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Samstag, 21. September 2019

Strauss, Johann - Prinz Methusalem

Der Wiener Offenbach


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dieser mitreißende 'Prinz Methusalem' gibt hoffentlich den Startschuss für eine verdiente Renaissance der repertoirefähigen Operette.

Zwischen seinen Welterfolgen 'Die Fledermaus' und 'Eine Nacht in Venedig' liegt Johann Strauß‘ Operette 'Prinz Methusalem', die im Schatten der großen Genre-Geschwister nahezu untergegangen ist. Johann Strauß war auf der Suche nach einem Stoff, der seine jüngsten Erfolge in Paris fortsetzen konnte, ohne ein Plagiat eines französischen Librettos zu sein. Als mit 'Prinz Methusalem' ein vielversprechender Text gefunden war, komponierte er seine neue Operette zunächst in französischer Sprache, um sie aber in einer deutschen Version zu vollenden.

Beim Hören von 'Prinz Methusalem' ist die Verwandtschaft zur französischen Operettenlandschaft eines Jacques Offenbach ohrenfällig. Die Texte sind herrlich chaotisch, der Spaß am Unsinn sprüht aus allen Poren und die komödiantisch politische Komponente fehlt auch nicht. Wo Champagnerlaune auf Rachegelüste trifft, wird der Krieg salonfähig und das alles im wilden Taumel Strauß’scher Walzermelodien und mitreißender Märsche. Eine gelungenere Verbrüderung zwischen der Wiener und der Pariser Operette hätte man sich 1877 nicht vorstellen können.

Schade, dass der 'Prinz Methusalem' – der im übrigen nichts mit dem biblischen Greis zu tun hat, sondern dessen Name für die Titelfigur vielmehr symbolischen Wert besitzt – so selten bis gar nie auf den Spielplänen zu finden ist. Es gab immer wieder einmal Wiederbelebungsversuche in den 1980er Jahren, die aber folgenlos blieben, und auch die Einspielung des zauberhaften Duetts 'Holde Nacht, verweile' mit Anneliese Rothenberger und Marco Bakker hat damals das Interesse an der phantasievollen und inspirierten Musik von Johann Strauß nicht nachhaltig geweckt.

Überschäumende Musik und dankbares Libretto

Die Staatsoperette Dresden hat es sich schon seit einigen Jahren zur Aufgabe gemacht unbekannte Strauß-Operetten zur Aufführung zu bringen, und im Jahr 2010 trat das Ensemble der Staatsoperette zur Ehrenrettung des 'Prinz Methusalem' an. Nun ist nicht wirklich jede Strauß-Operette ein verborgener Schatz, wie man an jüngeren Ausgrabungen wie 'Die Göttin der Vernunft' sehen kann, aber der 'Prinz Methusalem' verdient erhöhte Aufmerksamkeit, nicht nur aufgrund der großartigen Musik, sondern auch wegen seines dankbaren Librettos. Dieses wurde für die Dresdner Aufführung von Peter Ensikat behutsam neu eingerichtet und leicht aktualisiert, was dem Charme der Operette keinen Abbruch getan hat, wenngleich die Notwendigkeit in Frage gestellt werden darf. Beim Label cpo ist die französisch parfümierte Operette nun auf zwei CDs herausgekommen, in einem differenzierten Klangbild unter der schwungvollen musikalischen Leitung von Ernst Theis und mit wunderbaren Solisten, die größtenteils ihr Operettenhandwerk verstehen.

Allen voran seien die beiden Sängerinnen der Hauptpartien genannt: Jana Frey in der Hosenrolle des Methusalem und Jessica Glatte als Pulcinella. Bei diesen beiden Künstlerinnen stimmt einfach alles. Wo Jana Frey mit berückend warmer Mezzostimme für eine sinnliche Gestaltung und manchmal schon liedhafte Beseeltheit sorgt, perlt der Sopran von Jessica Glatte mit Charme und silbriger Tongebung durch Strauß‘ Musik, dass es eine Wonne ist. Beide Sängerinnen verfügen zudem über eine ausnehmend klare Artikulation und ihre Stimmen verschmelzen in den Duetten auf berückende Art und Weise. In Kombination mit Ernst Theis‘ feinsinniger und sensibler Lesart werden die Duette des zweiten und dritten Akt zu musikalischen Höhepunkten voll knisternder Erotik. Wie sinnfällig die Besetzung des Methusalem mit einem Mezzosopran ist – eine Mode der damaligen Zeit, wie z. B. auch in Suppés 'Boccaccio' –, erschließt sich beim Hören der beiden Bonustracks. Die beiden letzten Duette zwischen Pulcinella und Methusalem sind hier in der späteren Version für Bariton und Sopran eingespielt. Und obwohl Christian Grygas und Isabell Schmitt sich stilistisch wacker schlagen, entwickelt diese Variante nicht auch nur den Hauch der gleichen Spannung wie zwischen Frey und Glatte.

In den übrigen Rollen stechen besonders Frank Ernst als sprachgewandter König Sigismund, Gerd Wiemer als solider Cyprian und Inka Lange als markante Sophistika hervor. Die Tenöre Andreas Sauerzapf und Frank Oberüber bestechen nun nicht gerade mit sprühendem Operettencharme, führen aber gemeinsam mit Elmar Andrée als Vulcanio, Marcus Günzel und Hans-Jürgen Wiese das Rachequintett im zweiten Akt zu effektvoller Größe. Ernst Theis schält am Pult des Orchesters der Staatsoperette Dresden mit weichem Streicherklang, glänzenden Blechbläsern und der nötigen Raffinesse die Schönheiten der Partitur liebevoll heraus, ohne in routiniertes Handwerk zu verfallen.

Bei soviel musikalischem Feuer und idiomatischer Gestaltung, kann man auch die – wie so oft – steifen und überartikulierten Dialogpassagen verschmerzen, die weder komisch noch stilistisch annehmbar sind. Dieser ansonsten mitreißende 'Prinz Methusalem' gibt hoffentlich den Startschuss für eine verdiente Renaissance der repertoirefähigen Operette.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Johann: Prinz Methusalem

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
2
20.04.2012
Medium:
EAN:

CD
761203774722


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Strauß, jun., Johann
 - Ouverture -
 - Erster Akt - Nr. 1 Introduktion und Chor
 - Erster Akt - Dialog
 - Erster Akt - Nr. 2 Chor und Arie
 - Erster Akt - Dialog
 - Erster Akt - Nr. 3 Arietta
 - Erster Akt - Dialog
 - Erster Akt - Nr. 4 Chor, Ensembles und Couplets
 - Erster Akt - Dialog
 - Erster Akt - Nr. 5 Duett
 - Erster Akt - Dialog
 - Erster Akt - Nr. 6 Ensemble


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Dirigent(en):Theis, Ernst
Orchester/Ensemble:Orchester der Staatsoperette Dresden
Interpret(en):Theis, Ernst


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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