> > > Enescu, George: Sinfonie Nr. 2 op. 17
Montag, 18. Oktober 2021

Enescu, George - Sinfonie Nr. 2 op. 17

Beachtliche Leistung


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Hannu Lintus zusammen mit dem Philharmonischen Orchester Tampere erarbeitete Einspielung der Zweiten Sinfonie von George Enescu lässt keine Wünsche offen.

Wenn man nicht wüsste, dass die beiden auf diesem Tonträger zusammengeführten Werke von demselben Komponisten stammen – man würde es wohl kaum glauben. Auf der einen Seite steht George Enescus Zweite Sinfonie A-Dur op. 17, ein nicht nur ihren äußeren Dimensionen nach opulentes Werk, sondern auch hinsichtlich der Instrumentation und des vielstimmig-dichten Orchestersatzes. George Enescu, eines der größten musikalischen Talente seiner Zeit – er war nicht nur Geigenvirtuose, -pädagoge und angesehener Komponist, sondern auch Dirigent – komponierte die A-Dur-Sinfonie zwischen 1912 und 1914. Während er den ersten Satz mit einer Holzbläserfigur beginnt, die direkt Mendelssohns ‚Italienischer‘ Sinfonie entnommen scheint, fährt Enescu in einem frohgemuten Duktus fort, der manchmal Strauss’schen Schwung hat, manchmal zarte, pastorale Lyrik ausbildet, besonders in den Holzbläsern, die zahlreiche Aufgaben zu übernehmen haben. Nach dem rund zwanzigminütigen Kopfsatz folgt ein 'Andante giusto', dessen weit ausgreifende Kantilenen den Orchestergruppen beste Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Mit Beginn des dritten Satzes – er ist eigentlich eine langsame Einleitung zum Finale – ändert sich die Stimmung; man hat den Eindruck, als werfe der Erste Weltkrieg plötzlich seine Schatten voraus. Nicht umsonst ist dem Finale das Adjektiv ‚marziale‘ beigegeben. Enescu erweitert im Finale die üppige Orchesterpalette noch einmal beträchtlich, vor allem im Schlagwerk, zu dem auch Klavier und Celesta treten. Der Finalsatz wirkt gegenüber dem ersten geradezu zerfahren in der Kleinteiligkeit seiner musikalischen Substanz. Nicht nur das Klangbild wirkt schroffer und eckiger, auch die polyphone Schichtung fügt sich nicht so reibungslos und jugendstilhaft ornamental ineinander wie im ersten Satz. Ganz anders die Kammersinfonie op. 33, die in Skizzen zwar die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg zurückgeht, aber erst 1954 fertiggestellt wurde. Das Orchester ist auf zwölf Instrumente reduziert, die Musiksprache konzentriert und verdichtet, die Formgebung klassizistisch – und doch weit weg von neoklassizistischer Verspieltheit.

Der finnische Dirigent Hannu Lintu erweist sich in dieser von Ondine veröffentlichten Einspielung als ein versierter Interpret, dem es in den ersten beiden Sätzen der Zweiten Sinfonie auf überzeugende Weise gelingt, ausgreifende Melodik und komplexe Schichtungen der Orchesterstimmen unter einen Hut zu bringen. Sein – etwa gegenüber der Einspielung von Gennady Rozhdestvensky – straffer Zugriff auf den Finalsatz tut der Musik gut, weil dadurch die kleinteilige, eher disparate Struktur vor dem Auseinanderfallen bewahrt wird. Das Philharmonische Orchester Tampere verfügt über exquisite Holzbläser, die dieser durchaus bläserbetonten Sinfonie Farbigkeit und melodische Rundung verleihen. Mit genügend Biss und schlanker Prägnanz führt Lintu im Finale der A-Dur-Sinfonie die Unterstimmen, wodurch der strenge, bedrohliche Duktus dieses Satzes unterstrichen wird. Ebenso treffsicher zeigen sich die zwölf Instrumentalisten des Philharmonischen Orchesters Tampere in der Kammersinfonie. Sie agieren mit viel Spielwitz, lassen aber auch die tragischen Untertöne dieser gegenüber der opulenten Sinfonie gleichsam destillierten Musik nicht unbeachtet.

Für eine erstklassige klangtechnische Vermittlung sorgen die Ondine-Meister, die dem Orchesterklang eine gelungene Mischung aus kompakt-direktem Klang und Durchhörbarkeit der polyphonen Schichtung ermöglichen. Die Harfe kommt selbst in diesem opulenten Instrumentenaufgebot klanglich durch, die Hörner zeichnen scharfe Linien, die solistisch hervortretende Violine wird klar abgebildet. Klanglich wie interpretatorisch bleiben hier keine Wünsche offen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Enescu, George: Sinfonie Nr. 2 op. 17

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
04.06.2012
Medium:
EAN:

CD
761195119624


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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