> > > Chopin, Frederik: Ballade Nr. 4 in f-Moll op. 52
Freitag, 25. September 2020

Chopin, Frederik - Ballade Nr. 4 in f-Moll op. 52

Feinfühlige Kantabilität bei struktureller Klarheit


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Als Leitmotiv von Evgeni Koroliovs zweiter Chopin-CD könnte das lyrische Moment benannt werden. Bei struktureller Klarheit rückt er das Gesangliche in Chopins Musik durch eine feinfühlige Melodieführung ins Zentrum seiner Interpretation.

Der zum Chopin-Jahr 2010 herausgegebenen und vielfach gelobten Einspielung von ausgewählten Mazurken folgt nun Evgeni Koroliovs zweite auf Tonträger dokumentierte Auseinandersetzung mit der Musik Chopins. Unter dem schlichten Titel ‚Various Works‘ verbirgt sich ein knapp achtzigminütiger Hörgenuss, der auch im Vergleich zur ersten CD schon durch die Zusammenstellung verschiedener Formen einerseits abwechslungsreich, durch die Dramaturgie zwischen lyrisch-melancholischen und virtuos-brillanten Momenten auch innerhalb der einzelnen Stücke andererseits äußerst spannend ist. So erwarten den Hörer auf dieser CD neben der eröffnenden f-Moll-Ballade (op. 52) zwei Nocturnes (op. 27,1 und op. 48,2) , die Barcarolle in Fis-Dur (op. 60), die vier Impromptus, ein Prélude in cis-Moll (op. 45), das Scherzo Nr. 4 in E-Dur (op. 54) und der 'Grand Valse Brillante in a-Moll' (op. 34,2). Die CD erschien jüngst beim Label Tacet mit schlicht gestaltetem, aber ausführlich angelegtem 36-seitigen und dreisprachigen Booklet. Auch klanglich ist die CD sehr gelungen. Der Steinway-Flügel klingt klar und detailreich abgebildet; im Direktvergleich mit der Mazurken-CD ist diese Aufnahme wärmer und räumlicher und klingt – den ausgewählten Stücken entgegenkommend – weniger sachlich.

Wie schon bei den Mazurken ist Evegni Koroliovs Zugriff auf die Musik Chopins von struktureller Klarheit geprägt. Doch das analytische Verständnis der Musik steht in Koroliovs Spiel weniger im Vordergrund, sondern ist vielmehr Voraussetzung für eine musikalisch schlüssige Verklanglichung des Notentextes. Durch diesen Zugriff auf Chopins ohnehin emotionsbetonte Klaviermusik gelingt Evgeni Koroliov bei aller Klarheit eine völlig frei klingende und ergreifend emotionale Interpretation. Koroliovs Chopin ist weder sachlich-analytisch noch pathetisch-affektiert. Als Leitmotiv dieser Aufnahme könnte das lyrische Moment benannt werden, das allen Stücken mehr oder weniger innewohnt. Der Melodieführung wird folglich ein besonderer Stellenwert eingeräumt, so dass der Höreindruck von einem Höchstmaß an Kantabilität geprägt ist, der Evgeni Koroliov in seinem Spiel bis ins letzte Detail nachgeht und nachhört. Dieser Eindruck festigt sich bereits in den ersten Minuten der eröffnenden Ballade, wenn sofort nach der kurzen, unbeschwert unschuldigen C-Dur-Einleitung zögerlich das Thema in f-Moll einsetzt. Mit singendem Ton beginnt Koroliov hier eine Geschichte zu erzählen. Feinfühlig steigert sich die Handlung mehrfach, bis das Thema in immer wieder anderen Gestalten erscheint, wobei Koroliov der Musik viel Zeit zum Atmen einräumt. Diese musikalische Vorstellung liegt auch den anderen Stücken zugrunde, wenngleich es sich um unterschiedliche Formen und Charaktere handelt. Evgeni Koroliov ist mit dieser CD eine feinfühlige und hochemotionale Chopin-Aufnahme gelungen, deren musikalische Stärke neben der strukturellen Klarheit insbesondere in einer unglaublich fein gezeichneten, einfühlsamen Kantabilität liegt. Selbst für den mit Chopin-Platten übersättigten Tonträgermarkt stellt diese Aufnahme eine Bereicherung dar.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Peter Büssers Kritik von Peter Büssers,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Chopin, Frederik: Ballade Nr. 4 in f-Moll op. 52

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
04.06.2012
Medium:
EAN:

CD
4009850020202


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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