> > > Quero, Ramon Ortega & Titova, Kateryna spielen: Werke von Schumann, Schubert u.a.
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Quero, Ramon Ortega & Titova, Kateryna spielen - Werke von Schumann, Schubert u.a.

Salon und große Bühne


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bunt und kurzweilig: Ramón Ortega Quero und Kateryna Titova widmen sich dem Repertoire für Oboe und Klavier im 19. Jahrhundert.

Vorliegende Solo-CD des jungen spanischen Oboisten Ramón Ortega Quero mit dem Titel ‚The Romantic Oboist‘ ist bereits seine dritte. Nach Kooperationen unter anderem mit der Kammerakademie Potsdam wird er nun von seiner aktuellen Kammermusikpartnerin Kateryna Titova begleitet, die sich, noch jünger als Ortega, als Pianistin ebenfalls schon einen gewissen Namen erspielt hat. ‚Romantisch‘ ist auf dieser CD deckungsgleich mit dem 19. Jahrhundert, denn vor einem wird ein Spektrum an Kompositionsstilen und Gattungen ausgebreitet, wie es vor allem für das 19. Jahrhundert typisch ist. Zu Gehör gelangen Fantasien und Fantasiestücke, Romanzen sowie Lieder ohne Worte. Hinzu tritt große italienische Oper und polnisch-französische Salonmusik, jeweils zweimal als Potpourri. Der instrumentale Zuschnitt reicht dabei von für die Oboe wie gemachten langgestreckten Melodiebögen bis zu virtuosen Schaustücken, so dass Kurzweil garantiert ist.

So war es das Ziel des 1842 in Palermo geborenen Antonio Pasculli, die spieltechnischen Möglichkeiten seines Instrumentes ums Virtuose zu erweitern, was dem zu Lebzeiten international bekannten Pasculli den Beinamen ‚Paganini der Oboe‘ eintrug. In seiner äußerst kurzweiligen Fantasie über Donizettis Oper 'Poliuto' hört man mindestens fünf verschiedene Arien, deren Melodien mehr oder weniger aneinandergereiht werden (darin vielleicht dem heutigem Medley vergleichbar). Die Melodien werden zunächst meist im Klavier vorgestellt, um dann von der Oboe variierend, d.h. hier: umspielend aufgegriffen zu werden. Wie dieses verschnörkelte Umspielen zentraler Töne mittels gebrochener Akkorde, Skalen, Oktavierungen und anderem Figurenwerk virtuos auf die Spitze getrieben wird, so dass man meint zu hören, wie sich die Finger beim Spielen verknoten, kann man nach etwa fünf Minuten zum ersten Mal erleben, wenn die Anzahl der zu spielenden Noten für die Oboe plötzlich sprunghaft um ein Vielfaches steigt.

Ähnlich wie bei Pascullis Donizetti-Arrangement verhält es sich auch mit Theodore Lalliets 'Fantasie sur de Motifs de Chopin'. Lalliet stammt aus der Normandie und studierte am Pariser Konservatorium Oboe, bis er nach einer solistischen Laufbahn Mitglied des Pariser Opernorchesters wurde. Noch stärker als die Donizetti-Fantasie konzentriert sich Lalliets Stück auf das Auskosten der gesanglichen Qualitäten der Oboe, denn hier erklingen nach kurzer Einleitung durch das Klavier lediglich zwei Themen – im Französischen kann ‚motif‘ auch kurzes Thema heißen –, und zwar von äußerst bekannten Stücken. Es handelt sich nämlich um die des sogenannten ‚Regentropfen-Preludes‘ sowie des Preludes in A-Dur op. 28 Nr. 7. Durch das Arrangement verschiebt sich der Tonfall der Musik allerdings ins Süßliche. Gleiches gilt für Ortegas eigene Bearbeitung des Schubert-Impromptus op. 90 Nr. 3, in der die Melodie in der rechten Hand die Oboe übernimmt, 'Ave Maria'-Assoziationen sind schwer auszublenden. Stärker der Oboe auf den Leib geschrieben wirkt Ortegas zweite Transkription, die von Lenskys Arie ('Kuda Kuda') aus Tschaikowskys Oper 'Eugen Onegin', da das musikalische Material für eine Bearbeitung für Blasinstrument und Klavier hier geeigneter erscheint. Von der Gefälligkeit her reiht sich Johann Wenzel Kalliwodas 'Morceau de Salon' op. 228 nahtlos in das CD-Programm ein.

Robert Schumanns 'Drei Romanzen' op. 94 für Oboe und Klavier aus dem Jahr 1849 trifft man gelegentlich auch in der Version für Violine oder Klarinette. Anders als die 'Fantasiestücke' op. 73 sind die Romanzen jedoch ursprünglich für Oboe gedacht. So soll Schumann seinem Verleger Simrock erwidert haben, als dieser ihm eine Fassung mit Klarinette vorschlug: ‚Wenn ich originaliter für Klarinette und Klavier komponiert hätte, würde es wohl etwas ganz anderes geworden sein.‘ Tatsächlich wirken die Stücke in ihrem elegisch-erzählendem Tonfall und ihren langgestreckten Gesangsbögen wie für die Oboe gemacht, während die ebenso 1849 entstandenen 'Fantasiestücke', ebenfalls drei an der Zahl, vom Charakter her noch extrovertierter und zupackender sind und noch etwas mehr der Klarinette auf den Leib geschrieben scheinen. Wobei es von den Fantasiestücken, zusätzlich zu den etablierten Fassungen mit Oboe, Violine oder Cello mittlerweile sogar Einrichtungen für Querflöte oder Bratsche gibt.

Ramón Ortega Queros Spiel ist von weicher Delikatesse und traumwandlerischer Souveränität geprägt. Es nimmt wenig Wunder, dass er trotz seines noch jungen Alters bereits Solo-Oboist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist. Das einzige, was negativ auffallen könnte, ist bei aller Ausdrucksnuanciertheit und Phrasengeschicklichkeit eine gewisse dynamische Gleichförmigkeit.

Kateryna Titova bewegt sich dezent im Hintergrund; die Musikstücke bieten leider eher selten Gelegenheit, um ihr individuelles pianistisches Profil, das sie an anderer Stelle bewiesen hat, einmal in den Vordergrund zu stellen. Programm und Interpretation bieten wenig positives Irritationspotential, was man gut finden oder bemängeln kann. In jedem Fall ist ‚The Romantic Oboist‘ schön anzuhören – sowohl zum Lauschen als auch für nebenbei.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Quero, Ramon Ortega & Titova, Kateryna spielen: Werke von Schumann, Schubert u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
01.10.2012
Medium:
EAN:

CD
4260036252545


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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