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Dienstag, 10. Dezember 2019

Bach, Johann Sebastian - Messe in h-Moll

Herausforderung gemeistert


Label/Verlag: Spektral
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der Kammerchor Consono und das Rheinische Barockorchester zeigen mit dieser Aufnahme, dass Bachs h-oll-Messe auch nach über 250 Jahren noch keinen Staub angesetzt hat. Bei ausgewogenem und homogenem Stimmklang bleibt die Interpretation zu jedem Zeitpunkt lebendig und ausdrucksstark.

Eines der bekanntesten und anspruchsvollsten Werke der klassischen Konzertliteratur zu erarbeiten und dem Publikum so zu präsentieren, dass es trotz der hohen Aufführungsrate nicht langweilig klingt, gehört zu den größten Herausforderungen für ein Ensemble. Aufgrund der zahllosen Vergleichsmöglichkeiten und dem hohen Bekanntheitsgrad erscheint die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach als besonders heikles Werk. Im schlimmsten Fall ist die Reaktion ein mitleidiges Belächeln und das vernichtende Urteil, mit diesem Stück habe sich der Dirigent wohl etwas zu viel vorgenommen – eine gelungene Interpretation jedoch kann dafür sorgen, dass das Werk dem Chor in seiner weiteren Laufbahn als Visitenkarte dient. Schon nach dem ersten Hören der vorliegenden Einspielung, die den Mitschnitt eines Konzerts vom Mai 2011 darstellt und 2012 bei dem Label Spektral Records erschienen ist, wird klar, dass alle beteiligten Musiker – der Kammerchor Consono, das Rheinische Barockorchester und die SolistInnen Meike Leluschko (Sopran), Franz Vitzthum (Alt), Ulrich Cordes (Tenor) und Lucas Singer (Bass) unter der Gesamtleitung von Harald Jers – die Herausforderung souverän gemeistert haben.

Überzeugende Darstellung verschiedenster musikalischer Charaktere         

Besonders faszinierend an der vorliegenden Einspielung ist das Talent des Dirigenten, die Stimmungswechsel dieses gewaltigen Werkes so pointiert zu gestalten, dass auch ein Hörer, der die Messe bereits gut kennt, sich an der Vielfalt freuen kann, die hier auf ihn einströmt. Das Phänomen der klangfarblichen Wechsel zwischen melancholisch-dunklen und prachtvoll-strahlenden Abschnitten zeigt sich schon, wenn nach dem klagend-flehenden 'Kyrie'-Ruf erstmalig die Trompeten und Pauken im 'Gloria' einen völlig anderen Charakter einläuten und den Aspekt des Feierlichen, Triumphalen einfließen lassen, der auch an späteren Stellen so charakteristisch sein wird. Noch deutlicher und überraschender ist der Stimmungsumschwung, wenn der Chor mit den Worten 'Cum sancto spiritu' dem Bass in seiner Arie 'Quoniam tu solus sanctus' geradezu ins Wort fällt, um mit überschwänglicher Energie und Freude ein Lob Gottes anzustimmen.

Saubere Ausführung und transparente Mehrstimmigkeit               

Was die Musik Bachs – und die Chormusik im Besonderen – so schwierig macht, ist vor allem die saubere Ausführung der polyphonen Stimmführung. Dem Kammerchor Consono und dem Rheinischen Barockorchester gelingt es, diese charakteristische Vielstimmigkeit souverän umzusetzen und dem Zuhörer die Musik wie ein kunstvoll verziertes Mosaik zu präsentieren, in dem jedes kleinste Steinchen erkennbar bleibt. So kompliziert die Musik im Inneren auch zweifellos ist – sämtliche Ausführenden sind stets darum bemüht, sie dem Zuhörer so verständlich und klar wie möglich zu präsentieren. Dies wird nicht nur anhand des stilistisch angemessen schlanken Stimmklangs der Solisten deutlich, sondern auch an der fein nuancierten Artikulation und den ausbalancierten dynamischen Abstufungen, die stets auf den textlichen Inhalt abgestimmt sind, so dass Wort und Klang zu einer Einheit verschmelzen.

Zusatzinfos für musikwissenschaftlich Interessierte

Als besondere Zugabe enthält die CD ein ausführliches Booklet, das in zweisprachiger Ausführung vorliegt und dem interessierten Leser nicht nur grundsätzliche Informationen liefert, sondern auch musikwissenschaftliche Hintergrundkenntnisse vermittelt, die ihm dabei helfen, das Werk besser zu verstehen. So wird jeder einzelne Satz der Messe kurz musikalisch erläutert und inhaltlich in den entsprechenden Kontext eingeordnet. Auf diese Weise erhält der Leser nicht nur einen Eindruck davon, wie kunstvoll Bach die Worte musikalisch ausgedrückt hat, sondern entdeckt auch stiltypische Klangcharakteristika im Hinblick auf den Wort-Ton-Bezug, die er möglicherweise in anderen Werken von Bach bzw. seinen Zeitgenossen wiedererkennen kann.

Für jemanden, der sich eine Einspielung der h-Moll-Messe für seine CD-Sammlung anschaffen möchte, wird die Wahl dank der zahllosen Aufnahmen letztlich schwer bleiben. Mit dem Kauf der vorliegenden Interpretation ist er aber in jedem Fall gut beraten.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bach, Johann Sebastian: Messe in h-Moll

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spektral
2
01.03.2012
Medium:
EAN:

CD
4260130381004


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Spektral

S P E K T R A L :: Label für Musik und Medien :: wurde 2006 gegründet. Kreative Ideen und dynamische Strukturen sind die Basis des jungen Teams für innovative Projekte und Musikveröffentlichungen in den Bereichen CLASSICS, MODERN und HÖRART.

Die Begeisterung, hervorragende Musik in ihrer großen Vielfalt und Bandbreite einem interessierten Publikum zugänglich zu machen, ist das zentrale Anliegen, dem sich SPEKTRAL mit allen Sinnen und Liebe zum Detail verschrieben hat. Die Qualität der Künstler und ihrer Musik sind dabei oberstes Gebot. Damit wurde das Label innerhalb kürzester Zeit zu einer begehrten Adresse bei Musikern aus ganz Europa und Musikhörern in der ganzen Welt. Junge Künstlerpersönlichkeiten präsentieren sich ebenso mit ihren außergewöhnlichen CD-Produktionen wie renommierte Interpreten von internationalem Rang. So entstanden z.B. bereits Alben mit dem Bariton Franz Grundheber, dem Flötisten Jürgen Franz, Wolfgang Seifen (Orgel), dem ensemble cantissimo, dem Deutschen Saxophon Ensemble, oder dem Barockorchester L'Arpa Festante. Die Musik des 20. und des 21. Jahrhunderts bildet einen weiteren Schwerpunkt beispielsweise in der Reihe GRENZENLOS mit Kompositionen interkultureller Musikprojekte.

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