 'Hummelflug'. Die CD klingt aus, wie sie begann: heiter, pfiffig und mit einem gewissen Augenzwinkern. Die beiden Musiker spielen präzise und im Ausdruck aufeinander abgestimmt zusammen. Natürlich tritt die Solovioline klar vor dem Klavier hervor, welches stets nur als Begleiter dient, doch man spürt, wie sich zwei außerordentliche Talente getroffen haben, um gemeinsam sinnliche Klangkunst zu erschaffen. Als Wegweiser durch das Programm, die verschiedenen Kompositionsstile, Schüler-Lehrer-Beziehungen und vieles mehr informiert das sehr gelungene Booklet.

Das Label Ars Produktion hat wieder einmal zwei vielversprechenden, jungen Künstlern die Möglichkeit geboten, ihr Können mit einer vollauf überzeugenden CD-Produktion unter Beweis zu stellen. In der Auswahl des Programms fehlen zwar wirklich herausstechende Höhepunkte, die Dramaturgie jedoch und ganz besonders der Klang der hybriden SACD sind absolut überzeugend. Der schattierungsreiche Ton Revichs wurde sehr gut eingefangen. ‚Wir verleihen ihm neue Flügel‘, schrieb der eingangs zitierte Stasov einst über das russische Lied. In Bezug zu dieser CD kann man nun sagen: Revich verleiht den russischen Petitessen neue Flügel. Das Debüt weckt Vorfreude auf weitere Aufnahmen des jungen Geigers.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





David Buschmann Kritik von David Buschmann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Revich, Yury & Babor, Valentina spielen: Werke von Khandoshkin, Rachmaninoff u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.10.2012
Medium:
EAN:

SACD
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Glière, Reinhold
 - Romance op. 3 -
Khandoshkin, Ivan
 - Variations on a Russian Folk Tune -
Prokofieff, Sergej
 - Sonata no. 2 for Violin and Piano op. 94 - Moderato
 - Sonata no. 2 for Violin and Piano op. 94 - Scherzo: Presto
 - Sonata no. 2 for Violin and Piano op. 94 - Andante
 - Sonata no. 2 for Violin and Piano op. 94 - Allegro con brio
Rachmaninoff, Sergej
 - Serenade op. 3 -
 - Vocalise op. 34 no. 14 - arranged by Jasha Heifetz -
 - Dance Hongroise op. 6 no. 2 -
Schostakowitsch, Dimitri
 - 4 Piano Preludes op. 34/10, 15, 16 & 24 - arranged by Dmitri Tziganov -
Skrjabin, Alexander
 - Etude op. 8 no. 10 - arranged by Szigeti -
Tschaikowsky, Peter
 - Russian Dance op. 40 no. 10 from the Ballett Swan Lake -


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Interpret(en):Revich, Yury
Babor, Valentina


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
?Die SACD - Super Audio CD kombiniert die Präzision der digitalen Reproduktion mit der Wärme des analogen Klanges. Das hat uns überzeugt.?


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