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Donnerstag, 20. Juni 2019

Madsen, Trygve - Werke für Horn

Norwegische Horntrouvaillen


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Trygve Madsens Werke für Horn sind bei Christoph Eß in den besten Händen.

Das Leipziger Label Genuin hat sich in der Vergangenheit um junge Musiker verdient gemacht und setzt dieses anerkennenswerte Engagement ungehindert und mit großem Erfolg fort. So warten zahlreiche Produktionen neben den gängigen Instrumenten(besetzungen) auch immer wieder mit Ungewohntem auf, und auch hinsichtlich des Repertoires gibt es nicht selten Raritäten zu entdecken und lohnenswerte Neubekanntschaften zu machen. So auch diese gelungene Einspielung mit dem schlichten Titel ‚Works for Horn by Trygve Madsen‘.

Als Interpret zeichnet Christoph Eß verantwortlich, der junge Solo-Hornist der Bamberger Symphoniker, dessen Blondschopf beim Anblick des Orchesters stets ins Auge sticht. Bestechend ist seine technische Meisterschaft, die mit großer Differenzierungskunst eine schlagende Verbindung eingeht. Das zeigt er in dieser Auswahl von Werken für Horn von Trygve Madsen, einem 1940 geborenen norwegischen Komponisten und Pianisten. Für das Horn und seine klanglichen Möglichkeiten zeigt sich Madsen sensibel, kenntnis- und erfindungsreich.

Die von Christoph Eß eingespielte Werkauswahl ist von großer Breite, nicht nur hinsichtlich der Besetzung, sondern auch bezüglich der Entstehungszeit. Neben einem Hornkonzert stehen unterschiedliche kammermusikalische Besetzungen, die von Horn solo ('The Dream of the Rhinoceros') über eine Sonate für Horn und Klavier, ein Horntrio und -quintett bis hin zu einem Einsätzer für zwei Hörner und Streichquartett reichen – ein breites Panorama klanglicher Möglichkeiten und Ausdrucksbereiche.

Trygve Madsens tonale Musik ist in bestem Sinn eingängig, ohne anbiedernd zu sein. Sie ist traditionell in ihrer Formung, aber abwechslungsreich, unterhaltsam und schillernd, geprägt von erfindungsreicher Melodik. In den Sonatensätzen stellt er zwei unterschiedliche Themen einander gegenüber, doch anstatt einer verarbeitenden Durchführung finden sich meist variierende Umformungen; diese Metamorphosentechnik hat einiges mit den ‚rotational forms‘ bei Sibelius gemeinsam, die eher auf strophische Variationen denn auf Durchführungsarbeit hinauslaufen. Doch zeigt sich Madsen auch durchaus firm in der Anwendung kontrapunktischer Techniken; am handwerklichen Geschick mangelt es seiner Musik beileibe nicht.

Auch wenn in den Werken von Trygve Madsen ein eher spielerisch-heiterer Grundcharakter vorherrscht, dessen Charakter an Francis Poulenc, Jean Francaix oder Gordon Jacob denken lässt, sind seine Werke doch unterschiedlicher Tönung. So weist die 1978 entstandene Hornsonate op. 24 in ihrer teils strengen Kontrapunktik und dem herben Kolorit einige Nähe zu Schostakowitsch auf, während das Horntrio op. 110 (1998) und das Quintett für Horn, Violine, zwei Bratschen und Cello op. 145 aus dem Jahr 2010 milder, heller und auch schwungvoller daherkommen. Im 1984 komponierten Hornkonzert op. 45 knüpft Madsen an den melodischen Tonfall der Hornkonzerte von Kurt Atterberg oder Lars-Erik Larsson an, wobei der 'Andante'-Mittelsatz in seiner mehrschichtigen Anlage Nähen zu Prokofjew aufweist.

Trygve Madsen lotet in seinen Werken die Farben des Horns erfindungsreich aus – auch in der Kombination der je beteiligten Instrumenten –, und es ist offensichtlich, dass für Christoph Eß die Beschäftigung mit diesen Werken keine lästige Pflichterfüllung ist. Mit eher dunklem Ton bringt er die unterschiedlichen Färbungen deutlich zum Ausdruck, glänzt mit Wendigkeit, robustem Zugriff in den Fanfaren-Aufschwüngen, lyrischer Wärme in den Kantilenen und Phrasierungen von ausgesuchter Schönheit. Desgleichen überzeugen seine kammermusikalischen Mitstreiter mit feinem Zugriff, stets sensibel für Madsens in vergleichsweise engem Rahmen oszillierenden Ausdruckswelten zwischen spielerischer Leichtigkeit, romantischer Emphase (etwa im Kopfsatz-Seitenthema des Hornkonzerts), verschatteter Lyrik oder hintergründiger Melancholie.

Zweifellos sind die Werke für Horn von Trygve Madsen eine schöne Bereicherung des Repertoires. Die Stücke sind unterhaltsam, ohne jedoch die Ausdruckstiefe und Komplexität wie etwa Ligetis Horntrio zu erreichen. Das freilich ist kein Schaden, schließlich stehen Anspruch und Einlösung in den Stücken von Trygve Madsen in einem ausgeglichenen Verhältnis. Christoph Eß erweist sich als formidabler Hornist, in dessen Händen (eher: Mundstück) die Werke von Madsen bestens aufgehoben sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Bisherige Kommentare zu diesem Artikel

  1. Danke
    Vielen Dank, daß Sie eine Lanze für den norwegischen Komponisten Trygve Madsen gebrochen haben.

    Nutzer_BOIDZPG, 30.11.2012, 16:05 Uhr
    Registriert seit: 30.11.2012

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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Madsen, Trygve: Werke für Horn

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
01.10.2012
Medium:
EAN:

CD
4260036252521


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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