> > > Veit, Matthias & Grundheber, Franz: Werke von Schubert, Wagner u.a.
Freitag, 23. August 2019

Veit, Matthias & Grundheber, Franz - Werke von Schubert, Wagner u.a.

Markiger Reiz und vokale Fülle


Label/Verlag: TYXart
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Besser spät als nie: Franz Grundhebers bei TYX-Art veröffentlichtes Lied-Debüt ist ein Musterbeispiel für Gesangs- und Interpretationskunst.

Dass Franz Grundheber zu den bedeutendsten Opernsängern des 20. Jahrhunderts gehört, ist weithin bekannt. 1937 in Trier geboren, war er zweiundzwanzig Jahre lang Ensemblemitglied der Hamburgischen Staatsoper und gastierte an allen wichtigen Bühnen der Welt, wobei er immer wieder seine enorme Wandlungsfähigkeit im Hinblick auf Epoche, Fach und Stil unter Beweis stellte. Von seinen Leistungen in der Vergangenheit zu sprechen, wäre indessen ein Affront, denn auch mit 72 Jahren reüssiert der Bariton noch international in großen Fachpartien, etwa 2009/2010 als Barak in Frankfurt, Scarpia in Wien und Holländer in Hamburg. Trotz dieser beeindruckenden Karriere ist Grundheber von der Plattenindustrie sträflich vernachlässigt worden. Während weniger talentierte Kollegen in den Katalogen der Majors gut vertreten sind, fehlt ein repräsentatives Arien-Portrait von ihm bis heute.

Statt dieses Versäumnis zu bedauern, sollte man sich lieber freuen, dass das Label TYXart sein vor zwei Jahren erschienenes Lied-Debüt von Spektral übernommen hat. ‚Lieder einer Reise‘ heißt das Album, und man kann nicht umhin, diesen Titel auch als Reflexion eines langen und bewegten Sängerdaseins wahrzunehmen. Entsprechend handelt es sich bei den ausgewählten Stücken nicht um arglose Wanderlieder, sondern um Charakterportraits, die sich der Thematik metaphorisch nähern und ihre Glaubwürdigkeit zu gleichen Teilen aus der stimmlichen Souveränität und dem Erfahrungsschatz des Interpreten gewinnen. Insofern erscheint das Programm fast als Diminution von Grundhebers Opernrepertoire, in dem scharf profilierte, zerrissene Figuren stets eine zentrale Rolle gespielt haben.

Schon Frank Martins eröffnende 'Sechs Monologe des Jedermann' bringen die zahlreichen Vorzüge der (2003 aufgenommenen) Einspielung auf den Punkt. Grundhebers präzise Diktion fungiert als Katalysator für Hofmannsthals Sprache, ist wissend, ohne sich dem Hörer mit altklugen Manierismen aufzudrängen – selten gelingt es, Rezitation und Gesangsstimme in ein derart harmonisches Verhältnis zu bringen. Und was ist das für eine Stimme! Abgesehen davon, dass sie vorbildlich geführt und deshalb nur unwesentlich gealtert ist – ein langsames Vibrato hier und da kann, wer unbedingt will, entsprechend deuten – macht ihre urwüchsige, technisch aber stets in die richtigen Bahnen gelenkte Kraft nach wie vor Staunen. Wenn überhaupt etwas Grundhebers Alter verrät, dann die starken, individuellen Farben seines Gesangs, die nicht mutwillig erzeugt werden können, sondern das Ergebnis eines Jahrzehnte dauernden Reifeprozesses sind.

Auf einige teils melodische, teils atemlos deklamierte Strophenlieder von Mendelssohn Bartholdy folgt mit Schuberts 'Der Altlas’ ein absoluter Höhepunkt des Recitals. Grundiert von Matthias Veits düster brodelnder Klavierbegleitung findet ‚die ganze Welt der Schmerzen‘ auf erschütternde Weise Ausdruck in Grundhebers nun gänzlich mit Schwärze gesättigtem Bariton, was der Mühelosigkeit der Spitzentöne, die nur in oberster Lage einen Hauch zu sehr gedeckt klingen, keinerlei Abbruch tut. Komplettiert wird der Block mit 'Aufenthalt’, 'Das Fischermädchen’ und 'Die Stadt’, drei Stücken, die exemplarisch für Schuberts Gefühlswelt und Grundhebers Flexibilität stehen.

Im zweiten Programmteil verdunkeln Grundheber und Veit die Stimmung mit je vier Miniaturen von Wagner und Schumann (darunter eine erstklassige Darbietung von 'Melancholie’), bringen das Recital jedoch mit der burschikosen, fabelhaft umgesetzten Klangsprache von Hugo Wolfs 'Tambour’ und 'Fußreise’ zu einem recht versöhnlichen Ende. Dem markigen Reiz und der vokalen Fülle dieser musikalischen Reise wird sich kaum ein Hörer entziehen können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Kritik von Alexander Meissner,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Veit, Matthias & Grundheber, Franz: Werke von Schubert, Wagner u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
TYXart
1
01.09.2012
69:14
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4250702800101
TXA12010


Cover vergössern

"Lieder einer Reise - Songs of Travel - Chants du Voyage
Franz Grundheber, Bariton
Matthias Veit, Klavier

Martin - Mendelssohn - Schubert - Wagner - Schumann - Wolf

Franz Grundheber steht als international renommierter Opernsänger auf allen großen Bühnen dieser Welt, von Paris, Barcelona, New York, Tokyo, über Hamburg nach Wien...
Seine überwältigenden Interpretationen unterschiedlichster Charaktere begeistern das Publikum seit Jahrzehnten. Auf dieser CD stellt sich der Bariton erstmals als sensibler und ausdrucksstarker Liedsänger vor: Die hier veröffentlichten "Lieder einer Reise", begleitet am Flügel von Matthias Veit."


Cover vergössern

TYXart

TYXart - the musicART label

TYXart ist es ein besonderes Anliegen, die emotionalen, geistigen und intellektuellen Anforderungen von Musikliebhabern mit hochwertigen künstlerischen Einspielungen zu erfreuen - und dass Tiefsinn, Humor, Stille, Kraft, Nachdenklichkeit, aber auch Lebensfreude, Jubel oder Trauer, also alles, was die musikalischen Befindlichkeiten des Menschen erhebt und befriedigt, in unseren Veröffentlichungen enthalten ist.

Es geht uns dabei nicht in erster Linie nur um "Berühmtheit" oder "Perfektionismus", sondern ums Humane, Originelle, Individuelle und um die begeisternden und begeisterten Interpretationen ungewöhnlicher Musiker, auch der ganz jungen. Jede CD ein Unikat! Das soll unser Motto sein. Dass sich unserem Konzept bereits mehrere außergewöhnliche und berühmte Künstler spontan anschließen, beruht auf deren Überzeugung von der Richtigkeit unseres Anspruchs.

Herausragende Musiker und Ensembles der Veröffentlichungen: Giora Feidman (Klarinette), Elena Denisova (Violine), Yojo (Klavier), Liana Issakadze (Violine), Alexander Suleiman (Violoncello), Corinne Chapelle (Violine), Carmen Piazzini (Klavier), Franz Grundheber (Bariton), Matthias Veit (Klavier), Nathalia Prishepenko (Violine), Alexandra Sostmann (Klavier), Franz Hummel (Komponist), Masako Sakai (Klavier), Ensemble del Arte (Kammerorchester), Vardan Mamikonian (Klavier), Jakob David Rattinger (Viola da Gamba), Werner Schneyder (Musik-Kabarett), TRIO ZERO, Sojka Quartett, Deutsches Saxophon Ensemble, Moscow Symphony Orchestra ...

Wir stellen zusammen mit unseren Künstlern in Serien wie z.B. "Modern Classics", "Rising Stars" oder "Crazy Edition" Aufsehen erregende Musikaufnahmen unserer Zeit ungewöhnlichen Interpretationen aus mehreren Epochen gegenüber, um ein breites Publikum auf die Lebendigkeit, Schönheit und Kühnheit neuer Kompositionen im Fokus radikaler oder besonders individueller Interpretationen traditioneller Werke aufmerksam zu machen. Lassen Sie sich auch jenseits von Mainstream-Bewegungen begeistern von den sensationellen Einspielungen der Künstler bei TYXart!


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag TYXart:

  • Zur Kritik... Karlsruher Lokalgröße: Die Lieder der Komponistin Margarete Schweikert erfahren hier eine engagierte Interpretation. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Fassliche Musik: Der Zeitgenosse Roland Leistner-Mayer schreibt aufregende Streichquartette im freitonalen Raum. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Plastische Konturen: Der Pianist Julian Riem hat eine rundum überzeugende Platte mit Etüden von Claude Debussy und Karol Szymanowski vorgelegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle Kritiken von TYXart...

Weitere CD-Besprechungen von Alexander Meissner:

  • Zur Kritik... Überstrapaziert: Ildebrando d?Arcangelo verfügt über eine herrlich timbrierte, klangschöne und voluminöse Stimme, die sein Mozart-Album aber leider nicht im besten Licht präsentiert. Weiter...
    (Alexander Meissner, )
  • Zur Kritik... Getrieben: Nachdem Natalie Dessay in aller Welt als Lucia reüssiert hat, kann man ihre Interpretation nun auch auf CD erleben - als Studio-Aufnahme beim Haus-Label des Mariinsky Theaters unter Leitung von Valery Gergiev. Weiter...
    (Alexander Meissner, )
  • Zur Kritik... Dramatisch eingefärbt: Mit Haydn-Arien gibt die kanadische Koloraturspezialistin Jane Archibald ihr überfälliges Solo-Debüt auf ATMA Classique - trotz kleiner Schwächen ein gelungener Einstand. Weiter...
    (Alexander Meissner, )
blättern

Alle Kritiken von Alexander Meissner...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Erkundenswertes Süditalien: Nicola Logoscino bereichert die Musikgeschichte Neapels und Sizilens. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Strahlende Vielfalt: So muss man Telemann spielen: gewitzt und wendig, intensiv in den Affekten, flexibel in der Deutung des formalen Rahmens, kundig in der stilistischen Vielfalt. Michael Schneider und La Stagione Frankfurt mit einem beeindruckenden Finale der Reihe. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... Ein Tscheche in Amerika: Jirí Belohlávek bringt mit der Tschechischen Philharmonie Bohuslav Martinus Opernpastorale 'What men live by' und die erste Symphonie zum Leuchten. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte) Class aktuell (2/2019) herunterladen (4851 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Antonín Dvorák: String Quartet B 57 in E major op.80 - Finale. Allegro con brio

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 Folkwang Kammerorchester Essen im Portrait Mit Vollgas ins Haus des Teufels
Das Folkwang Kammerorchester Essen ? jung, energiegeladen, hochmusikalisch

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich