> > > Klughardt, August: Lenore: Sinfonie Nr. 2 d-Moll op. 27
Montag, 10. Mai 2021

Klughardt, August - Lenore: Sinfonie Nr. 2 d-Moll op. 27

Solide Spätromantik


Label/Verlag: Sterling
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ordentliche Aufnahmen unbekannten spätromantischen Repertoires von August Klughardt und Friedrich Gernsheim: eine Sinfonie zu Bürgers

Die vorliegende CD des Labels Sterling ruft uns zwei mehr oder weniger unbekannte Spätromantiker anhand je eines (unbekannten) sinfonischen Werks in Erinnerung. August Klughardt (1847-1902) war lange nur durch ganz wenige ins Repertoire übernommene Werke, darunter in erster Linie die 'Schilflieder', bekannt; in jüngerer Zeit haben einige punktuelle Ausgrabungen dazu beigetragen, den Blick wieder verstärkt auf den vergessenen Spätromantiker zu richten. Seine sinfonische Dichtung in vier Abteilungen 'Lenore' op. 27 nach der gleichnamigen Ballade Gottfried August Bürgers, die parallel auch als Zweite Sinfonie d-Moll geführt wird, wurde immerhin von niemand Geringerem als Richard Wagner (dem die Partitur gewidmet ist) positiv bewertet. Klughardts Verarbeitung der schaurigen Ballade steht der Neudeutschen Schule dann auch näher als viele der späteren Kompositionen, in denen der Komponist – ähnlich wie Joachim Raff, der übrigens auch (und fast zeitgleich) eine sinfonische Vertonung der ‚Lenore’ vorlegegt hat – zu einem gemäßigteren Klassizismus fand. Man kann sogar recht deutliche Anklänge an die frühen Opern Wagners, insbesondere den 'Holländer' und 'Tannhäuser', ausmachen, ohne von konkreten Zitaten oder gar Epigonentum reden zu wollen.

Fiktives Drama

Die Kompositionen von Friedrich Gernsheim (1839-1916) sind zumindest im Plattenmarkt um einiges verbreiteter, denn eine ganze Reihe von Aufnahmen ist verfügbar; im Konzertleben von einer wie auch immer gearteten Präsenz Gernsheims zu sprechen, wäre aber wohl übertrieben. Erfreulich, dass mit der unbekannten Tondichtung für großes Orchester op. 82 'Zu einem Drama' das verfügbare Repertoire erweitert wird. Die Ouvertüre zu einer fiktiven oder zumindest nicht näher benannten dramatischen Handlung bietet sich zudem als passende Ergänzung zu Klughardts ‚Lenore’ an, da das Werk einen ähnlichen Tonfall anschlägt. Dass offen gehalten wird, welches ‚Drama’ in der Kompsoition geschildert wird, kann als Angebot an den Hörer gesehen werden, eigene Bilder vor dem inneren Auge entstehen zu lassen; gleichzeitig mag es aber auch als hinderlich angesehen werden, da eine gewisse Beliebigkeit nicht ausbleibt und das Werk natürlich nie ausgewählt werden wird, wenn ein Programm inhaltlich-thematisch zusammengestellt wird.

Ältere Aufnahmen

Die Platte vereinigt zwei verschiedene Aufnahmen, denen gemeinsam ist, nicht mehr ganz taufrisch zu sein. Klughardts Sinfonie hat die Anhaltische Philharmonie unter Manfred Mayrhofer erarbeitet; das Werk wurde 2002 live mitgeschnitten. Gernsheims Ouvertüre wurde bereits 1995 vom SWR Radiosinfonieorchester Kaiserslautern unter der Leitung von Klaus Arp eingespielt. Die Leistung des Anhalter Regionalorchesters ist ebenso wie diejenige des SWR-Radioorchesters als beachtenswert einzustufen. Die Interpretationen geben sich so, wie man es erwarten würde: recht objektiv und neutral die Partituren in Klang umsetzend. Eine deutlich erkennbare Handschrift der Dirigenten sollte man ebensowenig erwarten wie eine Umsetzung getreu der historischen Aufführungspraxis. Während die Produktion mit schönen Booklet-Texten von Alan Krueck (Klughardt) und Malcolm MacDonald (Gernsheim) versehen ist, hätte die klangtechnische Aufbereitung sorgfältiger und/oder durchdachter erfolgen können. Natürlich lassen sich die (zum Glück kaum störenden) Nebengeräusche beim Live-Mitschnitt nicht entfernen, aber es wäre zu vermeiden gewesen, den akustischen Hintergrund zu Beginn oder am Ende eines Tracks abrupt bzw. an ungünstiger Stelle (z.B. mitten in einem Huster oder Stühlerücken) abzuschneiden; auch dass der Applaus sofort ausgeblendet wird, wirkt eher unbeholfen – entweder sollte man ihn unter dem Aspekt der Dokumentation länger laufen lassen oder eben ganz entfernen. Auch bei der Gernsheim-Aufnahme gibt es Beantstandungen in Form von merkwürdigen Störgeräuschen direkt vor und nach der Musik, deren Stehenbleiben unverständlich ist. Zugegeben: Den relevanten Teil, nämlich die Musik, beeinträchtigt das nicht, wohl aber den Gesamteindruck – und der zählt am Ende.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klughardt, August: Lenore: Sinfonie Nr. 2 d-Moll op. 27

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Sterling
1
25.06.2012
Medium:
EAN:

CD
7393338109624


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Sterling

Sterling is a record label specialising in orchestral music from the Romantic era, founded by Bo Hyttner. Most of the CDs released by Sterling contain previously unrecorded works. After setting out with Swedish romantics, Sterling is now spreading out towards the musical heritage of other European countries. In Sweden, the label is represented through CDA.



Additional to our series of Romantic orchestral classics, we release two more series:
  • The Artist series, dedicated to musical excellence from Swedish performers
  • The Historical Recordings series, with many unique pieces of musical heritage taken from the Swedish Radio Archives.


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