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Freitag, 21. Januar 2022

Desprez, Josquin - Psalmvertonungen

Großer Psalmist


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Interessante Psalmvertonungen von Josquin Desprez in einer rundum gelungenen Einspielung mit Manfred Cordes' klug zusammengestelltem Ensemble Weser-Renaissance.

Josquin Desprez (ca. 1440-1521) nutzte als einer der ersten Komponisten von Rang die lateinischen Psalmtexte für höchst individuelle Vertonungen, dabei alle Facetten seiner satztechnischen, klangsinnlichen und durchaus textorientiert-expressiven Möglichkeiten aufbietend. Anders als in den restriktiver gehaltenen Messen oder auch den dezenter, wohl auch zugänglicher gesetzten Marienmotetten zeigt sich Josquin in seinen Psalmvertonungen deutlich näher am Text arbeitend, gewinnt er etliche belebende Details aus dieser Basis. Je nach Textgrundlage und Auftraggeber konnten diese Psalmvertonungen – nicht nur im Falle Josquins – Trauer- oder Staatsmotetten sein, wurden aber in der Regel infolge der Anlassbezogenheit ihrer Entstehung nicht gedruckt, sondern allenfalls in Manuskripten überliefert. Auch dieser Umstand erklärt den im Vergleich zu den zeitgleich entstandenen Messen geringen Umfang der heute bekannten Beispiele.

Die relative Freiheit der Gattung erlaubte im Vergleich zu Josquins vertrautem Stil interessante Härten, überraschende Gänge und manch intensive Lamentogeste. Doch wäre er nicht der große Souverän der wohlbalancierten Satzkunst, hegte er die deutlicheren Wirkungen nicht in die Fülle seiner linearen Möglichkeiten ein, den Satz immer wieder mit souveräner Geste verdichtend oder lockernd. Josquin, das lässt sich mit dem Programm der aktuellen Platte des Ensembles Weser-Renaissance deutlich untermauern, gewinnt einmal mehr als hell leuchtender Solitär Profil, dessen künstlerischer Rang und zeitgenössische Vorbildwirkung auch im Abstand eines halben Jahrtausends kaum überschätzt werden können.

Frappierend hohes Niveau

Im vergangenen Jahr brachte Manfred Cordes mit seinem in sehr verschiedenen Besetzungen agierenden Ensemble Weser-Renaissance Bremen bereits eine formidable Josquin-Platte heraus. Gewidmet war sie marianisch motivierten Kompositionen des Meisters und überzeugte mit einer vortrefflich gerundeten, subtilen Interpretation. An dieses Niveau knüpfen Cordes und seine wiederum acht Vokalisten nun in leicht veränderter Besetzung nahtlos an. Es singen die sieben teils weit ausgreifenden Psalmvertonungen im Diskant Franz Vitzthum und Alex Potter, im Altus Terry Wey, im Tenor Bernd O. Fröhlich, Tom Phillips und Harry van Berne, schließlich in der Bassregion grundiert von Ulfried Staber und Jelle Draaier – nicht weniger als die Versammlung äußerster Expertise also.

Als nicht ständig gemeinsam musizierende Vokalisten erweisen sich die Akteure dank ihrer vielfältigen Erfahrungen in den arriviertesten Formationen dieses Repertoires als einmalig stilkundig. Der entstehende Ensembleklang ist leicht, klar, natürlich und die Balance der Stimmen lässt an Perfektion nichts zu wünschen übrig. Zwar sind die Stimmen stets auch zur feinen Dezenz fähig, doch zeichnen sie von den klaren, lyrisch starken Diskantisten bis zu den kernigen Bässen im oft dichten Gewebe deutlich. Generell ist die Intonation lobenswert, leicht und frei werden vor allem etliche Schlussentwicklungen traumverloren schön ausgehört. Diese ganz selbstverständlich auf höchstem Niveau gelingende intonatorische Qualität ist für das nicht permanent zusammen singende Ensemble sicher besonders bemerkenswert.

Dazu kommt eine geradezu frappierende lineare Kunstfertigkeit, die immer wieder ein ideales Verhältnis von Anspannung und Entspannung entstehen lässt. Auch dank frisch fließender Tempi kennt die Deutung der Formation durchaus Bewegung, was vor allem den längeren, teils deutlich über dreizehn Minuten andauernden Sätzen eine differenzierte Darstellung beschert. Für eine überzeugende Klangentfaltung erweist sich die vielfach erprobte Stiftskirche in Bassum einmal mehr als Raum von idealer Dimension, der das Geschehen belebt, die Stimmen trägt und sie zugleich plastische Gestalt gewinnen lässt.

Es ist ganz klar und einfach: Die aktuelle Platte des Ensembles Weser-Renaissance Bremen ist wiederum ein Beitrag für die erste Reihe der Josquin-Diskografie. Manfred Cordes präsentiert sich vor allem als Ermöglicher großer vokaler Kunst, bei der hier versammelten vokalen und stilistischen Expertise vermutlich weniger als dirigierend Eingreifender. Und man kann ganz sicher sein: Wer eine solche Platte hört und nicht vom Zauber der Vokalpolyphonie erreicht wird, dem bleiben deren Kostbarkeiten ewig verschlossen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Desprez, Josquin: Psalmvertonungen

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.08.2012
Medium:
EAN:

CD
761203758821


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Despres, Josquin
 - Psalmvertonungen - De profundis clamavi ad te: Psalm 129 à 5
 - Psalmvertonungen - In exitu Israel in Egypto: Psalm 113 à 4
 - Psalmvertonungen - Domine me in furore: Psalm 37 à 4
 - Psalmvertonungen - Miserere mei Deo: Psalm 50 à 5
 - Psalmvertonungen - Memor esto verbis tui: Psalm 118 à 4
 - Psalmvertonungen - Qui habitat in adjutorio: Psalm 90 à 4
 - Psalmvertonungen - Misericordias Domini in aeternum cantabo à 4


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Dirigent(en):Cordes, Manfred
Interpret(en):Cordes, Manfred


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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