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Montag, 18. Oktober 2021

McCabe, John - Kammermusik Fauvel's Rondeaux

Mit Autorität


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der englische Komponist John McCabe wird hier mit Kammermusikwerken vorgestellt.

John McCabe ist ein Komponist, der mitten im Leben steht. Seit 1997 hat der 1939 in der Nähe von Liverpool Gebürtige einen Internetauftritt, er beherrscht Computer-Notensatz – kurz, er ist stets am Puls der Zeit, und gleich wo man sich in England auf wichtigen Veranstaltungen aufhält, er ist schon da. Lange Zeit war John McCabe nicht nur als Komponist aktiv; er hat sich auch als Pianist (u. a. sämtlicher Klaviersonaten Joseph Haydns) und im akademischen Bereich (u. a. sieben Jahre als Leiter des London College of Music) profiliert. Wie Harrison Birtwistle, Alexander Goehr und Peter Maxwell Davies studierte er am Royal Manchester (heute Northern) College of Music und vervollständigte seine Studien dann an der Münchner Hochschule für Musik, wo er die Musik Karl Amadeus Hartmanns kennenlernte. Zu seinen ersten Erfolgen gehörten 'Variations on a theme by Karl Amadeus Hartmann' für Orchester, 'Notturni ed Alba' für Sopran und Orchester und 'Chagall Windows', ebenfalls für Orchester. Seither hat er (die große Oper ausgenommen) in jedem Genre wichtige Kompositionen geschaffen, viele von ihnen liegen (wie man McCabes Website entnehmen kann) auch auf CD vor.

Nun also Kammermusik mit Klarinette aus einem Zeitrahmen von fast fünfzig Jahren. Vom Beginn seiner Karriere, aus dem Jahr 1964 (revidiert 1966) stammt 'Movements' für Klarinette, Violine und Violoncello. Das siebensätzige Werk ist von insgesamt palindromartiger Struktur, mit einem zentralen 'Adagio' und zwei 'Lento'-Ecksätzen. McCabes Stil ist von einer klaren freien Atonalität, die Stimmung eher divertimentoartig denn intellektuell transzendiert. 1969 entstand die Sonate für Klarinette, Cello und Klavier, ‚Sonate‘ genannt, weil die Behandlung des thematischen Materials weniger dialogisch denn aus der Natur der einzelnen Instrumente abgeleitet und durch diese miteinander verbunden ist. Nähe und Entfernung (besonders Entfernung) ist für das Konzept der Musik von besonderer Bedeutung, mit poetischen und kraftvollen Momenten für alle drei Instrumente. 'Fauvel’s Rondeaux' für Klarinette, Violine und Klavier, eine Art Nebenprodukt zu dem 1995 entstandenen Ballett 'Edward II' (es erlebt hier bereits seine zweite CD-Einspielung), bezeichnet McCabe in seinen sehr erhellenden Booklet-Informationen als ein gigantisches Rondo, in dem die Eröffnungsmusik als Ritornellmaterial genutzt wird und die Episoden nicht als Kontrast sondern als zentrale Substanz der Musik zu verstehen sind. Wie dreißig Jahre zuvor ist McCabes Komposition klug disponierend, doch nie expressive Aspekte in die zweite Reihe rückend; im Gegenteil ist der im Ballett vorgegebene Spannungsbogen hier auf ganz eigene Weise weitererkundet. Die jüngste Komposition ist das Klarinettenquintett 'La Donna' (2010-11), weniger als einen Monat vor der CD-Einspielung am Royal Northern College of Music durch die Interpreten auf dieser CD uraufgeführt, eine ungemein dichte, spannungsvolle ebenfalls einsätzige Komposition.

Womit auf die Autorität dieser CD-Einspielung zu kommen wäre. John McCabe hat für die CD die ‚musical supervision‘ übernommen und so können wir davon ausgehen, dass, was wir hier hören, dem entspricht, was der Komponist intendierte. Da auch die Bookletnotizen auf den Komponisten zurückgehen, haben wir hier eine Produktion, die runder nicht sein könnte. Die Klarinettistin Linda Merrick bietet zusammen mit ihren Partnern Aaron Shorr (Klavier) sowie dem Kreutzer Quartett (Peter Sheppard Skærved, Mihailo Trandafilovski, Morgan Goff und Neil Hyde), als Ensemble oder als Einzelmusikern überzeugendste Interpretationen, auch wenn ich gestehen muss, dass mich 'Fauvel’s Rondeaux' in der 2002 entstandenen Einspielung mit der Fibonacci Sequence (Dutton) noch einen Hauch mehr überzeugt – vielleicht weil das Werk hier noch spannungsvoller, noch dichter musiziert wurde als jetzt in Manchester. Doch sind das Beckmessereien auf allerhöchstem Niveau.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    McCabe, John: Kammermusik Fauvel's Rondeaux

Label:
Anzahl Medien:
Guild
1
Medium:
EAN:

CD
795754736922


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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