> > > Hosokawa, Toshio: Solokonzerte Vol. 2
Freitag, 22. September 2017

Hosokawa, Toshio - Solokonzerte Vol. 2

Stille und Einkehr


Label/Verlag: Neos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Es sind hier drei Konzertstücke zu hören, deren Entdeckung eine lohnende Bereicherung ist. Der Japaner Toshio Hosokawa versteht sich auf Musik an der Grenze zur Stille. Gelungene Interpretationen aus Luxemburg.

Toshio Hosokawa (geb. 1955) ist bei weitem nicht der einzige japanische Komponist, der in Europa studiert hat, aber einer der wenigen, die sich dort dann auch etablieren konnten – nach Toru Takemitsu ist er sicher der hierzulande bekannteste Komponist seines Landes. Hosokawa hat in Berlin bei Isang Yun studiert, dessen um das Prinzip von Ying und Yang kreisendes musikalisches Denken in Hosokawas Schaffen ebenso Eingang gefunden hat wie Ästhetik der Stille des Vorbilds Takemitsu. Des weiteren wird Hosokawa in seiner ausgefeilten Instrumentenbehandlung als Verwandter Helmut Lachenmanns angesehen. Die drei Konzertstücke für Solo-Instrument und Orchester der vorliegenden CD des Labels Neos lassen alle diese Einflüsse bestens hörbar werden. Hosokawa schreibt bezaubernd filigrane Gewebe äußerster Zartheit, feinsinnig und akribisch instrumentiert, die sich gern bis an den Rand der Hörbarkeit vortasten. Die Stücke sind dabei stets im Fluss, einem steten Wandel unterworfen; tradierte Formen oder Bauelemente, wie man sie mit der Gattung Solokonzert verbindet, finden sich höchstens angedeutet. Die Kompositionen scheinen zu atmen und zu leben; das ist alles andere als ‚Kopfmusik’, die zwar streng logisch konstruiert ist, klanglich aber keinen Organismus ergibt.

Gedenkmusik

Hosokawas Cellokonzert entstand 1997 als Gedenkmusik auf Toru Takemitsu, der 1996 gestorben war. Schon allein deswegen darf es nicht verwundern, es nicht mit einem herkömmlichen Virtuosenkonzert zu tun zu haben; die Stimmung ist entsprechend nachdenklich und dunkel, ohne allerdings drückend-depressiv oder anklagend-trotzig zu werden. Die Atmosphäre in den beiden anderen Stücken ist allerdings nicht grundlegend anders. 'Metamorphosis' für Klarinette, Streicher und Schlagzeug entstand 2000; hier deutet bereits der Titel die eingangs erwähnte Charakterisitik des Wandels an. 'Voyage VII' für Trompete, Streicher und Schlagzeug aus dem Jahre 2005 schließlich gehört zu einer größeren Werkgruppe; 'Voyage' steht dabei für eine Reise nach Innen – Lauschen auf die innere Stille. Es verwundert nicht, dass Hosokawa zur Vergrößerung der klanglichen Möglichkeiten im Bereich geringster Dynamik oder der Wirkung von Reise und Distanz gerne mit einem Fernorchester arbeitet.

Überzeugend

Die Interpretationen des Orchestre Philharmonique du Luxembourg, das von Robert HP Platz fachkundig geleitet wird, überzeugen ebenso wie die Leistungen der drei Solisten: Rohan de Saram (Cello), Jeroen Berwaerts (Trompete) und Olivier Dartevelle (Klarinette). Der durchwegs weiche und außerordentlich gesangliche Ton von Jeroen Berwaerts passt bestens in diese Musik – 'Voyage VII' hinterlässt einen tiefen Eindruck. Im direkten Gegenüber könnte man sich den Ton von Klarinettist Olivier Dartevelle durchaus weicher vorstellen; die Klarinette erhebt sich manchmal etwas stark über das Orchester, was aber gerade so gewollt sein kann. Anstandslos ist die solistische Leistung des Cellisten Rohan de Saram. Die Orchestermusiker aus Luxemburg verstehen sich zum Glück bestens im Leise-Spielen, so dass sie die perfekte Begleitung schaffen können und eben das auch tun. Klangtechnisch gibt es an den Aufnahmen aus dem Jahre 2010 nichts auszusetzen; gerade in diesem Fall ist positiv hervorzuheben, dass auch im Bereich geringster Lautstärke keine Störgeräusche den Hörgenuss trüben.

Miniatur-Beispiele

Der Einführungstext im schön aufgemachten und großzügig bebilderten Booklet ist recht kurz, in seiner kompakten Form aber durchaus informativ und eine gute Hilfe beim Hören. Die Texte liegen übrigens nicht nur in Deutsch, Englisch und Französisch, sondern auch in Spanisch vor. Dass im Booklet zur Verdeutlichung Partiturseiten abgedruckt werden, ist eine lobenswerte Sache. Wenn diese aber so stark verkleinert werden wie hier in zwei von drei Fällen, geht der Gewinn gegen Null; man erkennt im Grunde leider kaum mehr, als dass es sich um eine Notenseite handelt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Hosokawa, Toshio: Solokonzerte Vol. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Neos
1
25.09.2012
EAN:

4260063110283


Cover vergössern

Neos

NEOS ­ das neue Label für Zeitgenössische Musik, das seit Mitte Mai 2007 auf dem deutschen, seit Oktober 2007 auch auf dem internationalen Markt präsent ist. Im Zentrum der Neuveröffentlichungen stehen Kompositionen des  20. und 21. Jahrhunderts - die Betonung liegt dabei auf Welt-Ersteinspielungen.

Insofern setzt Wulf Weinmann den bei seinem früheren Label col legno eingeschlagenen Weg konsequent fort. Langjährige frühere Partner wie  das Internationale Musikinstitut Darmstadt (IMD), die Donaueschinger Musiktage des SWR, die musica viva des Bayerischen Rundfunks oder die Salzburger Festspiele haben die Zusammenarbeit mit Weinmann auch für die Zukunft vereinbart.

Inzwischen weitet sich NEOS programmatisch aus: Vier Produktlinen entwickeln sich im Kontext Neuer Musik in Zusammenarbeit mit Komponisten und Interpreten, die über ein weit gespanntes Repertoire verfügen: Aufnahmen, die Tradition und Moderne verbinden, Werke früherer Meister in bisher nie oder selten gehörten Interpretationen meist originaler Bearbeitungen sowie eine Jazzlinie mit Musikern, die man eher aus der zeitgenössischen Musikszene kennt, wie Olga Neuwirth oder Mike Svoboda.

NEOS veröffentlicht pro Jahr ca. 40 CDs, SACDs und DVDs, die weltweit (z.B. in Deutschland über helikon harmonia mundi) vertrieben werden. Hohe technische Qualität der Aufnahmen ist selbstverständlich. Auch Design und ansprechende Verpackung sind zentrales Anliegen: Alle Produktionenerscheinen in Digipacks mit ausführlichen Textinformationen und Illustrationen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Von Christian Vitalis zu dieser Rezension empfohlene Kritiken:

Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Neos:

  • Zur Kritik... Zersplitterte Formen: Die sechste Ausgabe der Mahnkopf-Edition bei Neos ist ein hochwertiges Produkt der engen künstlerischen Zusammenarbeit zwischen dem Ensemble SurPlus und dem Komponisten Claus-Steffen Mahnkopf. Weiter...
    (Jasemin Khaleli, )
  • Zur Kritik... Von Dido zu Aeneas: ergreifende Perspektivwechsel: Ein faszinierendes Konzeptalbum: Gilead Mishory stellt in einer eigenen Klavierkomposition Aeneas als den Verlassenden ins Zentrum, umgeben von Clementis und Tartinis Betrachtungen der Verlassenen Dido in Affekte kontrastierenden Sonatensätzen. Weiter...
    (Dr. Hartmut Hein, )
  • Zur Kritik... Feinsinnige Klangsuche: Mit zwei exzellenten Mitschnitten von konzertanten Kompositionen Salvatore Sciarrinos setzt das Label Neos seine Musica-Viva-Reihe fort. Weiter...
    (Prof. Dr. Stefan Drees, )
blättern

Alle Kritiken von Neos...

Weitere CD-Besprechungen von Christian Vitalis:

  • Zur Kritik... Bretonische Legende auf der Opernbühne: Ordentliche Aufnahme aus Liège der heute recht unbekannten Oper 'Le Roi d'Ys' von Édouard Lalo. Zwar nicht Referenzklasse-Niveau, angesichts der geringen Auswahl aber dennoch empfehlenswert, sofern man sich für die Oper interessiert. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Homogener als erwartet: Eine Gegenüberstellung von Orgelwerken finnischer Komponisten und solchen von J. S. Bach und Buxtehude bietet Kari Vuola mit dieser Platte. Faktisch fallen die im Titel versprochenen Kontraste geringer aus als erwartet. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
  • Zur Kritik... Neue Sinfonik aus Finnland: Durchaus interessante, gemäßgt-moderne Sinfonien des Finnen Seppo Pohjola, komponiert 2002/2006 und somit ein aktueller Beitrag Finnlands zur Gattung der Sinfonie. Mustergültig interpretiert und aufgenommen. Weiter...
    (Christian Vitalis, )
blättern

Alle Kritiken von Christian Vitalis...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Mit starkem Pinsel: Daniel Raiskin und das Staatsorchester Rheinische Philharmonie legen sich für den dänischen Sinfoniker Louis Glass voll ins Zeug und bringen das Interessante und Ansprechende dieser vielfarbigen Musik sehr gut zur Geltung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Seltene Erden: Ein Dokument des Gelingens. Weiter...
    (Dr. Daniel Krause, )
  • Zur Kritik... Besser als die Vorlage: Der Pianist Blazej Kwiatkowski versteht Chopins Lieder als ganz persönliche Tagebucheinträge des Komponisten. Gemeinsam mit empathischen Stimmen und begleitet auf einem Breadwood von 1847 belässt er sie in ihrer Schlichtheit. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2017) herunterladen (1880 KByte) Class aktuel (3/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Louis Glass: Sinfonie Nr. 5 op. 57 C-Dur (Sinfonia Svastika) - Andante tranquillo

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Winfried Rademacher im Portrait "In jedem Ton schwingt der Mensch mit, der ihn produziert"
Winfried Rademacher sucht als Geiger auch gerne Kostbares auf Nebenwegen

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Anzeige

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich