> > > Zimmermann, Bernd Alois: Concerto pour violoncelle / Photoptosis / Tratto II
Sonntag, 20. Oktober 2019

Zimmermann, Bernd Alois - Concerto pour violoncelle / Photoptosis / Tratto II

Klang und Zeit


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wergo legt neu auf: Orchesterwerke Bernd Alois Zimmermanns erklingen klar und dringlich.

Das Label Wergo legt ausgewählte Einspielungen aus der ‚studio reihe neuer musik‘ nun erstmals auf CD vor. Die Wiederveröffentlichungen wurden klanglich restauriert und neu gemastert. Diese Aufnahme dreier Werke von Bernd Alois Zimmermann erschien 1972 auf Langspielplatte. Der Klang ist transparent und kontrastreich. Zimmermann war, mehr als andere, der Zeitkünstler unter den Komponisten. In 'Photoptosis' entsteht der Eindruck von gedehnter Zeit. Mit welcher Klarheit das Radio-Symphonie-Orchester Berlin unter Hans Zender die oszillierenden Farben aufscheinen lässt und mit welchem Gespür für die Proportionen – das zeugt von großer Klasse. Hinsichtlich der Orchesterbehandlung und des klanglichen Raffinements ist Zimmermann mit diesem 1968 komponierten Werk übrigens gar nicht so weit von Richard Strauss entfernt.

Das 'Concerto pour violoncelle et orchestre en forme de ‚pas de trois‘' ist sein letztes Instrumentalkonzert; es entstand, als er an seiner Oper 'Die Soldaten' arbeitete. Das Sinfonieorchester des Südwestfunks Baden-Baden unter der Leitung von Ernest Bour und der Cellist Siegfried Palm arbeiten die Spannung im Verhältnis von Solist und Orchester deutlich heraus. Das ist hier zuweilen kein Dialog, sondern ein Ineinanderreden; beide hetzen nebeneinander her, ihre Spuren überschneiden einander. Die Interpreten machen den Zusammenhang von Idee und Form spürbar. Mit der gebotenen Dringlichkeit musizieren sie diese gestische Musik. Die Einzelleistungen bestechen.

'Tratto II', komponiert für Weltausstellung 1968 in Osaka, bildet den Abschluss. Zimmermann hat es nur aus Sinustönen gebaut und auch hier die Zeit zum Thema gemacht: ‚Das Stück wurde in zwei Zeitrichtung zugleich komponiert: von hinten nach vorne und umgekehrt.‘ Die Wahrnehmung des Hörers mag dabei an ihre Grenzen stoßen, denn wer vermag rückwärts zu hören, zumal wenn er das Ende nicht kennt? Eine faszinierende Hörerfahrung ist es allemal.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Zimmermann, Bernd Alois: Concerto pour violoncelle / Photoptosis / Tratto II

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
WERGO
1
02.07.2012
46:36
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4010228677621
WER 67762


Cover vergössern

WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag WERGO:

  • Zur Kritik... Virtuosität und Avantgarde: Sabine Liebner gibt faszinierende Einsichten in das Klavierwerk von Karlheinz Stockhausen. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Vorbildlich zeitlos: Eine spannende-Veröffentlichung von Wergo und WDR zum 30. Todestag von Morton Feldman. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Klanglicher Überfluss: Das BBC Symphony Orchestra unter der Leitung von Oliver Knussen und der Cellist Anssi Karttunen legen exquisite Ersteinspielungen von Hans Werner Henzes Orchesterwerken vor. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle Kritiken von WERGO...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Dennis Roth:

  • Zur Kritik... Zu verbindlich: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller und die chinesische Geigerin Tianwa Yang widmen sich Wolfgang Rihms Werken für Violine und Orchester. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Monumentaler Mahler: Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentieren Mahlers Zweite Sinfonie auf höchstem Niveau. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Ausdruckstiefes Meisterwerk: Wolfgang Rihms 2017 uraufgeführte 'Requiem-Strophen' in einer geradezu mustergültigen Interpretation unter der Leitung von Mariss Jansons. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Dennis Roth...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Unbekanntes aus England: John Eccles und Gottfried Finger waren produktive Komponisten für Schauspielmusiken für das New Theatre Lincoln's Inn in London. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Das alternative Brahms-Erlebnis mit Otto Klemperer: Bevor Otto Klemperer die Brahms-Symphonien für EMI in London im Studio einspielte und damit einen Meilenstein der Brahms-Diskografie schuf, dirigierte er die Vierte 1957 live in München. Jetzt wurde der Mitschnitt neu remastered auf CD veröffentlicht. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Klarer Anschlag: Oliver Triendl hat zusammen mit dem Orchester der norwegischen Stadt Kristiansand unter Hermann Bäumer drei hörenswerte Klavierkonzerte von Julius Röntgen eingespielt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2019) herunterladen (3600 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ernest Bloch: Symphony for Cello & Orchestra - Agitato

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Christian Euler im Portrait "Melancholie ist die höchste Form des Cantabile"
Bratschist Christian Euler im Gespräch mit klassik.com über seine Lehrer, seine neueste SACD und seine künstlerische Partnerschaft zum Pianisten Paul Rivinius.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich