> > > Fischer, Simon: Scales and scale studies for the violin
Montag, 20. Mai 2019

Fischer, Simon - Scales and scale studies for the violin

Wo bleibt das Neue?


Label/Verlag: Edition Peters
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit seinem dritten Lehrwerk wendet sich Simon Fischer dem Skalenstudium auf der Violine zu.

Mit den Lehrbüchern ‚Basics: 300 exercises and practice routines for the violin‘ (1997) und ‚Practice: 250 step-by-step practice methods for the violin‘ (2004) hat Simon Fischer in den vergangenen Jahren bei der Edition Peters zwei Handbücher vorgelegt, die den Geiger in die Möglichkeiten eines sinn- und phantasievollen Übens einführen und dabei die wesentlichen technischen Probleme berücksichtigen. Die schon in diesen beiden, für einen Teil der täglichen Überoutine sicherlich wertvollen Veröffentlichungen auffälligen Schwerpunktsetzungen, nämlich die Beschäftigung mit den spieltechnischen Problemen einer Musik, die eigentlich über das Jahr 1900 nicht hinaus geht, wird in Fischers neuer Publikation ‚Scales: Scales and scale studies for the violin‘ (2012) entscheidend vertieft und lässt die Frage aufkommen, für wen der Band überhaupt gedacht ist.

Faktisch versucht Fischer, gängige Studienwerke wie Carl Fleschs verdienstvolles und mittlerweile mit aktualisierten Fingersatzbezeichnungen erhältliches ‚Skalensystem‘ (1926) oder Ivan Galamians ‚Contemporary Violin Technique‘ (1966) durch einen alternativen Zugang zu ersetzen. Entsprechend enthält sein 200 Seiten dickes Studienbuch viele wertvolle Hinweise auf das möglichst abwechslungsreiche Üben von Skalen und gebrochenen Akkorden im Tonraum zwischen einer und vier Oktaven. Darüber hinaus sind die Tonleitern reichlich mit Übungen zum Liegenlassen der Finger versehen, erfahren Skalen auf einer Saite Berücksichtigung und werden viele Hinweise zu Übevarianten gegeben, bei denen auch Rhythmisierungen und bogentechnische Elemente einbezogen sind. All dies ist jedoch nichts Neues und wurde bereits in viel weitgehenderem Maße von Galamian aufbereitet.

Insofern ist Fischers Studienwerk eher ein Rückschritt, der jedoch daraus seinen Gewinn zieht, das bei Galamian ziemlich abstrakt dargestellte Übematerial in eine ansprechende, leicht vermittelbare Gestalt zu bringen und ihm so eine größere Anschaulichkeit zu verleihen. Dadurch dürfte der Band – verbunden mit den darin enthaltenen ausführlichen Angaben zur Verbesserung der Intonation – vor allem auch einem nichtprofessionellen Musiker ein für das tägliche Tonleiterstudium brauchbares Wissen in die Hand geben, zumal Fischer immer wieder auf praktische Probleme fokussiert, die beim Üben oft unter den Tisch fallen. Für ein auf die aktuellen Bedürfnisse des professionellen Studiums dagegen erscheint mir Fischers Skalenaufstellung eher unzureichend, weil sie kaum über die Grundlagen hinausgeht und auch keine erweiterten Tonleitern wie beispielsweise solche in Terzgängen oder Doppelgriffen enthält, die sich schon ausführlich bei Flesch finden.

Besonders problematisch ist aber, dass die Fingersatztechnik gegenüber Galamian wesentlich konservativer gerät, dass alternative Tonleiterarten wie modale Skalen, Ganztonleitern (in der Musik immerhin schon seit Ende des 19. Jahrhunderts gebräuchlich) oder Olivier Messiaens Modi mit begrenzter Transponierbarkeit oder mit solchen Skalen verknüpfte gebrochene Akkordverläufe (etwa auf Quartbasis) völlig ausgeklammert werden; auch Hinweise zum Studium von Vierteltonskalen oder wichtigen Kunstgriffen wie dem beispielsweise schon von Paul Hindemith gewürdigten Phänomen, ohne Lagenwechsel nur mit Kriechfingersätzen durch die Lagen zu kommen, werden von Fischer ignoriert. Für einen Geiger, der auf dem Podium nicht nur rückwärtsgewandt agieren möchte, genügt dies eben nicht, und für ein Studienwerk, das sich der Präsentation von ‚innovative and wide-ranging material‘ verschreibt, ist es gleichfalls nicht ausreichend.


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fischer, Simon: Scales and scale studies for the violin

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Anzahl Medien:
Edition Peters
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EAN:
BestellNr.:
9790577087610
EP 71908

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"Endlich ein Etüdenwerk, das nicht nur sämtliche Tonleitern und Arpeggien über zwei, drei und vier Oktaven, nur auf einer Saite und andere Varianten bietet, sondern auch die notwendigen Hilfsmittel, um sie zu meistern. Ein ebenso originelles wie effektives Lehrwerk, kurz: das Tonleiterbuch für das 21. Jahrhundert. "


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Edition Peters

Seit mehr als 200 Jahren steht der Musikverlag C. F. Peters im Dienst von Musikpflege und Musikwissenschaft. Ausgaben klassischer wie zeitgenössischer Werke vereinigen sich in der EDITION PETERS zu einem Gesamtkatalog mit mehr als 12.000 lieferbaren Titeln. Erstklassige Qualität im Druck, ihr eigenes wissenschaftliches Profil und ihre Bezogenheit zur Praxis haben die Ausgaben der EDITION PETERS zu verlässlichen Garanten für eine musikalische Beschäftigung auf hohem Niveau werden lassen. Ungeachtet dessen hat es sich der Verlag zur selbstverständlichen Aufgabe gemacht, die an seine Editionen gestellten Qualitätskriterien immer wieder neu zu überprüfen.

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