> > > Pepusch, Johann Christoph: Concertos and Overtures for London
Montag, 25. Oktober 2021

Pepusch, Johann Christoph - Concertos and Overtures for London

Musik aus der Schatztruhe


Label/Verlag: Ramée
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese CD ist nicht nur ein Muss für alle Händel-Freunde. Sie hat auch das Potential, echte Barock-Muffel von der Schönheit dieser Musik überzeugen.

Diese CD ist eine wahre Freude. Sowohl optisch als auch inhaltlich bietet sie ästhetischen Hochgenuss. Dank liebevoller graphischer Gestaltung und wunderbarer Musik ist diese Produktion ein gelungenes Gesamtkunstwerk, das sowohl Klassik-Einsteiger als auch Experten für die Musik des 18. Jahrhunderts begeistern wird. Sie ist unterhaltsam und anspruchsvoll.

Auf dem Programm stehen Konzerte und Ouvertüren von Johann Christoph Pepusch, dessen Nachruhm unter der Popularität seines Kollegen Händel sehr gelitten hat. Dabei begannen Pepusch und Händel ihre englische Karriere gemeinsam in London und wechselten sich als Cembalisten bei Thomas Brittons Konzertveranstaltungen ab. Später war Pepusch ein hochangesehener Lehrer und anerkannter Musikantiquar, dessen Bemühungen um alte Musik maßgeblich zur Bewahrung alter Meister und ihrer Werke und damit zur kontinuierlichen Aufführung der Werke von Corelli, Pergolesi und Händel führte. Man kann seinen Stellenwert für das Entstehen eines musikalischen Werkkanons nicht hoch genug ansetzen. Desweiteren ist Pepusch für seine Mitarbeit an der 'Beggar‘s Opera' bekannt, für die er die Ouvertüre sowie einige Generalbasslinien schrieb.

Die Werke, die auf der vorliegenden CD versammelt sind, entstanden wahrscheinlich für Thomas Brittons Konzertserie, die er über seinem kleinen Laden im ausgebauten Dachboden veranstaltete. Britton war Kohlenhändler, der mit viel Energie und Engagement eine der größten Musikaliensammlungen seiner Zeit anlegte. Seine Konzerte waren ein Treffpunkt für alle, die in London Rang und Namen hatten. Man hörte die neuste Musik aus Italien, es gab Speisen und Getränke, und man konnte bequem mit Gleichgesinnten seine Kontakte pflegen. Das Orchester bestand aus Profis und Amateuren, die sich wie Thomas Britton mit Leidenschaft der Musik verschrieben hatten. Der englische Autor Ned Ward beschrieb als Augen- und Ohrenzeuge ihren Enthusiasmus mit den Worten, es handele sich bei den Musikern um eine ‚Harmonious Society of Tickel-Fiddle Gentlemen‘, also eine einträchtige Gesellschaft Fiedel-kitzelnder Herrschaften.

Diese putzige Beschreibung innbrünstiger Musikausübung wählten vor einigen Jahren eine Gruppe junger, hauptsächlich englischer Musiker als Namen ihres neugegründeten Ensembles, dessen Mitglieder das lange vernachlässigte Konzertrepertoire der frühen englischen Musikveranstaltungen wieder kultivieren wollen, um die hohe Qualität der damals aufgeführten Musik aufzuzeigen und zu bewahren. Dank ihres Entdeckersinns bereichern sie die gängigen Konzertprogramme mit spannenden Neuausgrabungen, die das Bild barocker Musikpraxis abrunden und ergänzen.

Im Kontext der Pepusch‘schen Konzerte verlieren die Händelschen Instrumentalwerke zwar nicht an Qualität, jedoch ihren Alleinstellungscharakter, der sie aus einem vermeintlichen Meer an Mittelmaß herauszuheben schien. Pepuschs Musik ist ebenso lebendig und einfallsreich wie die seines Hallenser Kollegen. Die auf der CD dargebotenen Konzerte sind zum Teil Concerti grossi für fünf bis sechs Soloinstrumente, zum Teil Solokonzerte im Stile Vivaldis. So stehen drei Konzerte für Violine, Streicher und Basso continuo auf dem Programm. Den Abschluss bildet die Ouvertüre zur Bühnenmusik von 'Venus and Adonis' in F-Dur.

Das vom Kontrabassisten Robert Rawson geleitete Ensemble spielt Pepuschs Musik mit sehr viel Herzblut. Die Musik wirkt organisch wie aus einem Guss. Ob leicht und beschwingt in den Tanzsätzen oder seelenvoll innig in den Adagio-Sätzen – die Musiker wissen Pepuschs Musik von ihrer besten Seite zu zeigen Tassilo Erhardt übernimmt in den beiden Violinkonzerten in A-Dur und in a-Moll jeweils die Solopartie, die er mit hellem, weichem Ton spielt. Im Konzert für Cello, Fagott, Streicher und Basso continuo in F-Dur liefern sich Kinga Gáborjáni (Cello) und Sally Holman (Fagott) einen packenden musikalischen Wettstreit, der die Vielfalt der Pepuschschen Tonsprache in bunten Facetten funkeln lässt. Der renommierte englische Trompeter Crispian Steele-Perkins gestaltet im Konzert für Trompete, Streicher und Basso continuo in D-Dur den Solopart mit eleganter, farbiger Tongebung. Insgesamt überzeugt die CD mit minutiös ausgearbeiteten Streichersätzen, einer kunstvoll, aber zurückhaltend agierenden Basso continuo-Gruppe sowie durch beiläufige Virtuosität. Die emblematisch auf dem Cover abgebildete Teedose könnte auch ein Schatz- oder Schmuckkästlein sein, denn die Harmonious Society of Tickle-Fiddle Gentlemen hat mit diesen Neu- und Ersteinspielungen einen wahren musikalischen Schatz gehoben, der neugierig auf mehr von Pepusch und dieses wunderbare Ensemble macht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pepusch, Johann Christoph: Concertos and Overtures for London

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ramée
1
01.05.2012
Medium:
EAN:

CD
4250128511094


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Ramée

Das Label RAMÉE wurde im Jahre 2004 von Rainer Arndt gegründet.
In den ersten vier Jahren seiner Existenz hat sich RAMÉE bereits als eine vielbeachtete Marke am CD-Markt der Alten Musik etabliert. Etliche Veröffentlichungen des noch kleinen Katalogs haben das Lob von Fachpresse und Publikum gefunden und sind mit Preisen prämiert worden. Sechs bis acht »handverlesene« Produktionen pro Jahr des Ein-Mann-Betriebes konzentrieren sich vor allem auf selten oder noch nicht eingespielte Literatur der Alten Musik oder auf bekanntere Werke in neuen und ungewöhnlichen Interpretationen.
Dabei werden nicht nur höchste Ansprüche an die Aufnahme selbst gestellt, sondern ebenso an die graphischen und taktilen Eigenschaften der Hülle sowie an die literarische und wissenschaftliche Qualität des Textheftes: RAMÉE-CDs sollen poetische Objekte als Ganzes sein, denn das Vergnügen des Ohres ist untrennbar mit dem des Auges und der Hand verbunden. Eine Edition für anspruchsvolle Liebhaber guter Musik!


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