> > > Musicke & Mirth spielen: Werke vonJ enkins, Lawes u.a.
Montag, 25. Oktober 2021

Musicke & Mirth spielen - Werke vonJ enkins, Lawes u.a.

Kammermusikalische Delikatessen


Label/Verlag: Ramée
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Aufnahme ist eine denkbar schön gelungene Einführung die englische 'division music'.

Die englische Barockmusik kann mit einer ganz eigenen Musiksprache aufwarten, die sich ‚Division Musick‘ nennt. Dies ist die Kunst des Musikers, über eine kurze Bassmelodie eine neue, schnellere Improvisation zu spielen. Da diese virtuose Fähigkeit nicht allen Musikfreunden in England gegeben war, schrieben berühmte Komponisten des 17. Jahrhunderts fertig komponierte Divisions, wie die beiden Hofkomponisten William Lawes und John Jenkins.

Jenkins zählte zu den führenden Musikerpersönlichkeiten am Hofe Charles I., dessen Wirken aber durch die Wirren des Bürgerkriegs aus dem nationalen Gedächtnis verschwand. Er lebte während der Herrschaft Oliver Cromwells unter anderem auf dem Landsitz der Familie North, dessen Mitglieder begeisterte Gambenspieler waren, für die er eine ganze Reihe kunstvoller Gambensätze komponierte. Aber auch andere adelige Familien der Zeit schmückten sich mit teuren Gambenconsorts, an deren feinem Klang sich die hochwohlgeborene Gesellschaft erfreute. So konnte sich der Lübecker Violinvirtuose Thomas Balthzar als freischaffender Künstler in London schnell einen Namen machen, der ihm nach der Restauration sogar einen Posten als Kammerviolinist Charles II. verschaffte. William Lawes zählte zu den Lieblingsmusikern Charles I., der ihn als Lautenisten eingestellt hatte. Lawes schrieb eine beträchtliche Anzahl weltlicher und geistlicher Werke, von denen heutzutage fast nur noch seine Instrumentalwerke für Gambe aufgeführt werden. Die komplexe Struktur seiner Kompositionen stellt höchste Anforderungen an Musiker und Zuhörer, weshalb deutlich wird, weshalb die ‚division music‘ ein wichtiger Bestandteil adeliger Selbstvergewisserung als Connaisseur war.

Nun haben die beiden Gambistinnen Jane Achtman und Irene Klein eine Auswahl englischer ‚division music‘ für ihre neue CD zusammengestellt, die einen Querschnitt durch das spannende Repertoire für zwei Gamben, Violine und Tasteninstrument bietet. Neben Werken von William Lawes und John Jenkins bekommt der Hörer auch selten aufgeführte Stücke von Thomas Balthzar, Christopher Simpson und John Banister zu hören. Beim Werk 'A Division on a Ground by Mr. John Eckles' ist die Autorenschaft umstritten, doch entstammt das Stück einer Sammlung von Gambenkompositionen, die der berühmte englische Verleger John Walsh herausgegeben hat, weshalb die Komposition exemplarisch für die reichhaltige Gamben-Tradition der Insel steht, ganz gleich, wer der Autor ist.

Zusammen mit Amandine Beyer (Violine) und Johannes Strobl (Virginal und Orgel) bieten Achtman und Klein ihren Hörern einen spannenden Blick auf die höfische Kammermusik Englands. Alle vier Musiker spielen auf Nachbauten historischer Instrumente, deren Klang wunderbar aufeinander abgestimmt ist. Besonders die vier zum Einsatz kommenden Bassgamben von Robert Foster und Neil Hansford bilden sehr harmonische Doppel. Amandine Beyer ergänzt den dunklen Streicherklang durch eine sehr gerade geführte Violinstimme, deren strahlender Glanz den weichen Gambenton kontrastiert. Johannes Strobl gestaltet das Basso continuo einfühlsam und abwechslungsreich. In einigen Stücken, wie dem 'Lyra Consort' in d-Moll von John Jenkins, erzeugen die vier Musiker durch raffiniert gegeneinander gespielte Registerwirkungen quasi orchestrale Klänge, die wiederum fein abschattiert sind. Im 'A Division on a Ground by Mr. John Eckles' kann Amandine Beyer mit sehr filigran geführtem Geigenton ein kammermusikalisches Kleinod zaubern, dessen delikat getupfte Klangwirkung durch die dezente, aber sehr lebendige Begleitung durch Strobl, Kein und Achtman zu einem absoluten Highlight der CD wird. Jeder einzelne Track des Programms ist hörenswert, und von den Musikern liebevoll ausmusiziert. Zusammen mit der wunderbaren Bookletgestaltung, die alle Publikationen von Ramée auszeichnet, bekommt der Hörer ein feinsinniges Gesamtpaket geboten, das so kunstvoll und anmutig ist wie die auf dem Cover abgebildete Stickerei aus dem Victoria & Albert Museum.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Musicke & Mirth spielen: Werke vonJ enkins, Lawes u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ramée
1
01.07.2012
Medium:
EAN:

CD
4250128512046


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Ramée

Das Label RAMÉE wurde im Jahre 2004 von Rainer Arndt gegründet.
In den ersten vier Jahren seiner Existenz hat sich RAMÉE bereits als eine vielbeachtete Marke am CD-Markt der Alten Musik etabliert. Etliche Veröffentlichungen des noch kleinen Katalogs haben das Lob von Fachpresse und Publikum gefunden und sind mit Preisen prämiert worden. Sechs bis acht »handverlesene« Produktionen pro Jahr des Ein-Mann-Betriebes konzentrieren sich vor allem auf selten oder noch nicht eingespielte Literatur der Alten Musik oder auf bekanntere Werke in neuen und ungewöhnlichen Interpretationen.
Dabei werden nicht nur höchste Ansprüche an die Aufnahme selbst gestellt, sondern ebenso an die graphischen und taktilen Eigenschaften der Hülle sowie an die literarische und wissenschaftliche Qualität des Textheftes: RAMÉE-CDs sollen poetische Objekte als Ganzes sein, denn das Vergnügen des Ohres ist untrennbar mit dem des Auges und der Hand verbunden. Eine Edition für anspruchsvolle Liebhaber guter Musik!


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