> > > Vasks, Peteris: Vox Amoris - Werke für Violine und Streichorchester
Freitag, 7. August 2020

Vasks, Peteris - Vox Amoris - Werke für Violine und Streichorchester

Bedrohte Schönheit


Label/Verlag: WERGO
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Pēteris Vasks' Violinkonzert 'Fernes Licht' wurde bereits mehrmals eingespielt. Vorliegende Aufnahme übertrifft die bisher erhältlichen indes durch eine ebenso innige wie farbenreiche Gestaltung des Soloparts durch Alina Pogostkina.

Dass ein Werk eines zeitgenössischen Komponisten mittlerweile in drei Aufnahmen vorliegt, darf als beachtenswerte Ausnahme gelten. Handelt es sich dabei um drei hochkarätige Einspielungen, ist das umso erfreulicher. Das Werk, um das es geht, ist das Violinkonzert 'Tālā gaisma' (Fernes Licht, 1996/97) des lettischen Komponisten Pēteris Vasks (geb. 1946). Zwei skandinavische Labels, BIS und Ondine, widmeten sich – je kombiniert mit anderen Werken von Vasks – diesem für Gidon Kremer komponierten einsätzigen Violinkonzert mit großem Erfolg. Mit der nun bei Wergo erschienenen Aufnahme liegt jedoch eine Werksicht vor, die beide bisher erhältlichen übertrifft. Das liegt zuvorderst an der jungen russischen Geigerin Alina Pogostkina, die nicht nur mit einem glutvollen, ungemein farbigen und doch gleichzeitig reinen, strahlenden Ton bezaubert. Entscheidende Anteile am Gelingen steuert auch die Sinfonietta Rīga unter der Leitung des finnischen Dirigenten Juha Kangas bei, einem für höchste Leidenschaft und minutiöse Differenzierung des Klangs einstehenden Orchesterleiter.

Zusammengestellt sind hier drei zwischen 1996 und 2009 entstandene Werke für dieselbe Besetzung: Solovioline und Streichorchester. Neben dem Violinkonzert 'Fernes Licht' sind die Fantasie für Violine und Streicher 'Vox Amoris' (2008/09) und 'Vientuļais eņģelis' (Einsamer Engel, 1999/2006), die orchestrale Ausarbeitung des letzten Satzes von Vasks Viertem Streichquartett, zu hören. Alle drei Werke sind von Vasks’ individueller kompositorischer Sprache geprägt: melodische Schönheit in schier unendlich weit ausgreifenden, ruhigen Kantabile-Linien, die nicht nur der Solovioline zugedacht sind, sondern auch vom Orchester fortgeführt werden; Momente dramatischer Ballungen, in denen sich Stimmen dissonant übereinander lagern und sich rhythmisch verbeißen; Glissandi, die manchmal dem hoffnungsvoll-ruhigen Gesang die notwendige Körnigkeit geben, manchmal aber auch die latente und schließlich hereinbrechende Bedrohung ankündigen.

Das letzte Stück, 'Einsamer Engel', im Unterteil bezeichnet als Meditation für Violine und Streichorchester, ist frei von solcher Bedrohung. Hier kann sich die Solovioline ungestört in höchste Höhen aufschwingen, während im Orchester ein zuversichtlicher Choral antwortet. In 'Vox amoris' sowie dem Violinkonzert 'Fernes Licht' werden Passagen inniger, mit langem Atem gesungener instrumentaler Kantilenen durch intensive Spannungsmomente unterbrochen, die – als Solokadenzen die Werke strukturierend – der Solistin zugleich die Möglichkeit verschaffen, ihre technische Virtuosität sowie ihre Fähigkeit zu dramaturgisch fesselnder Klangfarbenregie unter Beweis zu stellen. Trotz des durchaus ähnlichen Aufbaus kann das Violinkonzert durch die etwas schlüssigere Entwicklung der Konfliktmomente noch mehr für sich einnehmen.

Alina Pogostkina nähert sich dieser Musik mit hörbarer Hingabe und lotet die Tiefe dieser Musik mit einem ungeheuren Sinn für Klangnuancen auf hoch spannende Weise aus. Ihr Spiel mit dynamischen Schattierungen schreibt den ruhig schwingenden Kantilenen manche Oberflächenkräuselung ein, die dieser Musik unbedingt guttut und die Ausdrucksdimensionen erweitert. Wie Alina Pogostkina mit einem kleinen dynamischen Akzent, einer leichten Drehung der Klangfarbe ins Hellere und Dunklere Spannungsmomente freisetzt, ist faszinierend. Juha Kangas führt die Streicher der Sinfonietta Rīga zu einem ruhig pulsierenden Vortrag, der einen dichten Klangteppich für die ausgezeichnete Solistin webt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Vasks, Peteris: Vox Amoris - Werke für Violine und Streichorchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
WERGO
1
02.04.2012
68:42
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4010228675023
WER 67502


Cover vergössern

WERGO

Als 1962 die erste Veröffentlichung des Labels WERGO erschien - Schönbergs "Pierrot lunaire" mit der Domaine musicale unter Pierre Boulez -, war dies ein Wagnis, dessen Ausgang nicht abzusehen war. Werner Goldschmidt, ein Kunsthistoriker, Sammler und Enthusiast im besten Sinne, war es, der - gemeinsam mit dem Musikwissenschaftler Helmut Kirchmayer - den Grundstein zu dem Label legte, das seit inzwischen 50 Jahren zu den führenden Labels mit Musik unserer Zeit zählt.
Noch immer hält WERGO am Anspruch, unter den Goldschmidt seine "studioreihe neue musik" gestellt hatte, fest: die hörende wie lesende Beschäftigung mit der neuen Musik anzuregen und in Produktionen herausragender InterpretInnen und von FachautorInnen verfassten ausführlichen Werkkommentaren zu dokumentieren.
Auf mehr als 30 Schallplatten kam die Reihe mit roter und schwarzer Schrift auf weißem Cover, dann wurde die Unternehmung zu groß für einen Einzelnen. Seit 1967 engagierte sich der Musikverlag Schott zunehmend für das Label, 1970 schließlich nahm Schott das Label ganz in seine Obhut. Seither wurden mehr als 600 Produktionen veröffentlicht, die ungezählte Preise erhalten haben und ein bedeutendes Archiv der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts darstellen.
Kaum einer der arrivierten zeitgenössischen Komponisten fehlt im Katalog. Ergänzt wird dieser Katalog seit 1986 durch die inzwischen auf über 80 Porträt-CDs angewachsene "Edition Zeitgenössische Musik" des Deutschen Musikrats, die mit Werken junger deutscher KomponistInnen bekannt macht. Neben dieser Zusammenarbeit bestehen Kooperationen mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe ("Edition ZKM") und dem Studio für Akustische Kunst des Westdeutschen Rundfunks ("Ars Acustica"). Im Bereich "Weltmusik" kooperiert WERGO eng mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt und der Abteilung Musik des Ethnologischen Museums Berlin. Die "Jewish Music Series" stellt die vielfältigen Musiktraditionen der jüdischen Bevölkerungen der Kontinente in ihrer ganzen Bandbreite vor. Zahlreiche Veröffentlichungen mit Computermusik sind in der Reihe "Digital Music Digital" erschienen. Neue Editionen wie die legendäre "Contemporary Sound Series" des Komponisten Earle Brown oder die des Ensembles musikFabrik kamen in den vergangenen Jahren hinzu.
Die Diversifizierung, die das Programm von WERGO seit seiner Gründung erfahren hat, ist der Weitung des zeitgenössischen musikalischen Bewusstseins ebenso geschuldet wie sie zu dieser stets beitrug - eine Aufgabe, der sich WERGO auch in Zukunft verpflichtet fühlt.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...
Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag WERGO:

  • Zur Kritik... Anspruchsvolles Tonexperiment: Michel Roth geht in seiner Komposition 'Im Bau' Kafka auf den Grund. Weiter...
    (Michaela Schabel, )
  • Zur Kritik... Überschäumend: Monica Gutman widmet sich Klavierkompositionen des Dadaisten Erwin Schulhoff. Weiter...
    (Michael Pitz-Grewenig, )
  • Zur Kritik... Klangbaden: Sehr feine, subtile Klangräume zeichnen ein spirituelles Programm, das unmittelbar ansprechend ist. Weiter...
    (Prof. Dr. Michael Bordt, )
blättern

Alle Kritiken von WERGO...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Tobias Pfleger:

  • Zur Kritik... Tiefe persönliche Betroffenheit: Das Atos Trio nimmt mit einer glühend intensiven Aufnahme zweier tschechischer Klaviertrio-Meisterwerke für sich ein. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Durchdringung: Das Wiener Klaviertrio eröffnete mit gewohnter Klasse eine neue Reihe der Brahms-Klaviertrios. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Geist der Vergangenheit: Masaaki Suzuki nähert sich Strawinskys Neoklassizismus im Geist der Alten Musik. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Tobias Pfleger...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Virtuose Höhenflüge: Michael Korstick unterstreicht seine hohe Liszt-Kompetenz. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Neuer 'Ring' vom Rhein: Dieses klangschöne und lebendige 'Rheingold' macht Laune und lässt die Vorfreude auf die weiteren drei Veröffentlichungen größer werden. Weiter...
    (Benjamin Künzel, )
  • Zur Kritik... Kroatische Musiktragödie: Die kroatische Nationaloper 'Nikola Subic-Zrinjski' entfaltet auch außerhalb des Landes ihre musikalische Wirkung. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/8 2020) herunterladen (3000 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Ivan Zajc: Nikola Subic Zrinjski

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Edlira Priftuli im Portrait "Musikalisch praktizierte Ökumene"
Edlira Priftuli hat den Straßburger Wilhelmerchor zur historisch informierten Aufführungspraxis geführt

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich