> > > L´incoronazione di Poppea: Claudio Monteverdi
Freitag, 5. März 2021

L´incoronazione di Poppea - Claudio Monteverdi

Und Bolton schuf die Poppea nach seinem Bilde


Label/Verlag: Farao Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit ‘L’Incoronazione di Poppea’ kippt Claudio Monteverdi unser so wunderbar gefestigtes Opernweltbild. Denn anstatt einer Hinrichrichtung unter dem Henkerbeil der Gerechtigkeit wird die machtgierige Poppea am Ende der Oper zur Kaiserin gekrönt, nachdem sie alle lästigen Nebenfiguren aus dem Weg geräumt hat. Doch das ist nicht das einzige Attribut, das die ‘Poppea’ zu einem schon fast zeitgemäßen Bühnenwerk macht. Es sind vor allem die beeindruckenden Charaktere; denn obwohl Poppea im Zentrum der Handlung steht, werden ihr einige völlig gleichwertige Figuren entgegengestellt. Monteverdi typisiert nicht mehr, wie er es in seinem Erstling ‘L’Orfeo’ getan hat. Seine Figuren sind in Grauschattierungen gezeichnet und werden damit zu glaubhaften Figuren. Verständlich also, dass gerade diese späte Monteverdi einen so großen Reiz auf Sänger und Sängerinnen ausübt.

Es ist kein geringerer als Ivor Bolton, Spezialist für alte Musik, der hier im Live-Mitschnitt von den Münchener Opernfestspielen – erschienen bei ‘Farao classics’ - die musikalische Leitung hat. Bolton spielt selbst am Cembalo mit, denn er sucht den Impuls von den Sängern auf der Bühne. Es entsteht eine Atmosphäre, die sich immer mehr in die Höhe schaukelt, weil jeder den anderen ansteckt. Bolton dirigiert leidenschaftlich, mit völlig ungezügeltem Temperament, und niemand kann sich dem entziehen. Selten hört man eine Opernaufführung mit so ungezügelter Spielfreude bei den Musikern. Und so wachsen selbst Sänger über sich hinaus, die normalerweise vielleicht gar keine große Stimme hätten. Unter den Hauptdarstellern ist kein einziger, der nicht überzeugt. Axel Köhler als Ottone wirkt nämlich zunächst irritierend, seine Tongebung klingt gehemmt. Doch dann stellt sich heraus, wie er die Rolle angelegt hat; er gibt Ottone den kläglichen Charakter eines Hasenfußes, der – je dramatischer sein Schicksal sich entwickelt – immer mehr an Profil hinzugewinnt.

Großartig ist die Darstellung des Nerone durch den Countertenor David Daniels. Sein Nerone ist besessen leidenschaftlich und sensibel, doch der Grad auf dem er wandelt, ist ein schmaler. Ständig drohen die dünnen Fäden des Nervenkostüms zu zerreißen. Doch Daniels überschreitet die Grenze nicht; der Nerone bleibt glaubhaft und dessen überspannte Liebe für Poppea nachvollziehbar.

Die drei Frauen der Oper heben sich im Charakter sehr klar von einander ab. Die junge Drusilla, die den Ottone unglücklich lieb, ist vielleicht die einzige Figur, zu der sich wirkliches Mitgefühl aufbauen lässt. Ganz herrlich hier Dorothea Röschmann mit ihrer sehr warmen und hellen Farbe und dem schon fast kindlich naiven Gefühlsüberschwang ihrer Liebe zu Ottone. Nadja Michael gestaltet die Rolle von Nerones Frau Ottovia sehr zwiespältig, denn in der Maskerade um echtes oder gespieltes Gefühl lässt sie nur selten ihr wahres Ich durchblicken. Schließlich bleibt Poppea, mit ihrem doppelbödigen Charakter. Auch Anna Caterina Antonacci überzeugt. Sie mimt die hingebungsvoll Verliebte und man erschickt buchstäblich, wenn ihre Maske fällt und die Liebe zum Kalkül wird. Und trotzdem – sind wir nicht als Hörer im verklärten Schlussduett eigentlich davon überzeugt, dass sich hier ein Liebespaar gefunden hat? Doch die Heimlichen Helden dieser Aufnahme sind zwei weitere Figuren: Kurt Moll als Seneca und der Countertenor Dominique Viss als Poppeas Amme Arnalta. Molls Seneca ist hier alles; ein aufgeblasener, Weisheiten dreschender Schwätzer, arrogant, eitel und herrschsüchtig, im gleichen Maße aber auch wieder konsequent und von bewundernswerter Größe.

Für Dominque Viss, der wie ein dämonisches Rumpelstilzchen über die Bühne fegt, gab es spontan Szenenapplaus. Und nicht nur, weil die Rolle publikumswirksam ist, sondern, weil auch die leisen Töne im Schlaflied für Poppea so eindinglich, so tief empfunden wirken, dass man sich diesem Zauber einfach nicht entziehen kann. Es ist keine Frage, das Ivor Bolton mit seiner Energie und seinem Gestaltungsvermögen die Oper zu solch einem Erlebnis werden lässt. Sein Ensemble ist reduziert auf zehn Spieler, die gelegentlich auch ihr Instrument wechseln. Bolton arbeitet ganz gezielt mit verschiedenen Farben, um Szenen oder Charaktere näher zu beleuchten, gruppiert hier und dort Einzelteile innerhalb der musikalischen Dramaturgie um, damit die Oper noch mehr Raum bekommt, um sich entfalten zu können. Diesen Raum gibt er auch den Sängern und Instrumentalisten. Verziehrungen wirken befreit, nie künstlich oder manieriert und überall pulst und atmet Monteverdis Musik. Bolton hat ihr Atem eingehaucht und sie dankt es ihm mit ihrer Lebendigkeit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




Florian Wetter Kritik von Florian Wetter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    L´incoronazione di Poppea: Claudio Monteverdi

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Farao Classics
3
08.01.2003
2:49:39
1997
1998
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
4025438080208
B 108 020

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Monteverdi, Claudio
 - L´incoronazione di Poppea -
 - L´incoronazione di Poppea -
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Dirigent(en):Bolton, Ivor
Orchester/Ensemble:Mitglieder des Bayrischen Staatsorchesters


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"FARAO classics präsentiert die Sensation der Münchner Opernfestspiele 1997 als Live-Gesamteinspielung. Was anlässlich der Premiere von der Süddeutschen Zeitung als "Opern-Premiere zum Niederknien" bezeichnet wurde liegt nun in der Originalbesetzung mit dem absolut unvergleichlichen Countertenor David Daniels auf 3 CDs vor.

Wie immer bei FARAO kam die hauseigene state-of-the-art Technik zum Einsatz, um die Plastizität der Wiedergabe auf diesem Niveau überhaupt er zu ermöglichen. Die Ausstattung des 3-CD-Sets umfaßt neben dem aufwendig gestalteten, mehrsprachigem Begleitheft mit vielen wunderbaren Photos der Sängerstars, das komplette Libretto in italienisch/ englisch/ deutsch.
FARAO classics, 1997"


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Applaus: ""......Das Ergebnis ist eine Aufnahme, die nicht nur durch Nuancenreichtum besticht, sondern darüber hinaus den Status einer Referenzaufnahme beanspruchen darf.""

Der Tagesspiegel: ""Allein das sinnliche Schlussduett von David Daniels und Anna Caterina Antonacci ist eine Kaufsünde wert.""

klassik heute: ""......eine Sternstunde des Operntheaters ist mit dieser Aufnahme festgehalten......da schwinden einem die Sinne......diese Platte stellt alle anderen Aufnahmen der 'Poppea' in den Schatten......""

Süddeutsche Zeitung: ""FARAO classics bietet ein Hörerlebnis, das diese unglaublichen Abende im Münchner Prinzregententheater wieder auferstehen lässt und beflügelt die Phantasie des Hörers derart, daß diesmal die CD dem Live-Erlebnis vorzuziehen wäre.""

Süddeutsche Zeitung: ""Die drei CDs dokumentieren eine Sternstunde des Musiktheaters und entpuppen sich als die bisher beste Aufnahme des Stücks......das liegt zu allererst an den Sängern......Es ist keiner auf Erden, der Daniels das Wasser reichen könnte.""


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Farao Classics

Ein Idee wird zum Erfolg

FARAO classics wurde vor über einem Jahrzehnt mit der Vision gegründet, den künstlerischen Prozess einer Musikproduktion von der Planung über die Aufnahme, den Schnitt und die Mischung bis zur Veröffentlichung maßgeblich in die Hände von Musikern zu legen. Mit dem Ziel eine einzigartige Aufnahme mit künstlerischer Persönlichkeit zu schaffen, finden bei uns kurzlebige kommerzielle Erfolgsaussichten und marketingtechnisches Kalkül keine Berücksichtigung. Vielmehr stellt sich vor jeder neuen Produktion die Kernfrage: Gibt es einen zwingenden künstlerischen Grund, warum die Aufnahme erscheinen soll? Auch in den Bereichen Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit zeigen sich die Vorteile einer unabhängigen Plattenfirma - kurze Wege, persönliches Engagement und Liebe zum Produkt.

In München zu Hause, international anerkannt

Erstklassige Künstler, spannende Projekte und Interpretationen, hervorragende Klangqualität und eine aufwändige Produktausstattung sorgen bei Presse und Publikum immer wieder für Furore. So konnten sich unsere Veröffentlichungen auch weltweit im Tonträgerhandel etablieren und sind in allen wichtigen Märkten erhältlich.

Hörgenuss in Surround - Pure Audio Blu-ray Disc | SACD

Eine außergewöhnliche Klangqualität unserer Aufnahmen ist seit jeher eines der wichtigsten Ziele von FARAO classics. Musik außerhalb des Opernhauses oder Konzertsaales hören und dennoch ein Höchstmaß an musikalischer Authentizität und klanglicher Brillanz zu genießen, war und ist bei uns Standard. Der Traum aber, den Zuhörer zuhause in ein verblüffend reales Hörerlebnis zu versetzen ist Realität geworden - 5.0 Surround!

Die hochauflösenden Tonträger Pure Audio Blu-ray Disc und SACD mit ihrer Fähigkeit Musik dreidimensional wiederzugeben, stellen eine neue Dimension des Hörens dar. Eine geeignete Surround-Anlage vorausgesetzt, "befindet" sich der Zuhörer inmitten des Klangeschehens und kann so die Musik viel plastischer miterleben, als dies jemals zuvor möglich gewesen wäre! Auch wird die Klangqualität der CD, bedingt durch die höhere digitale Auflösung, um ein Vielfaches übertroffen.

Pure Audio Blu-ray Disc

Resultierend aus der hohen Speicherkapazität der Blu-ray Disc (kurz BD) ist es erstmals möglich den Ton absolut verlustfrei zu speichern und die Aufnahme somit in voller, hochauflösender Studioqualität wiederzugegeben - was man hört entspricht der Qualität der Masteraufnahme!

Die Blu-ray Disc unterstützt die Tonformate der nächsten Generation: Dolby TrueHD, DTS-HD und originäres LPCM. FARAO classics produziert in Stereo (LPCM 96 kHz/24bit) und im Surround Format 5.0 (DTS-HD).

Ein weiterer wesentlicher Vorteil der erheblich höheren Kapazität der Blu-ray Disc: neben vielen Stunden Spielzeit im hochauflösenden Stereo- bzw. 5.0 Surround Format können auch Filme mit Interviews und Portraits der Künstler in HD-Qualität als Bonusmaterial enthalten sein.

Wie der Name Pure Audio Blu-ray Disc aber schon sagt, das eigentliche Programm enthält kein Bildmaterial des Konzerts oder der Studioaufnahme. Die Pure Audio Blu-ray Disc kann genau wie eine CD abgespielt werden, ohne das TV-Gerät einschalten zu müssen. Die Tonspuren, wahlweise Stereo LPCM oder 5.0 DTS-HD, werden über die Farbtasten der Fernbedienung des Blu-ray Players ausgewählt. Die einzelnen Titel lassen sich auch mit den Zifferntasten direkt ansteuern. Die visuellen Optionen (Bildschirm-Menü) können, müssen aber nicht benutzt werden. Um die Aufnahmen auch im Auto, auf herkömmlichen CD-Playern oder anderen Geräten abspielen zu können, liefern wir die Pure Audio Blu-ray Disc zusammen mit einer zusätzlichen CD aus - ohne Aufpreis!

Eine SACD-Hybrid kann sowohl auf CD-Playern (in CD-Qualität), als auch auf SACD-Playern (hochauflösend in Stereo oder Mehrkanal) abgespielt werden. Durch diese Kompatibilität macht der Kauf einer SACD auch dann Sinn, wenn die entsprechende Anlage erst in der Zukunft angeschafft werden soll.

Musik in Klang und Bild - DVD-Video

Mit den DVD-Videos "Orphée et Eurydice" und "Rodelinda" haben wir Neuland betreten - bewegtes Bild. Während man auf dem Bildschirm der Inszenierung und den Künstlern optisch folgen kann, erfährt das Ohr dank des auf das Bild abgestimmten Surroundklangs die Illusion, sich tatsächlich im Opernhaus oder Konzertsaal zu befinden. Für "Rodelinda" wurden wir 2005 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Wir hoffen, Ihnen mit unseren Produktionen musikalische Freude zu bereiten!


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