> > > Telemann, Georg Philipp: Gott Zebaoth in deinem Namen: Kantaten Vol. 2
Freitag, 23. August 2019

Telemann, Georg Philipp - Gott Zebaoth in deinem Namen: Kantaten Vol. 2

Bewährt Unbewährtes


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


CPO legt die zweite Folge mit Telemann-Kantaten vor. Wiederum überzeugt das Ergebnis.

Dass Georg Philipp Telemanns immenser Werkbestand nicht nur aus musikalischen Allgemeinplätzen besteht, ist inzwischen fast selbst ein Allgemeinplatz. Durch die ständig wachsende Diskographie mit seinen Werken dürfte inzwischen leidlich deutlich geworden sein, dass der Komponist nicht zu Unrecht die bestimmende musikalische Instanz der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Deutschland gewesen ist. Ganz besonders gilt das für das Feld der geistlichen Kantate, die er in Kooperation mit den jeweils progressivsten Dichtern seiner Zeit ständig weiterentwickelte und sich ein ganz eigenes Experimentierfeld schuf. Durchaus mit geschäftstüchtigem Blick schrieb er einzelne Jahrgänge mit inhärenten Gestaltungsmerkmalen, die sowohl den Verkauf fördern sollten als auch Ordnung in seinen Bestand von rund 1700 Werken bringen. Glaubt man einschlägigen Quellen, gab es um die Mitte des 18. Jahrhunderts keine Kantorei in Deutschland, die nicht wenigstens einen Telemann-Jahrgang besaß. Mit der vorliegenden Einspielung von drei Kantaten setzt cpo nun nach fünf Jahren die Reihe der Einspielungen von den Telemann-Festtagen in Magdeburg fort.

Wie schon der überwiegende Teil der vorangegangenen CD handelt es sich um Mitschnitte der Konzerte anlässlich der Telemann-Festtage 2006. Hermann Max mit der Rheinischen Kantorei und dem Kleinen Konzert widmen sich hier Werken der 1730er und 40er Jahre, in denen der Komponist auf der Höhe seines Ruhms stand. Die erste Kantate 'Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe' entstand für den ersten Ostertag und ist entsprechend prächtig mit Trompeten und Pauken besetzt. So lässt Max denn auch im Eröffnungschor exaltierten Auferstehungsjubel hören. Auch nach über 20 Jahren, in denen er sich mit seinen Ensembles wie kaum ein anderer um das Werk Telemanns verdient gemacht hat, wirkt hier nichts routiniert oder abgeklärt. Die lebendige Frische und Beweglichkeit seiner Herangehensweise überzeugen immer wieder aufs Neue. Dass hier ideale Sachwalter am Werk sind, die ein sicheres Gespür für die Besonderheiten der Musik besitzen, muss kaum noch erwähnt werden.

Dem Konzert-Mitschnitt ist es geschuldet, dass die Aufnahme bisweilen etwas ungeschliffen erscheint, doch geht von der körnichten Spielweise des Orchesters ein gewisser Reiz aus. Besonderheiten dieser Kantate sind die durch den Anlass bestimmte herausgehobene Stellung der Trompete(n) in den Arien 'Zürne nur, du alte Schlange' und 'Auf, auf, erlösete Seelen' sowie die Echo-Arie für zwei Soprane 'Singt nicht dein Herz', die den Solisten ebenso dankbare wie virtuose Partien zugestehen. Jan Kobow in der erstgenannten und besonders Ekkehard Abele in der zweiten Arie leisten Beachtliches, führen ihre Stimmen mit Sicherheit und angemessenem Ausdruck durch die zahlreichen Koloraturen. Die Rheinische Kantorei punktet wie gewohnt mit lupenreiner Diktion und stimmlicher Ausgewogenheit.

Die anderen beiden Kantaten 'Sie verachten das Gesetz des Herrn Zebaoth' und 'Gott Zebaoth in deinem Namen' sind weitere gute Beispiele für die immer neuen Versuche des Komponisten, ein möglichst natürliches und dabei beziehungsreiches Verhältnis von Text und Musik zu finden. So ist beispielsweise der Eingangschor der Kantate 'Sie verachten das Gesetz' in lebhaftem Wechsel zwischen fugierten und homophonen Abschnitten komponiert, die die teils drastischen Bilder des Bibeltextes (‚…[der Herr] schläget sie, daß die Berge beben, und ihr Leichnam ist wie Kot auf den Gassen‘) mittels herber Harmonik und Modulationen in die Musik überträgt.

 

Es zeigt sich immer deutlicher, dass Telemann es verstand, mittels geschickt eingesetzter Kniffe seinen Kantaten über das Handwerkliche hinaus einen erkennbaren Stempel aufzudrücken. Auf die dritte Folge kann man sich also jetzt schon freuen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Telemann, Georg Philipp: Gott Zebaoth in deinem Namen: Kantaten Vol. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.07.2012
Medium:
EAN:

CD
761203726127


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Telemann, Georg Philipp
 - Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe - Chor Weine nicht !
 - Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe - Aria Zürne nur, du alte Schlange!
 - Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe - Racitativo So sing der Gläubigen vergnügte Schar
 - Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe - Dictum Er hat ausgezogen die Fürstenthümer
 - Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe - Aria Auf, auf, erlösete Seelen
 - Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe - Recitativo Da dies dein Herz betrachtet
 - Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe - Duetto Singt nicht dein Herz 2 Soprane
 - Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe - Choral So feiern wir das große Fest
 - Sie verachten das Gesetz des Herrn Zebaoth - Chor Sie verachten das Gesetz
 - Sie verachten das Gesetz des Herrn Zebaoth - Choral Ach Gott, tu dich erbarmen
 - Sie verachten das Gesetz des Herrn Zebaoth - Recitativo Jerusalem, du Gottesstadt
 - Sie verachten das Gesetz des Herrn Zebaoth - Aria Jerusalem ruft überlaut


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Dirigent(en):Max, Hermann
Interpret(en):Winter, Veronika
Norin, Lena Susanne
Kobow, Jan
Abele, Ekkehard


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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