> > > Chailly, Riccardo & Berliner Philharmoniker: Fellini, Jazz & Co.
Dienstag, 14. Juli 2020

Chailly, Riccardo & Berliner Philharmoniker - Fellini, Jazz & Co.

Leichtes und Seichtes


Label/Verlag: EuroArts
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Beim Berliner Waldbühnen-Konzert 2011 übertrumpft das Orchester die Komponisten.

Das Waldbühnen-Konzert 2011 der Berliner Philharmoniker bot ein Programm mit eingängiger europäischer Musik der Moderne: Dmitri Schostakowitschs 'Suite für Varieté-Orchester' (vulgo ‚Suite für Jazzorchester‘ Nr. 2), Nino Rotas Ballet-Suite zu Fellinis ‚La strada‘ sowie Ottorino Respighis 'Fontane di Roma' und 'Pini di Roma'. Den Taktstock führte Riccardo Chailly. Die Berliner Philharmoniker erbrachten eine ansprechende Leistung.

Schostakowitschs 'Suite für Varieté-Orchester' ist zu einiger Bekanntheit gelangt – durch Stanley Kubricks ‚Eyes Wide Shut‘, jene trotz Tom Cruise und Nicole Kidman sehenswerte Adaption der ‚Traumnovelle‘ Arthur Schnitzlers. Das Ehedrama wurde mit dem Walzer II der 'Varieté-Suite' unterlegt – in einer Aufnahme Riccardo Chaillys, der dem Ohrwurm im Waldbühnen-Konzert eine kultivierte, verhaltene Darstellung angedeihen ließ. Die Nahtstellen des Themas wurden – selbst von Posaunen – sensibel ausartikuliert, Begleitfiguren scharf, doch ohne Aggression geboten. Die Streicherchöre phrasierten mit Feinsinn. Man widerstand der Versuchung, die melancholisch ‚slawische‘ Tönung des Walzers über Gebühr hervorzukehren. Es gelang die Ehrenrettung eines genialen Stücks Musik, das den Verwertungsroutinen der Popkultur anheimgefallen ist.

Auch die übrigen Nummern gefielen, darunter der 'Lyrische Walzer', die 'Kleine Polka', der 'Marsch'. Im charakteristischen Wechsel von elegantem Taktieren und erratischen Einzelimpulsen animierte Chailly das Orchester zu behändem, launigem Spiel. Die Philharmoniker klangen heller und leichter als sonst, häufige Pianostrecken bewiesen, dass Publikumsanmache und Effekthascherei nicht beabsichtigt waren. Auch der toxische Anteil Schostakowitschs wurde nicht übertrieben. Man musizierte genau, aber gelassen.

Einige Dirigenten unserer Tage, darunter Riccardo Muti und Chailly, verwenden sich für das Schaffen Nino Rotas, des Filmkomponisten Fellinis. Trotz mancher Konzerte und Messen ist Rota, zumindest in Deutschland, Anerkennung als Schöpfer absoluter Musik versagt geblieben. Ob dies bedauert werden muss, steht dahin. Die Ballett-Suite zu ‚La strada‘ mag einprägsame Melodien enthalten und verschiedenartige Ausdrucksformen intelligent kombinieren – für sich genommen kann sie nicht bestehen. Die Verlaufsform erschließt sich erst aus szenischer oder tänzerischer Aktion. Ein musikalischer Zusammenhang ist nicht zu erkennen. Wie sich Chailly samt Orchester Rotas Bildfindungen anschmiegte, mit klanglicher Phantasie und dramatischer Vergegenwärtigungskraft, ist freilich höchst respektabel. Mehr kann man nicht tun. Ob es ausreicht, Rota im Repertoire zu verankern, bleibt offen.

Über Respighis 'Pini' und 'Fontane di Roma' gehen die Meinungen auseinander. Mit thematischer Arbeit und Ausdrucksgenauigkeit nehmen diese Kompositionen nicht ein. Sie bestechen mit klanglichen Räuschen. Diesen blieben die Berliner Philharmoniker nichts schuldig. Die Palette der Orchesterfarben wurde suggestiv aufgefächert. Langeweile kam nicht auf – trotz Respighis gefürchteter Redseligkeit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Regie:






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Bisherige Kommentare zu diesem Artikel

  1. Bewertungsroutinen der "Hochkultur"
    Mich persönlich würde ja mal interessieren, wozu Schostakowitschs Varieté-Walzer II eigentliche eine "Ehrenrettung" benötigt. Vielleicht, um aus den Abgründen der bösen Popkultur errettet zu werden? Ich würde aber auch sagen, dass grundsätzlich jede Musik fragwürdig ist, die nicht so komponiert ist wie Brahmshoven, besonders wenn es sich um "südliche" handelt.

    Berglinger, 09.10.2012, 12:16 Uhr
    Registriert seit: 04.12.2006

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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Chailly, Riccardo & Berliner Philharmoniker: Fellini, Jazz & Co.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
EuroArts
1
20.02.2012
Medium:
EAN:

DVD
880242584083


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EuroArts

EuroArts Music International ist im Bereich audio-visueller Klassikproduktionen eine der weltweit führenden Produktions- und Distributionsfirmen. Das 1979 gegründete Unternehmen produziert jährlich 10-15 hochwertige Klassik-Programme – darunter Konzertaufzeichnungen in aller Welt sowie aufwändige Dokumentationen.

Renommierte, preisgekrönte Programme und Events haben EuroArts Music zu einem exzellenten internationalen Ruf verholfen. Eine intensive und langjährige Partnerschaft verbindet EuroArts Music mit führenden Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern, dem Mariinsky Theater Orchester, dem Lucerne Festival Orchestra, der Staatskapelle Berlin, dem Gewandhausorchester Leipzig und vielen anderen.

Die alljährlichen Aufzeichnungen des EUROPAKONZERTs, des Waldbühnen- und Silvester-Konzerts der Berliner Philharmoniker sind erfolgreiche und weltweit etablierte Musikprojekte von EuroArts Music. Im August 2005 produzierte und übertrug EuroArts Music live das weltweit beachtete Ramallah-Konzert des West-Eastern Divan Orchestra unter Daniel Barenboim. Im Januar 2006 produzierte EuroArts Music die erste Klassik-Live-Übertragung von Peking nach Europa (u.a. mit Lang Lang). Die weltweit einmaligen Musik-TV-Formate 24hoursBach und 24hoursMozart wurden zu zwei international erfolgreichen Musikevents dieses Unternehmens.

In 2012 wurde ein kompletter Prokofiev-Zyklus mit sämtlichen Sinfonien und Klavierkonzerten aufgezeichnet.

Seit vielen Jahren verbindet EuroArts Music eine enge Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlern wie Daniel Barenboim, Sir Simon Rattle, Valery Gergiev, Claudio Abbado, Martha Argerich, Yuja Wang und András Schiff sowie renommierten Regisseuren Bruno Monsaingeon, Frank Scheffer und Peter Rosen. Das Ergebnis sind Gesamtaufnahmen wie „The Beethoven Symphonies“ (Abbado/Berliner Philharmoniker) und preisgekrönte Dokumentationen wie Claudio Abbado – Hearing the Silence“ oder „Multiple Identities – Encounters with Daniel Barenboim“. 2006 wurde die EuroArts Music Produktion „Knowledge is the Beginning“ mit dem International Emmy Award (Arts Programming) ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm wurde 2007 mit weiteren Preisen geehrt, darunter der FIPA D'OR Grand Prize 2007 (Kategorie „Performing Arts”) sowie als „Best Arts Documentary„ bei dem renommierten 2007 Banff World Television Festival.

Innovation und Qualität bildeten von Anfang an die Grundpfeiler der Firma. Zahlreiche internationale Auszeichnungen bestätigen dies, darunter:

Oscar® für die Koproduktion von „Journey of Hope”

Grammy Award für „Kurt Weill’s: Rise and Fall of the City of Mahagonny”

Emmy Award und ECHO Klassik für „Knowledge is the Beginning”

2 weitere ECHOs für „A Surprise in Texas” (ECHO Klassik) und

„Django Reinhardt- Three-fingered Lighnting” (ECHO Jazz)

Peabody Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

National Education Award (USA) für „Sir Peter Ustinov: Celebrating Haydn”

 

Sowie folgende Nominierungen:

 

Emmy Award für „Robbie Robertson”

Rocky und Grammy Award für „Blue Note – A Story of Modern Jazz”

 

Der Katalog von EuroArts Music umfasst rund 1.800 Musikprogramme, darunter gehören neben EuroArts Eigenproduktionen auch Programme von zahlreichen unabhängigen Produktionsfirmen.
Das in Berlin ansässige Unternehmen vertreibt seine Programme weltweit selbst. EuroArts Music gehört auch im Vertrieb von audio-visuellen Musikproduktionen (TV und DVD/Blu-ray) zu den weltweit führenden Distributoren.

Viele eigene Produktionen werden weltweit auf dem eigenen Label EuroArts als DVD und Blu-ray, sowie als digitales Produkt vermarktet.

Seit 2016 werden die physischen Produkte durch Warner Music vertrieben.


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