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Mittwoch, 23. Oktober 2019

Messiaen, Olivier - Quatuor pour la fin du temps

Sinnlichkeit


Label/Verlag: ORFEO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Live in Salzburg: Ein hochkarätig besetztes Quartett interpretiert Olivier Messians 'Quatuor pour la fin du temps' auf sehr hohem Niveau.

Im Mozarteum bei den Salzburger Festpielen 2008 erklang Kammermusik auf sehr hohem Niveau. Die Kunst des Spiels im Ensemble zelebrierten Carolin Widmann (Violine), ihr Bruder Jörg Widmann (Klarinette), Nicolas Altstaedt (Violincello) und Alexander Lonquich (Klavier). Sie balancierten die Kräfte aus, ihr Zusammenspiel war makellos. Die Besetzung wechselt in Olivier Messiaens 'Quatuor pour la fin du temps' zwischen drei Quartetten, drei Duos, einem Trio und einem Solostück. Es sind acht Sätze, weil die Acht für den Katholiken Messiaen die Zahl der Ewigkeit ist. In der Zeitkunst Musik sucht er darzustellen, dass keine Zeit mehr sei. Das programmatische Werk transzendiert, so der Eindruck, sein Programm. Komponiert und uraufgeführt wurde es 1941 in einem Gefangenenlager der Nazis.

Robust und filigran

Die Live-Aufnahme ist gelungen, kaum Huster, der Klang brillant – leuchtend und transparent zum Beispiel in 'Liturgie de cristal'. Die Interpreten verstehen sich (unter anderem) auf eine kluge Dramaturgie. In 'Vocalise, pour l‘Ange qui annonce la fin du Temps' gefallen ihre Pausen, das Atmen am Ende des Mittelteils und die sanfte Mechanik der hohen Streicherlinie und Klavierakkorde. Die ‚Himmelsharmonie‘ schwebt ätherisch. Auftritt und Abgang des Engels gestalten sie robust und filigran zugleich. An seinem Beginn könnte der Satz 'Danse de la fureur, pour les sept trompettes' noch härter, einen Tick brutaler sein, steinern klingt der Schluss.

Hochauflösend

Carolin Widmanns Spiel ist, besonders in 'Louange à l‘Immortalité de Jésus', in sich gekehrt, kantabel, von einer zitternden Intensität. Im Solosatz 'Abîme des oiseaux' besticht Jörg Widmann mit einem Klarinettenton, der natürlich und durchgestaltet zugleich ist (kaum je klang der Tritonus so selbstverständlich, ja schön), und mit einer hochauflösenden Gestaltung von Dynamik und Rhythmik – meisterhaft etwa die raumgreifenden Crescendi vom dreifachen Piano zum vierfachen Forte. Opake Klavierakkorde prägen das Duo 'Louange à l‘Éternité de Jésus', Altstaedts Cellomelodie schwingt hier ebenso beseelt wie in 'Fouillis d‘arcs-en-ciel, pour l'Ange qui annonce la fin du Temps', die Motorik à la Strawinsky ist nicht grob, sondern sie federt, die Triller sind eisig.

Die Interpretation verströmt Sinnlichkeit, weniger eine genuin französische oder katholische – es ist, wenn man so sagen darf, eine des Geistes. Messiaens 'Quatuor' in Salzburg: Klar und lyrisch, homogen und kraftvoll. Den Beifall hat man heruntergedimmt, dann abgeschnitten; er muss lang gewesen sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Messiaen, Olivier: Quatuor pour la fin du temps

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORFEO
1
20.09.2012
Medium:
EAN:

CD
4011790840123


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ORFEO

Erschienen die ersten Aufnahmen des 1979 in München gegründeten Labels noch in Lizenz bei RCA und EMI, produziert und vertreibt ORFEO seit 1982 unter eigenem Namen. Durch konsequente Repertoire- und Künstlerpolitik konnte sich das Label seit seinem aufsehenerregenden Auftritt am Anfang der Digital-Ära dauerhafte Präsenz auf dem Markt verschaffen. Nicht nur bekannte Werke, sondern auch weniger gängige Musikliteratur und interessante Raritäten - davon viele in Ersteinspielungen - wurden dem Publikum in herausragenden Interpretationen zugänglich gemacht. Dabei ist es unser Bestreben, auch mit Überraschungen Treue zu klassischer Qualität zu beweisen.
Der Musik der Moderne wird mit den gleichen Qualitätsstandards Beachtung geschenkt - in exemplarischen Neuaufnahmen wie in Mitschnitten bedeutender Uraufführungen. Wichtige Akzente setzen dabei die Serien Edition zeitgenössisches Lied, die bis in die unmittelbare Gegenwart vorstößt, und Musica Rediviva mit Werken verbotener oder zu Unrecht vergessener Komponisten.
Zu den Künstlern zählen die besten Sängerinnen und Sänger, Instrumentalisten, Orchester und Dirigenten der letzten drei Jahrzehnte. Die Förderung aufstrebender Künstler der jüngeren Generation war und ist ORFEO stets ein Anliegen. Viele, die heute zu den Großen der Musikszene zählen, errangen bei uns ihre ersten Schallplattenerfolge.
Mit der Serie ORFEO D'OR wird auf die große interpretatorische Vergangenheit zurückgegriffen; legendäre Aufführungen u.a. aus Bayreuth, München, Wien und Salzburg werden dokumentiert. Hierbei wurde von Anfang an besonderer Wert auf sorgfältige Edition gelegt; durch - das dürfte auf dem Markt für historische Aufnahmen heute sehr selten sein - offizielle Zusammenarbeit mit den Künstlern, Erben und Institutionen hat ORFEO D'OR jeweils exklusiven Zugriff auf die besten erhaltenen Originalquellen.
Unser Ziel: Die Faszination, die klassische Musik ausüben kann, über die Generationen lebendig nahe zubringen.


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