> > > Brendel, Alfred & das Lucerne Festival Orchestra spielen: Werke von Beethoven & Bruckner
Mittwoch, 26. Februar 2020

Brendel, Alfred & das Lucerne Festival Orchestra spielen - Werke von Beethoven & Bruckner

Bruckner-Belcanto


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Bruckner gesanglich, Beethoven stotternd - zwei Klassikerauslegungen vom Lucerne Festival 2005.

‚Ein völlig unbegabter Mensch. Eine Qual. Drei Wochen ohne Essen würde ich überleben. Drei Stunden in seinem Konzert – Herzinfarkt.‘ So Sergiu Celibidache, der maßgebliche Bruckner-Dirigent der vergangenen Jahrzehnte, über Claudio Abbado. Dessen Luzerner Lesart der Siebten (2005) wurde filmisch durch EuroArts dokumentiert. Ihr steht das Dritte Klavierkonzert Ludwig van Beethovens voran. Solist ist Alfred Brendel.

Nicht, dass Brendel zu klug ist. Allein es gelingt ihm nur selten, kluge Ideen mit dem Fluss der Musik zu versöhnen. Brendel steht über, unter, neben der Musik. Auch manuelle Begrenzungen sind zu beklagen – es sei denn, das Fehlen klanglicher Rundung und geschmeidigen Flusses rechtfertigte sich aus dem Verdacht, Schönes könne nicht wahr sein. Unter Brendels Händen klingt der Steinway eckig, spröde und flach, im Forte mehr klirrend als kraftvoll. Brendel artikuliert gründlich, aber die Töne fügen sich nicht in die Linie. Hier führt kein Weg vom Teil zum Ganzen. Zum Zickzack solcher Phrasierungen lässt sich nicht singen noch tanzen. Dass Brendel vieles und Kluges zu sagen hat, missachtete Einzelheiten rehabilitiert, seien es motivische Partikel, harmonische Umdeutungen oder rhythmische Störungen, soll nicht unterschlagen werden. Allein es ist kein Ganzes.

Lucerne Festival Orchestra begleitet wach und genau. An technischem Können und musikalischer Überzeugungskraft ist es Brendel überlegen. Das klangliche Geschehen wird schmerzhaft genau eingefangen, Brendels Stöhnen inklusive. Die Kamera ist bemüht, dem Wechsel der Stimmen zu folgen und Prominente im Publikum zu entdecken.

Abbado ist eine der leisesten und durchsichtigsten Siebten gelungen. Das Piano wird fein modelliert, das Forte ebenso. Bruckner ist selten in solcher dynamischen Weite entfaltet worden. Dies ist zugleich eine agogisch gefährlich flexible Auslegung. In Steigerungen werden gewagte Veränderungen am Grundtempo vorgenommen. Nicht alle Eingriffe sind durch den Notentext gedeckt. Der Eindruck des Blockhaften, Tektonischen, der Bruckner-Aufführungen, guten wie schlechten, eigen sein kann, stellt sich zu keinem Zeitpunkt ein. Dass das Ensemblespiel unter Abbados elastischen Tempi nicht leidet, zeugt vom außergewöhnlichen Können der Musiker.

Der Streicherklang ist kernig fokussiert, doch ohne Härte. Die Bläser exzellieren solistisch. Sakrale und wagnerische Anklänge fehlen. Selbst das 'Adagio' kommt schwebenden Schrittes daher, wie ein trauriger Walzer. Das Scherzo wird aufs Virtuoseste zugespitzt. Es rückt in Mahlers Nähe. Mag diese Bruckner-Darstellung stilistisch suspekt sein, stehen ihre handwerklichen und musikalischen Meriten außer Frage. Celibidache darf, in aller Demut, widersprochen werden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Brendel, Alfred & das Lucerne Festival Orchestra spielen: Werke von Beethoven & Bruckner

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
13.08.2012
Medium:
EAN:

DVD
880242546470


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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