> > > Korngold, Erich Wolfgang: Streichsextett D-Dur op. 10 & Klavierquintett E-Dur op. 15
Montag, 25. März 2019

Korngold, Erich Wolfgang - Streichsextett D-Dur op. 10 & Klavierquintett E-Dur op. 15

Mit Überschwang


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Korngolds Streichsextett und Klavierquintett in einer Einspielung der camerata freden - ein Glücksfall!

Im Rahmen der Dokumentation ausgewählter Konzerte der Internationalen Fredener Musiktage ist nun bei Tacet eine Aufnahme erschienen, die man als Glücksgriff bezeichnen kann. Es ist kaum zu glauben, dass die camerata freden ein Festivalensemble ist. Es setzt sich aus hochklassigen Musikerinnen und Musikern zusammen – an ihrer Spitze steht der Mitinitiator des Festivals, der Geiger Adrian Adlam –, die offensichtlich mit größtem Engagement auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Wenn man das Ensemble hört, würde man aufgrund des intensiven und genauen Zusammenspiels eher vermuten, die Musiker der camerata freden musizierten als stehendes Ensemble tagein, tagaus miteinander.

Während der Fredener Musiktage 2011 wurden zwei Kammermusikwerke von Erich Wolfgang Korngold aufgenommen, für die sich lange Zeit nur Spezialisten interessierten. Korngolds Kammermusik stand seit jeher im Schatten seiner sinfonischen Werke und vor allem seiner Filmmusik, die ihm den Ruch eines Herstellers (wenn auch sehr gut gemachter) Kommerzprodukte einbrachte. Die historische Distanz hilft da manches differenzierter zu sehen: Korngold erscheint als eigenständiger Komponist mit eminenter Begabung und handwerklicher Versiertheit, der eine ganze Reihe hochinteressanter Werke hinterließ.

In jüngerer Zeit mehren sich Einspielungen der beiden hier eingespielten kammermusikalischen Perlen, des Streichsextetts op. 10 sowie des Klavierquintetts op. 15. Erst vor Kurzem ist eine exzellente Aufnahme mit dem Doric String Quartet erschienen. Vorliegende Interpretation der camerata freden ist von ebenso hoher künstlerischer Qualität, doch ist der Zugang geradezu entgegengesetzt, ja eigentlich komplementär: Beide Aufnahmen decken das Spektrum unterschiedlicher Herangehensweisen an Korngolds schillernde Musik in beispielhafter Weise ab. Während das (verstärkte) Doric Quartett mit süffigen Portamenti die expressiven Gesten weich nachzeichnet, hebt der Zugriff der camerata freden die expressionistischen Züge des Streichsextetts hervor. Die zahlreichen Septimen und Nonen wirken geschärft, auch die Akzente sind kraftvoller und mit angemessenem Biss versehen. Das Seitenthema bekommt durch die am Steg gespielten Begleittremoli etwas Unheimliches: Wie von gespenstischem Blätterrascheln wird das Thema eingefasst.

Es gelingt der camerata freden ganz vorzüglich, das üppig Wuchernde dieser wunderbaren Kammermusik in all seiner kontrapunktischen Dichte und Tiefendimension zu vermitteln, und doch herrscht trotz der mitreißenden Emphase kein Überdruck. Denn ohne auf Sostenuto-Schwere zu setzen, dünnen die Musiker das Klangbild aus, indem sie Wichtiges von schmückendem Beiwerk geistvoll trennen. Die Musiker finden zu einem beispielhaften kammermusikalisch intimen Musizieren zusammen, sie scheinen gemeinsam zu atmen und führen die wogenden Impulse von einer zur anderen Stimme ohne jede Unterbrechung weiter. So entsteht nicht nur lückenloser Zusammenhang, sondern straffe Spannung – selbst in den herrlich weiten, ausladenden Bögen der langsamen Sätze, die mit langem Atem geformt werden.

Zu einem Glücksfall wird diese einzigartige Aufnahme jedoch auch wegen der exzeptionellen klanglichen Vermittlung. Dynamik und Timbre sind beeindruckend in ihrer Bandbreite, das Klangbild ist von gestochen scharfer Plastizität. Die natürliche Akustik lässt den Eindruck entstehen, die Musiker säßen nur wenige Meter weg. In der camerata freden hat Korngold in der Tat großartige Interpreten gefunden, die seine Musik auf höchst einfühlsame und ausdrucksstarke Weise vermitteln.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Korngold, Erich Wolfgang: Streichsextett D-Dur op. 10 & Klavierquintett E-Dur op. 15

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
16.07.2012
EAN:

4009850019800


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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