> > > Vuola, Kari spielt: Orgelwerke von Buxtehude, Sallinen u.a.
Freitag, 22. September 2017

Vuola, Kari spielt - Orgelwerke von Buxtehude, Sallinen u.a.

Homogener als erwartet


Label/Verlag: Alba Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Gegenüberstellung von Orgelwerken finnischer Komponisten und solchen von J. S. Bach und Buxtehude bietet Kari Vuola mit dieser Platte. Faktisch fallen die im Titel versprochenen Kontraste geringer aus als erwartet.

Kontraste kann man erwarten, wenn Orgelwerke des Barock mit modernen Kompositionen konfrontiert werden. Das Besondere hier: Kompositionen der barocken Orgelgrößen Johann Sebastian Bach und Dieterich Buxtehude werden ausschließlich Werke finnischer Komponisten der Gegenwart gegenübergestellt. Das ist natürlich kein Zufall, denn mit Kari Vuola hat ein Finne die Werke an einer Orgel im finnischen Naantali aufgenommen, und veröffentlicht wurde die SACD-Produktion beim finnischen Label Alba. Wer sich nun aber auf besonders deutliche Kontraste freut, könnte enttäuscht sein, denn es zeigt sich, dass die hier präsentierten Komponisten der Gegenwart der Tradition zwar nicht unbedingt verhaftet, ihr aber doch bewusst sind. Das äußert sich bereits in den Werktiteln: Aulis Sallinen (geb. 1935) ist mit seinem einzigen Orgelwerk, der 'Chaconne per organo' op. 23 vertreten; von Eero Hämeenniemi (geb. 1951) hören wir eine Passacaglia und von Olli Kortekangas (geb. 1955) eine Ciacona – alles Formen ‚alt-ehrwürdiger’ Orgelmusik. Lediglich Jouni Kaipainen (geb. 1956) scheint mit 'Reunion Confirmed' op. 71 nicht in das Schema zu passen, schreibt allerdings auch nichts anderes als eine Passacaglia. Von Dieterich Buxtehude, den Bach bekanntlich hoch verehrte, spielt Vuola die Präludien E-Dur BuxWV 141 und fis-Moll BuxWV 146; von Bach selbst erklingen die Präludien und Fugen A-Dur BWV 536 und a-Moll BWV 543.

Gemäßigt modern

Die Möglichkeit zu Kontrasten reduziert sich dadurch, dass die Tonsprache der finnischen Komponisten (fast erwartungsgemäß) keineswegs avantgardistisch, bestenfalls als gemäßigt modern zu bezeichnen ist; auch die Orgelbehandlung ist ziemlich traditionell. Die 'Ciacona' von Kortekangas ist sicher das ungewöhnlichste Werk. Eine gegebene Harmoniefolge wurde in ‚Scheiben’ zerlegt, die sich – übereinander liegend – mit unterschiedlicher Geschwindigkeit bewegen, so dass ein schillernder, sich in stetem Fluss befindlicher und zumeist recht dissonanter Klangteppich ergibt. Das wäre langweilig, wenn die ursprüngliche Gestalt nicht immer wieder einmal durchzuschimmern scheint, so dass die Verfremdung als solche hörbar bleibt. Aulis Sallinen, der älteste und bekannteste der hier zu hörenden finnischen Komponisten, lässt gegen Ende seiner Chaconne immer wieder einen c-Moll-Akkord in das ansonsten atonale Umfeld eindringen. Nicht Symbol für das unabwendbare Schicksal, wie ich anfangs glaubte, sondern viel plakativer gemeint als Nachahmung der Signalhörner großer Ozeandampfer – so kann man sich irren!

Gefällig

Die Platte gefällt. Das gilt sowohl für die souveränen Interpretationen von Kari Vuola, der mit präzisem Spiel die Strukturen der Musik plastisch nachzeichnet, als auch für das klangschöne Instrument, das 2011 zudem in hervorragender SACD-Klangtechnik aufgenommen wurde. Vuola selbst unternimmt nichts, die Kluft zwischen barocken und modernen Werken mittels Interpretationsansatz oder Registrierung größer erscheinen zu lassen als sie ist; ganz im Gegenteil: das Programm wirkt auch als Ganzes gesehen viel homogener als angesichts des Titels zu erwarten gewesen wäre. Handelte es sich um eine reine Bach- oder Buxtehude-Platte, könnte man befürchten, dass die Lesarten etwas zu brav oder unspektakulär geraten sind, um sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können. Das fällt hier weniger ins Gewicht, da die Platte sicher eher von solchen erworben wird, die sich speziell für die zeitgenössischen Werke interessieren. Denjenigen sei diese Platte dann auch empfohlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vuola, Kari spielt: Orgelwerke von Buxtehude, Sallinen u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alba Records
1
01.08.2012
EAN:

6417513103434


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Alba Records

ALBA ist das führende finnische Klassiklabel, bekannt durch seine hochwertigen Aufnahmen im CD- und SACD-Format und zahlreichen Auszeichnungen. Das Repertoire reicht von Alter Musik bis zu den neuesten zeitgenössischen Werken. In geringem Maße veröffentlicht ALBA auch Jazz und Weltmusik. Vertreten sind beispielsweise folgende Weltklasse-Künstler:
Die Dirigentin Susanna Mälkki, der Gambist Markku Luolajan-Mikkola, die Geigerin Elina Vahala, die Decacordistin (Gitarristin) Mari Mäntylä, die Sopranistin Helena Juntunen, der Pianist Janne Mertanen, das Ostrobothnian Chamber Orchestra, das Ensemble Oliphant, Zagros, und das In Time Quintett.


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