> > > Bottesini, Giovanni: Grand due Concertant in A-Dur
Donnerstag, 2. Juli 2020

Bottesini, Giovanni - Grand due Concertant in A-Dur

Bekehrungsmittel


Label/Verlag: Channel Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Rick Stotijn vollbringt am Kontrabass allerlei schier unglaubliche Kunststücke und wird dabei von erstklassigen musikalischen Partnern unterstützt.

Der Kontrabass hat als Soloinstrument nicht den besten Ruf. Das ist durchaus verständlich: Er gilt als schwerfällig, und bei diversen Konzerten für Kontrabass und Orchester leidet man als Zuhörer oft mit dem Solisten mit, wenn es intonatorisch mal wieder wackelt – selbst für anerkannte Kontrabass-Solisten bedeutet es offenbar eine große Herausforderung, das behäbige Schwergewicht mit dem Orchester intonatorisch sauber abzustimmen. Wer bisher Vorurteile gegenüber dem Kontrabass gehegt hat, wird vermutlich mit vorliegender Aufnahme umzustimmen sein. Die nun bei Channel Classics erschienene hybride SACD ist das denkbar beste Bekehrungsmittel für Skeptiker.

Der niederländische Kontrabassist Rick Stotijn bedient sein Instrument mit solcher technischer Vollendung und einem derartigen Feingefühl, dass man seinen Ohren kaum traut. Ist das wirklich ein Kontrabass? Er klingt bei Stotijn, seines Zeichens erster Kontrabassist der exquisiten Amsterdam Sinfonietta und des Schwedischen Radio-Sinfonieorchesters, unglaublich leichtfüßig und schattierungsfähig, aber auch blitzsauber in der Abstimmung der Tonhöhe – und das bei diesen horrenden technischen Anforderungen! Letztere gehen auf das Konto von Giovanni Bottesini, dem als ‚Paganini des Kontrabasses‘ apostrophierten italienischen Kontrabassvirtuosen, Komponisten und Dirigenten. Der im lombardischen Crema 1821 geborene Bottesini ist Kontrabass-Aficionados natürlich ein Begriff – von ihm stammt eine ganze Reihe von Bravour-Stücken, unter anderem das 'Capriccio di Bravura', das Rick Stotijns bei Channel Classics veröffentlichter Zusammenstellung seiner Lieblingsstücke von Bottesini ihren Namen gibt.

Begleitet wird Stotijn in den (eigentlich ein großes Orchester vorsehenden) für Streichorchester arrangierten Stücken von ‚seinem‘ Ensemble, der Amsterdam Sinfonietta unter der Leitung von Candida Thompson. Daneben finden sich jedoch auch selten zu hörende Werke für Kontrabass und Streichquintett, wie das 'Allegro di Concerto ‚Alla Mendelssohn‘' oder das bereits genannte 'Capriccio di Bravura' A-Dur. Dazwischen sorgen zwei Lieder für Mezzosopran, obligaten Kontrabass und Klavier für Abwechslung. Den Gesangspart in 'Une bouche aimée' und 'Tutto che il mondo serra' übernimmt Christianne Stotijn, die Schwester des Solisten, der Pianist Hans Eijsackers begleitet sachdienlich und gefühlvoll. Mit etwas viel Vibrato aufgeladen zeichnet die Mezzosopranistin die Stimmungen der beiden als Opernarien ebenso tauglichen Lieder – Bottesini komponierte eine ganze Reihe an Opern – mit angenehm warmer Stimme nach.

Nicht unerwähnt bleiben darf freilich auch die Violistin Liza Fertschman, die sich im 'Grand Duo Concertant' A-Dur, einem der ‚Klassiker‘ von Bottesini, mit Rick Stotijn einen funkensprühenden Schlagabtausch liefert: Bottesini gibt dem Kontrabass die gleich anspruchsvolle Aufgaben auf wie der Violine: Eine Reihe springender und geworfener Bogenstriche wechseln sich mit rasenden Läufen ab, Flageoletts, im Kontrabass durchaus auch mal als Flageolett-Arpeggio zur ‚lockeren‘ Untermalung, mehrstimmige Passagen, Turneinlagen quer durch die Lagen – der ‚Hexereyen‘, wie man es in der vortragsästhetischen Sprache des späten 18. Jarhunderts genannt hätte, nimmt es kaum ein Ende. Und Rick Stotijn erweist sich als veritabler Hexer am Kontrabass. Er treibt seinem Instrument alle Schwerfälligkeit aus und scheint – ohne technische Hürden zu kennen – die Gestaltungsvielfalt direkt aus den wechselnden Stimmungen abzuleiten. Mit ungeheurer Delikatesse behandelt er die Dynamik (die von der vorzüglichen Tontechnik äußerst fein abgebildet wird), Gangart und Timbre und findet damit zu einer anregenden Umsetzung dieser Bravour-Stücke. Virtuosenfeuerwerke werden hier wirklich zu Musik. Seine instrumentalen Mitstreiterinnen und Mitstreiter erweisen sich als ebenso inspiriert und engagiert.

Freilich, die thematischen Erfindungen von Bottesini sind nicht außergewöhnlich; volkstümlich eingefärbte, schlichte Melodien wechseln sich mit kraftvoll-geradlinigem Impetus ab. Aber es kommt bei diesen Stücken nicht auf die melodische Primärerfindung an, sondern um das, was daraus gemacht wird. Der Glitzer entfaltet sich in den Zwischenräumen, wenn virtuose Bizarrerien und spieltechnische Hochseilakte das ganze Können des Solisten zur Schau stellen. Rick Stotijn wird den Anforderungen mehr als gerecht – darüber hinaus gelingt es ihm und seinen Begleitmusikern aber, aus dem schaustellerhaften Glitzer Funken anregender Musikalität zu schlagen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bottesini, Giovanni: Grand due Concertant in A-Dur

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Channel Classics
1
07.03.2012
Medium:
EAN:

SACD
723385326120


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Channel Classics

Channel Classics Records is a quality record label based in Holland. Director, producer and recording engineer is C. Jared Sacks. Having grown up in Boston Massachusetts, schooled at Oberlin Conservatory and the Amsterdam Conservatory of music with 15 years experience playing French Horn, Jared decided to make his hobby of recording a profession in 1987. The label started in 1990 with the name Channel Classics coming from the street he lived on in Amsterdam. (Kanaalstraat).
Jared and his Dutch wife Lydi Groenewegen together with a group of assistants work closely with distributors in 37 countries to promote the artists through the CD?s.


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