> > > Gens, Veronique singt: Werke von Berlioz & Ravel
Samstag, 23. Oktober 2021

Gens, Veronique singt - Werke von Berlioz & Ravel

Eine meisterhafte Véronique Gens


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Véronique Gens zeigt in ihrer neuen Einspielung mit Vokalwerken von Berlioz und Ravel ihre Meisterschaft im französischen Vokalrepertoire.

Véronique Gens, die ihre vokale Kunst seit Jahren einerseits als international angesehene Barock-Interpretin andererseits als gefragte Mozart-Sängerin unter Beweis stellt, liefert jetzt mit der Aufnahme von Hector Berlioz‘ 'Herminie' und 'Les Nuits d’été' sowie Maurice Ravels 'Shéhérazade' einen weiteren gelungenen Beitrag zu ihren bisher über 70 CD-Einspielungen. Zusammen mit dem Orchestre National des Pays de la Loire unter der Leitung des amerikanischen Dirigenten John Axelrod widmet sich Gens hierbei einem musikalischen Gebiet, das ihr künstlerisch besonders am Herzen liegt: dem französischen Vokalrepertoire. Die Sopranistin setzte sich für französische Musik nicht nur auf der Opernbühne ein, mit Paradepartien wie Lullys Alceste oder Glucks Iphigénie; ihr Engagement galt in gleicher Weise dem französischen Lied von Komponisten wie Debussy, Chausson, Fauré oder eben Berlioz.

Die Aufnahme, die 2012 im schwedischen Label Ondine erschien, stellt eine perfekt auf Véronique Gens‘ vokale Ausdrucksstärken zugeschnittene Repertoireauswahl dar. Die Sopranistin versteht es, die unterschiedlichen geforderten Atmosphären der einzelnen Lieder und Kantatensätze von Beginn bis Ende aufrecht zu erhalten und den Hörer mit dem farbenreichen Einsatz ihrer Stimme in die musikalisch gezeichnete Szene hineinzuziehen. Die tiefe Trauer über den schmerzvollen Liebesverlust in 'Sur le lagunes' beispielsweise stellt sie durch ein fast verschwindendes, aber dennoch ausdrucksstarkes Piano dar, das sie bis zu einem dramatischen Fortissimo steigern kann. Doch erscheinen die kraftvollen Ausbrüche genauso mühelos und natürlich zu sein wie die leisesten Schattierungen.

Gens setzt zusammen mit dem Orchestre National des Pays de la Loire auf eine sensible, fast sanfte Version der meist überaus dramatisch interpretierten 'Les Nuits d’été', so dass die verschiedenen Klangimpressionen der Kompositionen umso beeindruckender zum Ausdruck kommen. Dabei kombiniert sie eine ungeheure Beherrschung des Legato-Gesangs auf der einen Seite mit einer nuancierten und deutlichen Aussprache der französischen Texte. Sie verbindet Musik und Sprache auf besondere Weise miteinander, so dass der große dramatische Gehalt der Werke erst verständlich werden kann. Besonders die dynamischen Kontraste in Gens‘ Interpretation zusammen mit der über die Pausen und Phrasenenden leitenden Ausdruckskraft ihrer Stimme schaffen eine fesselnde Konzentration. Dabei behält sie durchgehend einen warmen Stimmklang mit einem gleichmäßig ruhigen Vibrato, den sie auch nicht in den dramatischen Höhepunkten spitz oder schrill werden lässt.

Beeindruckend erscheint ihre Stimmkontrolle vor allem in Anbetracht der anspruchsvollen Repertoirewahl, die sowohl mit der Kantate für Sopran und Orchester 'Herminie' als auch mit den beiden Orchesterliederzyklen 'Les Nuits d’été' und 'Shéhérazade' äußerst schwierige Partien des französischen Vokalrepertoires bilden. Den hohen Anforderungen an den Sopran stehen die an das Orchester in nichts nach, das eine wichtige Rolle in der Zeichnung der Klanggemälde übernimmt. Momente von besonders gelungener Interpretation, die das tiefe Verständnis zwischen Instrumentalisten und Sopranistin in voller Klarheit zeigen, birgt die Ausführung von Ravels 'Shéhérazade'. Das Orchester präsentiert sich als gleichwertiger Partner, der die Sängerin im richtigen Augenblick sanft zu unterstützen vermag oder sie auch zu dramatischen Ausbrüchen zu bewegen versteht. Das von John Axelrod geleitete Orchester erscheint dabei durchgehend stimmig, sowohl was die Wahl der Tempi und Dynamik betrifft als auch in der Betonung der passenden Klangfarben, die der Dirigent zum richtigen Zeitpunkt durch die Verstärkung oder Zurücknahme der verschiedenen Instrumentengruppen erzeugt.

So bildet die CD-Einspielung der drei Vokalwerke von Berlioz und Ravel durch eine meisterhaft auftretende Véronique Gens und ein stark besetztes Orchestre National des Pays de la Loire einen Höhepunkt in der Diskographie des französischen Vokalrepertoires. Sowohl die Gestaltung des Booklets, bei dem großer Wert auf Übersichtlichkeit und verdichtete Informationen gelegt wurde, als auch die hohe Klangqualität tragen zu dem stimmigen und qualitätsvollen Gesamtbild der Veröffentlichung bei. Diese Einspielung darf für sich eine zentrale Stellung in der Berlioz- und Ravel-Diskographie beanspruchen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Gens, Veronique singt: Werke von Berlioz & Ravel

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
14.05.2012
Medium:
EAN:

CD
761195120026


Cover vergössern

Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Ondine:

  • Zur Kritik... Mit absoluter Innigkeit: Lars Vogt meistert Brahms Klavierkonzert Nr. 1 D-Moll mit der Royal Northern Sinfonia. Dazu 4 Balladen op. 10 in solider Interpretation Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Test bestanden: Lars Vogt empfiehlt sich für weitere Mozart-Aufgaben. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Konsequente Stilschmelze: Erst Rockstar, dann Solist am Cello im Barockensemble: Genregrenzen überwindet der finnische Komponist Olli Virtaperko, indem er sie sich einverleibt. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle Kritiken von Ondine...

Weitere CD-Besprechungen von Heike Nasritdinova:

  • Zur Kritik... Ein paar Juwelen des Belcanto: Die Sopranistin Elena Xanthoudakis präsentiert an der Seite von Richard Bonynge und der Royal Northern Sinfonia einige Arien des Belcanto-Repertoires in einer Aufnahme, die so einige Juwelen bereithält. Weiter...
    (Heike Nasritdinova, )
  • Zur Kritik... Großartige Interpretation eines einzigartigen Werks: Vielleicht ist es die tausendste Einspielung von Vivaldis 'Vier Jahreszeiten', doch das Orchestra of the Age of Enlightenment präsentiert die Violinkonzerte in einer wahrlich bestechenden Interpretation. Weiter...
    (Heike Nasritdinova, )
  • Zur Kritik... Von trillernden Trollen und singenden Drachen: Bezaubernd erzählt Kerstin Unseld von Troll Trillers Weg durch den Zauberwald und bringt Kindern die Musik von Vivaldi bis Dvorák in einer wundervollen Zusammenstellung näher. Weiter...
    (Heike Nasritdinova, )
blättern

Alle Kritiken von Heike Nasritdinova...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Verschlungene Wege: Enrico Onofri und sein Orquesta Barroca de Sevilla mit einer gelungenen Lesart von Pergolesis 'Stabat Mater', die sich wesentlich dem vokalen Glanz von María Espada und Carlos Mena verdankt. Weiter...
    (Dr. Matthias Lange, )
  • Zur Kritik... US-Streichquartette: Ives und Barber - und die Originalfassung des berühmten Adagio. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Vertane Chance: Unbekümmertheit bestimmte Villa-Lobos' Denken, als er Transkriptionen von Klassik-Ohrwürmern erstellte. Zur Unbekümmertheit gesellt sich Ungenauigkeit hinsichtlich der Einspielungen dieser Werke durch den São Paulo Symphony Choir. Weiter...
    (Christiane Franke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2021) herunterladen (3200 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (7642 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich