> > > Tartini, Giuseppe: Sonaten für Violine solo: Nr. 17,4,10,15,14
Sonntag, 15. September 2019

Tartini, Giuseppe - Sonaten für Violine solo: Nr. 17,4,10,15,14

Nur die Geige singt noch


Label/Verlag: Challenge Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Luigi de Filippi legt eine vollauf überzeugende Einspielung mit Violinsoli Giuseppe Tartinis vor.

Für Giuseppe Tartini, den Paduaner Geigenmeister des 18. Jahrhunderts, war der wahrste Gesang nicht der der menschlichen Stimme, sondern der auf der Violine. Sein Beitrag zur Geschichte des Violinkonzerts sind die langen, kantablen Mittelsätze; ganz bei sich scheint er in den 26 späten Violinsonaten zu sein, die er seit Mitte der 1740er Jahre in ein Notenbuch eintrug. Den Basso continuo, schrieb er, wo er es tat, nur um der Konvention willen, ließ ihn in oft aber gleich ganz weg. Nur die Geige singt noch.

Evokativ führt dies eine neue Einspielung von Tartini-Sonaten bei Challenge Classics vor Augen. Schon die erste Nummer der CD ist reiner Gesang: Das 'Andante cantabile' aus der siebzehnten jener Sonaten (B.D2): D-Dur, parallele Terzen, kurze, verbindliche Gesten, dazwischen viele Pausen. Musikalisch gewiss nichts Aufregendes, doch ist der Satz von einer lyrischen Innigkeit, die den Hörer auf seltsame Art berührt.

Die Erfahrung des italienischen Geigers Luigi de Filippi sowohl mit historisch informierter Aufführungspraxis als auch mit dem Jazz meint man der Einspielung anzuhören. Sein Geigenton leuchtet, ist kräftig, doch nichts weniger als unsensibel. Er leiht den Sonaten Eleganz und unaufdringliche Sinnlichkeit. In den schnellen Sätzen ist Filippis Geläufigkeit mühelos, die Gestaltung stets plastisch und unmittelbar eingängig. Die Tonbildung ist dicht, aber transparent, volltönend, aber im Ausdruck flexibel. Die 'Aria del Tasso' aus der eröffnenden D-Dur-Sonate ist ein Gesang ohne Worte, unterlegt mit Verszeilen aus dem Epos ‚Das befreite Jerusalem‘ des Torquato Tasso, in denen ein beklemmendes Traumgesicht geschildert wird. Tartini verzichtet auf Doppelgriffe, reduziert das musikalische Geschehen auf eine einfache, lyrische Linie. Filippi scheut nicht vor Portamenti zurück, die aber nichts Geziertes haben, vielmehr den eigenartig bohrenden, gequälten Charakter der Melodie eindringlich unterstreichen.

Sämtliche hier eingespielten Sonaten werden gleichermaßen anschaulich und einprägsam interpretiert. Sie bringen Spritzigkeit und Heiterkeit, klanglich dicht ausgesponnene Lyrik und manche jener schlichten, fast naiven Formulierungen Tartinis, die den Hörer bezaubern. Filippis Verdienst ist es, sie stets unprätentiös, aber unmittelbar ergreifend zur Geltung zu bringen.

Technisch ist die Aufnahme präzise und ausgewogen fokussiert. Klangräumlichkeit entsteht durch natürlich wirkenden Klangraum, doch geht das Instrument darin nicht unter; im Ganzen entsteht eine angemessene, dezente Intimität, die das musikalische Geschehen wirkungsvoll unterstreicht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tartini, Giuseppe: Sonaten für Violine solo: Nr. 17,4,10,15,14

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Challenge Classics
1
14.09.2012
Medium:
EAN:

CD
608917256123


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Challenge Classics

CHALLENGE RECORDS ist eine unabhängige Schallplattenfirma, die ihren Sitz in den Niederlanden hat. Sie setzt sich aus einer Gruppe von Musikenthusiasten zusammen, die mit großer Leidenschaft für den Jazz und die Klassische Musik internationale Produktionen kreieren.
Die Zusammenarbeit mit Künstlern wie Ton Koopman, dem Combattimento Amsterdam, dem Altenberg Trio Wien, Musica Antiqua Köln u.v.a., gibt CHALLENGE CLASSICS ein eindeutiges Profil.
Neben den inhaltlichen Schwerpunkten im Bereich der Barockmusik und der Kammermusik, finden sich auch herausragende Aufnahmen im Liedgesang, in frühklassischer Sinfonik sowie Opern und Oratorien auf DVD-Video.


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