> > > Dvorak, Antonin: Sinfonie Nr. 8 op. 88
Sonntag, 16. Januar 2022

Dvorak, Antonin - Sinfonie Nr. 8 op. 88

Randvoll gepackt


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auch wenn Claus Peter Flors nun vorliegende Aufnahme von Dvořáks Achter Sinfonie nicht ganz an seine Starkstrom-Interpretation der Siebten heranreicht, ist ihm doch mit dem erstklassigen Orchester eine ansprechende Aufnahme gelungen.

Das schwedische Label BIS hat in jüngerer Vergangenheit zwei fernöstlichen Klangkörpern die Gelegenheit gegeben, ihre Qualität unter Beweis zu stellen: dem Singapore Symphony Orchestra und dem Malaysian Philharmonic Orchestra. Beide Orchester dürfen, was Spielkultur und technische Kompetenz angeht, mit europäischen und amerikanischen Spitzenorchestern in einem Atemzug genannt werden. Das Malaysian Philharmonic Orchestra konnte unter der Leitung von Claus Peter Flor sein vortreffliches Orchesterspiel noch weiter ausbauen. Das zeigten Aufnahmen vornehmlich böhmischen Repertoires, darunter einige exzellente Platten, etwa mit Werken von Suk oder Smetana. Vor wenigen Monaten hat Claus Peter Flor mit dem malaysischen Orchester eine glühend intensive Interpretation von Dvořáks Siebter Sinfonie vorgelegt. Ihr folgt nun eine Einspielung der Achten Sinfonie. Auch diesmal wird das Spektrum von Dvořáks Orchesterschaffen in seiner Breite dargestellt: Neben der Sinfonie Nr. 8 G-Dur op. 88 steht die sinfonische Dichtung 'Zlatý kolovrat' (Das goldene Spinnrad) op. 109 sowie das launige 'Scherzo capriccioso' op. 66 – womit die Kapazität dieser als hybride SACD produzierten Aufnahme bis auf die letzten Sekunden ausgeschöpft wird.

Claus Peter Flor zeigt sich auch der Achten Sinfonie als versierter Kapellmeister, der den Orchesterklang vorzüglich zu staffeln versteht, so dass zwischen thementragenden Hauptstimmen und (rhythmischen sowie melodischen) Gegenbewegungen eine vorbildliche Balance herrscht. Die exquisite Klangqualität unterstützt die Klarheit der interpretatorischen Zeichnung, überlässt dem reichhaltigen Klang des Orchesters aus Kuala Lumpur aber auch genügend Raum, um sich frei, manchmal gar rauschend entfalten zu können. Erstklassig ist auch die Integration tiefer Streicher und der Pauke ins Klangbild gelungen: Der gesamte Orchesterklang scheint auf sonoren Bässen zu ruhen und die Pauke kann kraftvolle, beherzte Akzente setzen, wo dies nötig ist.

Am besten gefällt jedoch Flors gestalterischer Überblick. Die Themenfülle allein des Kopfsatzes von Dvořáks Achter Sinfonie, die Brahms wohl für zwei komplette Sinfonien gereicht hätte, entfaltet der Dirigent – ohne dass die Einzelcharaktere nivelliert würden – unter einem großen Bogen, der in der Durchführung seinen Höhepunkt erreicht und einen zweiten (kleineren) Gipfelpunkt in der Coda erfährt. Auch im langsamen Satz gelingen die Wechsel zwischen dramatischer Konzentration und freier lyrischer Entfaltung der Holzbläser auf sehr ansprechende Weise. Im Gegensatz zu der schlanken, ungemein straffen Spannung, die Claus Peter Flor in der Siebten erreichte, gibt es hier aber Momente, die ein wenig charakterärmer daherkommen, etwa das 'Allegretto grazioso', das man schon mit humorvollerem Unterton hören konnte. Und auch das Furiose des Finales wirkt hier nicht vollends entfaltet bzw. entfesselt.

Während auch im 'Goldenen Spinnrad' das Orchester mit erlesener Klangkultur für sich einnimmt, wobei den Trompeten und Hörnern (wie schon in der Siebten) eine etwas ‚unböhmische‘ Schneidigkeit im Klang eignet, legt Claus Peter Flor das 'Scherzo capriccioso' musikantischer sowie rustikaler an und lässt einen Gutteil der Etikette fahren: Das Orchester spielt mit Übermut, vor allem aber wirkt die Klanggestaltung mit schmetterndem Becken auf ansprechende Weise ungezügelt. Genau dieses Maß an überbordendem Schwung hätte Flor, verbunden mit seiner Fähigkeit zu meisterlicher Klanggewichtung, auch in den letzten beiden Sätzen der Achten Sinfonie entfesseln sollen, dann wäre diese Einspielung so spannend geworden wie die der packenden Siebten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Sinfonie Nr. 8 op. 88

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
18.07.2012
Medium:
EAN:

SACD
7318599919768


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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