> > > Dvorak, Antonin: Poetische Stimmungsbilder op. 85
Donnerstag, 27. Juli 2017

Dvorak, Antonin - Poetische Stimmungsbilder op. 85

Geheimnisvoller Zauber


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Claudia Schellenberger interpretiert Dvoráks 'Poetische Stimmungsbilder' op. 85 feinfühlig und lässt darin Liebessehnsüchte und eine Hommage des Komponisten an seine böhmische Heimat aufleuchten.

‚Diesmal bin ich nicht nur absoluter Musiker, sondern Poet.’ So umschrieb Antonín Dvořák seine 'Poetischen Stimmungsbilder' op. 85, seinen umfangreichsten Zyklus lyrischer Charakterstücke. Claudia Schellenberger spielt alle 13 Stücke und erschafft dabei wunderbar perlende Klangbilder, die in Dvořáks romantisch bilder- und stimmungserzeugender Musik eine Liebesgeschichte und gleichzeitig eine große Hommage an seine böhmische Heimat aufleuchten lässt. Claudia Schellenberger intensiviert die vorgegebenen Tempi, nimmt sie in den Wiederholgungen zurück, um emotionale Veränderungen herauszuarbeiten und brilliert mit fein differenziertem Anschlag und einem subtilen Zugang.

Ruhig, ganz zart beginnt Claudia Schellenberger den 'Nächtlichen Weg', in dem sich in einsamer Sehnsucht wilde jugendliche Gefühlswelten auftun. Zwischen flirrenden Staccato-Linien, Tremoli und knapper Melodie entwickelt sie filigrane Bilder des Verliebtseins, entdeckt sie in Antonín Dvořáks Klanglandschaften die Urgefühle zwischen Sehnsucht, Hoffen, stürmender und drängender Lebensfreude. In der 'Tändelei' wird die Zweisamkeit in längeren Melodielinien deutlich und verlangsamt sich in klaren Akkorden 'Auf der alten Burg', wo tiefe Töne das Gefühl verorten. Darüber flirrt kristallklar klangliche Leichtigkeit. In den Wiederholungsschleifen entwickelt sich ein geheimnisvoller Zauber, der immer langsamer noch mehr Spannung aufbaut und hauchzart wie eine Liebkosung ausklingt. Rauschhaft in tieferer Lage begleitet entwickelt die schlichte Melodie des 'Frühlingslieds' in a-Moll verliebtes Hoffen, das in der 'Bauernballade' eine ausgelassene volkstümlich tänzerische Rhythmik bekommt. Die Fröhlichkeit weicht der Melancholie 'Klagender Gedanken', die sich in der Wiederholung durch leicht zurückgenommenes Tempo noch dringlicher darstellen, traurig in die Tiefe abtauchen und doch mit einem zart friedlichen Akkord enden. Umso wilder beginnt 'Furiant', der böhmische Nationaltanz, der sich im Mittelteil rauschhaft auflöst und fröhlich, kraftvoll das Thema wiederholend, endet. Noch wilder wirbelt der 'Koboldtanz', um sich kurzfristig zu beruhigen und schließlich noch lebhafter in hellen kurzen Melodielinien zu tanzen.

In der 'Serenade' beruhigt sich die Stimmung im Wechsel von zart gesetzten Akkorden und dem weichen, sehnsuchtsvollen Spiel der Rechten, das in der Wiederholung ganz mild endet. So wirkt die Bacchanale, ein Trinklied, umso temperamentvoller, ein Rausch im tänzerischen Dreivierteltakt. Mit klarer Akkordstruktur der Linken, prägnant abfallenden, später immer weiter ausgreifenden Skalen ergibt sich eine wunderbarer Disput zwischen klarer Struktur und ungehemmter Rauschhaftigkeit, männlichem und weiblichem Prinzip. In der 'Plauderei' finden beide heiter beschwingt und in Tiefe und Höhe harmonisch ineinander verschlungen zusammen. Unerwartet verändert sich die Stimmung 'Am Heldengrabe', wenn die famos agierende Claudia Schellenberger Dvořáks Trauermarsch-Rhythmen dramatisch, in allen Tonschattierungen der kontrastierenden Emotionen interpretiert und 'Am heiligen Berg' in sehr ruhigem Tempo mit subtilem Spiel transzendent überhöht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Dvorak, Antonin: Poetische Stimmungsbilder op. 85

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
CAvi-music
1
18.05.2012
EAN:

4260085532285


Cover vergössern

CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag CAvi-music:

  • Zur Kritik... Schein und Wahrheit: Diese Aufnahme macht mit frühen Werken von Mátyás Seiber bekannt, die noch in Ungarn entstanden sind. Sie sind von inspiriertem Geist erfüllt, kurzweilig und dicht. Nur leider hört das Vergnügen schon viel zu bald wieder auf. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Tanzrhythmen und Folklore: Gülru Ensari und Herbert Schuch spüren auf ihrer neuen Platte Verbindungen zwischen Brahms, Hindemith, Strawinsky und Manav nach. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Bissig, schroff akzentuiert: Das Armida-Quartett wartet mit einer neuen Perspektive auf Beethoven auf – und stellt ihr einen Blick auf Schostakowitsch zur Seite. Weiter...
    (Gero Schreier, )
blättern

Alle Kritiken von CAvi-music...

Weitere CD-Besprechungen von Michaela Schabel:

blättern

Alle Kritiken von Michaela Schabel...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Kein Akademist: Sam Haywoods Annäherung an diese Klavierwerke von Charles Villiers Stanford ist feinfühlig, aber legt ihren ganz besonderen Reiz doch nicht ganz frei. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... 5000 Liter Wasser: Alexander Ekman setzt sich in seinem ersten abendfüllenden Stück mit Tschaikowskys 'Schwanensee' auseinander. Weiter...
    (Miquel Cabruja, )
  • Zur Kritik... Raffiniert und wirkungsmächtig: JoAnn Fallette und das Buffalo Philharmonic Orchestra erkunden einmal mehr unbekanntes spätromantisches Terrain, diesmal mit Werken von Vitĕzslav Novak. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2017) herunterladen (0 KByte) Class aktuell (2/2017) herunterladen (0 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Giovanni Paolo Colonna: Sacre Lamentazioni della Settimana Santa a voce sola - Prima lamentazione del mercoledì sera

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

 4442 im Portrait Musik ohne Grenzen
Programme abseits der Konventionen beim Festival Printemps des Arts de Monte-Carlo

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich