> > > Solti, Sir Georg dirigiert: Werke von Beethoven, Schubert u.a.
Samstag, 22. Februar 2020

Solti, Sir Georg dirigiert - Werke von Beethoven, Schubert u.a.

Zu Ehren des Dämons


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Anlässlich von Georg Soltis hundertstem Geburtstag stellt EuroArts bereits in Einzelausgaben erhältliche Konzertmitschnitte mit einer Dokumentation über den Dirigenten in einer Box zusammen.

In den folgenden Wochen geht ein Jahr zur Neige, in dem man auf musikalischem Gebiet nicht nur einzelner Jubilare gedachte, sondern einer ganzen Gruppe – wenngleich diese Gruppe sich nicht selbst als solche verstand, sondern erst im Nachhinein zu einer solchen gemacht wurde, wegen der schnöden Gemeinsamkeit desselben Geburtsjahres. Die Rede ist vom legendären Dirigentenjahrgang 1912. Vor einhundert Jahren ist eine ganze Reihe herausragender Dirigenten geboren worden, doch nur wenige Jubilare wurden in diesem Jahr wieder ins Rampenlicht gerückt: Neben Günter Wand galt das Interesse vor allem Sergiu Celibidache und Georg Solti.

Jubiläen werden in unseren Tagen von den großen Labels weidlich genutzt, um Schätze der Vergangenheit an den Mann zu bringen – nicht aber zum ersten Mal. Meist werden längst bekannte und seit Jahrzehnten erhältliche Aufnahmen in eine Box gesteckt, mit einem neuen Cover versehen und dann zum Schleuderpreis unters Volk gebracht. Um Ramschware handelt es sich freilich bei der von EuroArts veröffentlichten Sammlung von drei DVDs zu Ehren des Dirigenten Georg Solti nicht. Doch sind die Aufnahmen keine Neuheiten, sondern eben nur neu zusammengestellt. Unter einem Dach vereint werden Konzertmitschnitte mit dem Chicago Symphony Orchestra und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit einem Dokumentarfilm (‚The making of a Maestro‘) von Peter Maniura. Der Regisseur begleitete Solti, aufgrund seiner unbändigen Energie, der stechenden Präzision und diabolischen Besessenheit in musikalischen Fragen auch als ‚Dämon am Pult‘ apostrophiert, kurz vor seinem Tod zu ehemaligen Wirkungsstätten. Es ist ein persönlich gehaltenes, biographische Stationen chronologisch nachverfolgendes Porträt des Dirigenten, das sich nicht in falscher Idolatrie ergeht – eine solche Darstellung hätte Solti vermutlich gar nicht geduldet –, sondern den Dirigenten mal erzählend, mal reflektierend, mal mit privaten, fast ungeschützten Auskünften ins Bild rückt.

Die Konzertmitschnitte aus Chicago, London und München entstammen unterschiedlichen Phasen in Soltis Laufbahn. Beethovens Erste und Sechste Sinfonie sind 1978 in der Royal Albert Hall (London) aufgezeichnet worden, Schuberts Sechste und die sogenannte ‚Unvollendete‘ ein Jahr später in Chicago, während der Münchner Mitschnitt einen Gastauftritt Georg Soltis 1990 im Gasteig dokumentiert. Hier wie dort waltet Soltis treibende, glühende Energie, die sich stets auf die Musiker übertrug und zu außerordentlichen Spannungsmomenten führen konnte – doch eben nicht in jedem Repertoire in gleichem Maß. Soltis Furor und das von ihm geforderte straffe, druckvolle, fast stählerne Musizieren lassen in Beethovens Erster für Humor und Überraschungsmomente wenig Raum. In der ‚Pastorale‘ macht sich dann zuweilen bemerkbar, was man Solti entgegengehalten hat: dass er rhythmisch klar konturierte Musik messerscharf und vorwärtstreibend wie kaum ein zweiter interpretieren konnte, für lyrische Momente aber die Ruhe, das Loslassen fehle. Daher wirken auch die beiden Schubert-Sinfonien, so ausdrucksstark ihre Lebhaftigkeit auch ist, etwas einseitig zugespitzt.

Am besten gefällt der Münchner Mitschnitt mit Schostakowitschs Sinfonie Nr. 9 und der Sechsten Sinfonie (‚Pathétique‘) von Tschaikowsky. Solti kann hier aus den Vollen schöpfen. Er spitzt etwa den Kopfsatz von Tschaikowskys h-Moll-Sinfonie furios und mit vehementer Wucht nach vorn schiebend zu und knüpft damit an Deutungen der Jahrhundertmitte (Mitropoulos, Fricsay etc.) an. Auch die vordergründige Festmusik von Schostakowitschs Neunter, die immer wieder Abgründe aufreißt, gelingt Solti ausdrucksstark, auch wenn man hier den Eindruck hat, Solti sei eher an der Vermittlung des Dämonischen dieser Musik interessiert, weniger an Doppelbödigkeit und Schwebezuständen.

Überraschungen hat diese Zusammenstellung also nicht zu bieten, dafür aber wird ein herausragender Dirigent in verschiedenen Phasen seiner Karriere porträtiert. Es ist insofern eine ausgeglichene und interessante Dokumentation seines interpretatorischen Vermächtnisses, weil es zeigt, was Solti überragend konnte und wo sein Musizieren an Grenzen stieß.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Solti, Sir Georg dirigiert: Werke von Beethoven, Schubert u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
24.09.2012
Medium:
EAN:

DVD
880242878984


Cover vergössern

EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag EuroArts:

  • Zur Kritik... Komponisten-Feuerwerk: Das Silvesterkonzert 2017 ist nicht nur gute Werbung für die Berliner Philharmoniker, sondern auch ein schönes Zeugnis von der langen und fruchtbaren Zusammenarbeit mit ihrem Chefdirigenten Sir Simon Rattle. Weiter...
    (Daniel Eberhard, )
  • Zur Kritik... Mutti und Sohn: Diese 'Lucrezia Borgia' aus San Francisco lebt von der Überzeichnung. Das gilt leider auch für die musikalische Seite, die zum Teil sehr ansprechende Leistungen präsentiert, aber nicht rundum zufrieden stellen kann. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Skalpell und Silberstift: Niveau und Klasse – bei Bělohlávek gewinnen solche Floskeln Sinn. Weiter...
    (Daniel Krause, )
blättern

Alle Kritiken von EuroArts...

Weitere CD-Besprechungen von Florian Schreiner:

  • Zur Kritik... Ordnende Hand: Interpretatorisch lässt sich Paavo Järvis Einspielungen mit dem Cincinnati Symphony Orchestra einiges abgewinnen. Klanglich gibt es aber bei einem großen Teil erhebliche Mängel. Weiter...
    (Florian Schreiner, )
  • Zur Kritik... Sattes Fundament: Diese äußerst reichhaltige Sammlung historischer Aufnahmen eines Großteils des Schaffens von Carl Nielsen ist vor allem für jene, die Nielsen aus jüngeren Aufnahmen schon einigermaßen kennen, eine unverzichbare Bereicherung. Weiter...
    (Florian Schreiner, )
  • Zur Kritik... Wiederentdeckung des Gesangs: Das Ensemble Armoniosa bringt Giovanni Benedetto Plattis Triosonaten zum Funkeln. Mitreißend vom ersten bis zum letzten Ton. Weiter...
    (Florian Schreiner, )
blättern

Alle Kritiken von Florian Schreiner...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Barocke Dido-Facetten: Sunhae Im und das Teatro del Mondo unter Andreas Küppers bringen barocke Schätze und Raritäten rund um die tragische Königin Dido wieder ans Tageslicht. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Klangbaden: Sehr feine, subtile Klangräume zeichnen ein spirituelles Programm, das unmittelbar ansprechend ist. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
  • Zur Kritik... Crossover auf höchstem Niveau: Uwaga! und das Folkwang Kammerorchester widmen sich sehr bekannten Beethoven-Stücken in Bearbeitungen. Weiter...
    (Elisabeth Deckers, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (2/2020) herunterladen (2900 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ferruccio Busoni: Sonata for Violin & Pianoforte op.36a - Allegro giacoso

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich