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Mittwoch, 20. September 2017

Spohr, Louis - Lieder Vol. 1

Generationenübergreifende Brücke


Label/Verlag: ARS Produktion
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Felicitas und Judith Erbs Bemühungen um Spohrs Lieder ist nicht nur musikhistorisch interessant, sondern bietet auch ästhetische Genüsse.

Was wir an deutscher Musik des 19. Jahrhunderts kennen, ist, betrachten wir es genauer, beschämend wenig. Neue Generationen haben das Schaffen der vorherigen immer wieder zu verdrängen versucht, und was sich durchsetzte, ergab sich teilweise durch musikalischen Ausnahmestatus, teilweise aber auch durch schieres Glück. Die Lieder von Louis Spohr gehörten nicht dazu, Lieder, die das Schaffen etwa Felix Mendelssohn Bartholdys nicht im geringsten zu fürchten brauchen. Doch Spohr bietet mehr; gelegentlich verbindet er Elemente von Mozart und Brahms und bietet so eine wichtige generationenübergreifende Brücke, die uns bislang verloren gegangen war. Die Kölner Edition Dohr hat vor einiger Zeit damit begonnen, alle Spohr-Lieder in einer Neuedition vorzulegen, ein musikhistorisch wie musikalisch wichtiges Unterfangen. Nun als die erste CD einer entsprechenden Reihe.

Spohr schuf kaum Lieder mit Texten etablierter Dichter (viele heute vergessene Dichter lassen sich entdecken), von einer ganz eigenen Ästhetik, die jenen Louis Spohr, den wir bislang kennen, geradezu neu verorten, ihm eine klarere Ausrichtung geben. Nun sind Spohrs Lieder auf der vorliegenden CD vornehmlich lyrischer Natur – Ausbrüche à la Schumann finden sich kaum –, doch gelingt es den Interpretinnen, Blässe und Langatmigkeit zu vermeiden.

Die in Stuttgart geborenen Schwestern Felicitas und Judith Erb sind zwei junge Sopranistinnen, die sich mit schöner Frische den Liedkompositionen Spohrs nähern. Ihr Lehrer Thomas Pfeiffer ist in beider Stimmen spürbar, vor allem in dem natürlichen Zugang und der Zurücknahme des Vibratos. Felicitas Erb hat von beiden Schwestern die höhere Sopranstimme, auch die sicherer sitzende. Ihre Zusatzausbildung in historisch informierter Aufführungspraxis zahlt sich aus. Bei ihrer Schwester gibt es immer wieder kleine Wackler in der Tonhöhe. Doch erfreut bei beiden Sängerinnen, dass sie über jeweils eigene Klangfarben verfügen. Felicitas Erb könnte fast an die junge Edith Mathis heranreichen, Judith Erb (nur vom Stimmcharakter, nicht vom -typus her) Ruth-Margret Pütz.

Felicitas Erb verfügt über einen herrlichen Jubelton, der für das gesamte lyrische Repertoire bestens geeignet ist (welcher Dirigent wird sie als Pamina einsetzen?). Doch auch für das 'Lied des verlassenen Mädchens' WoO 90 findet sie den rechten Tonfall, sorgt durch die Feinheit ihrer Stimme für nahezu unmittelbare Identifikation. Judith Erbs besondere Gabe sind die etwas verschatteten, besonnen-besinnlichen Lieder, etwa das herrliche 'Grüße' WoO 123; feine Piani bietet sie im schwer darzubietenden 'Wohin?' WoO 125. Das lebhaftere 'Neue Liebe, neues Leben' WoO 127 lässt ahnen, dass Judith Erbs musikalische Zukunft eher im dramatischen Bereich liegt.

In sieben Duetten (darunter dem einzigen Werk auf dieser CD mit Opuszahl, 'Drei Duetten' op. 108) vereinigt sich der künstlerische Zugang der Schwestern auf das Vorzüglichste. Ihre Stimmen passen ähnlich gut zusammen wie früher Barbara Bonney und Angelika Kirchschlager, doch fällt hier noch stärker auf, dass Felicitas Erbs Vibrato (oder Non-Vibrato) kontrollierter eingesetzt werden kann, ihr Messa di voce organischer gestaltet wird als bei ihrer Schwester.

Doriana Tchakarova ist eine solide Klavierbegleiterin, allerdings altmodischer, mit viel weniger farbigen Valeurs als die beiden Sängerinnen. Es bleibt unverständlich, warum die Lieder nicht auf einem Hammerklavier begleitet wurden, was den Klavierpart aufgewertet hätte (man denke an Anne Sofie von Otters Einspielung der 'Sechs Deutschen Lieder' op. 154 mit Melvyn Tan).

Exemplarische Aufnahmetechnik macht das Anhören der SACD in beiden Formaten, als SACD und als CD, zu einem äußerst überzeugenden Erlebnis. Das Booklet bietet sämtliche Gesangstexte (die man aber alle bestens verstehen kann) sowie einen umfängliches, leider gelegentlich unbeholfen formulierten Essay der beiden Herausgeber der Liededition, Susan Owen-Leinert und Michael Leinert.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Spohr, Louis: Lieder Vol. 1

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ARS Produktion
1
01.09.2012
EAN:

4260052381168


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Spohr, Louis
 - Duette - Ermunterunf WoO 117 Nr. 1
 - Duette - Sonntagsfrühe WoO 117 Nr. 2
 - Duette - Frühlingslied WoO 117 Nr. 3
 - Duette - Wenn sich zwei Herzen finden WoO 120
 - Felicitas Erb - Lied des verlassenen Mädchens WoO 90
 - Felicitas Erb - Nachgefühl WoO 91
 - Felicitas Erb - Verlust WoO 99
 - Felicitas Erb - Unterwegs WoO 101
 - Felicitas Erb - Abendlied WoO 104
 - Felicitas Erb - Wolle Keiner mich fragen WoO 106
 - Felicitas Erb - Thränen WoO 108
 - Felicitas Erb - Liebt er mich? WoO 109


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Interpret(en):Erb, Felicitas
Erb, Judith
Tchakarova, Doriana


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ARS Produktion

Das exquisite Klassiklabel ARS Produktion wurde 1987 von Annette Schumacher mit dem Ziel gegründet, jungen, aufstrebenden Künstlern und interessanten Programmen gleichermaßen eine individuelle musikalische Heimat und entsprechende Marktchancen, u.a. durch internationalen Vertrieb und Vermarktung zu geben. Die bei Paul Meisen ausgebildete Konzertflötistin hat sich damit nach langer aktiver Musikerlaufbahn einen geschäftlichen Traum erfüllt.
Für die hervorragende Aufnahmequalität der zahlreichen ARS Produktionen ist Manfred Schumacher, Tonmeister und Aufnahmeleiter, verantwortlich.
Spezifisch für das Label und die Haltung seiner Macher/in: stets wird u.a. den klanglichen Erfordernissen der jeweiligen Werke, Musikepochen und Instrumente in größtmöglicher Weise Rechnung getragen sowie im Übrigen die neueste, beste Technik eingesetzt.
Annette und Manfred Schumacher sind ?Überzeugungstäter?. Zwei Individualisten, die Kunst, Kommerz und Können geschickt vereinbaren.
?Die SACD - Super Audio CD kombiniert die Präzision der digitalen Reproduktion mit der Wärme des analogen Klanges. Das hat uns überzeugt.?


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