> > > Slavonic Dances: Tschechische Musik von Dvorak, Fibich u.a.
Montag, 18. Juni 2018

Slavonic Dances - Tschechische Musik von Dvorak, Fibich u.a.

Prager Spiele


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Klavierduo Danhel-Kolb bringt auf seiner in diesem Frühjahr neu erschienenen Debüt-CD bei Genuin Classics Prager Komponisten aus zwei Jahrhunderten zu Gehör, darunter auch eine noch nie aufgenommene Komposition von Ilja Hurnik.

Künstlerehen können im wahrsten Sinne harmonisch verlaufen. Beweis hierfür ist das Klavierduo Danhel-Kolb, das sich vor etlichen Jahren sowohl privat als auch musikalisch gefunden hat. Die beiden Pianisten haben sich, neben solistischer und begleitender Tätigkeiten, vor allem dem vierhändigen Klavierspiel verschrieben, ein Schwerpunkt, den sie auch in Kursen für Kinder und Jugendliche weiter vermitteln. Die erste CD des Duos widmet sich Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts, die alle aus Prag, der Heimat der gebürtigen Tschechin Romana Danhel-Kolb, stammen und dort gewirkt haben.

Begonnen wird mit dem ‚Urvater‘ tschechischer Komposition, Antonin Dvořák. Seine Slawischen Tänze op. 46 sind insbesondere deswegen so reizvoll, weil sie sowohl lyrisch-ausdrucksvolle als auch pompöse Passagen enthalten. Diese klangliche Ausdifferenzierung, die Dvořák der Musik einschrieb, setzt das Klavierduo erfolgreich um. Nach einem C-Dur-Akkord öffnet sich der Vorhang zum ersten Slawischen Tanz op. 46 in gleicher Tonart. Was folgt, ist ein lebendig ausgeführtes Tastenspiel. Der erste Spieler des Duos stellt das Thema vor, eine leichtfüßige, mit musikalischen Verzierungen ausstaffierte Melodie, die von den breiten Akkorden des zweiten Spielers geerdet wird. Doch diese Rollen werden im Fortlaufenden mehrmals gewechselt. So erklingt das Thema auch durch den zweiten Spieler, begleitet von Staccato-Achteln im ersten Spieler. Das Duo Danhel-Kolb beeindruckt hierbei dadurch, dass die verschiedenen Themeneinsätze dicht aneinander gereiht wirken. Die beiden Musiker sind sich in der Ausgestaltung des Themas hinsichtlich der Artikulation, der Dynamik und dem fröhlichen Gestus völlig einig. Der zweite Tanz verbindet das oben angesprochene Lyrische mit schnellen Passagen. Im 'Allegro vivo' kann der Hörer erleben, wie punktgenaues pianistisches Zusammenspiel klingt. Die Staccato-Läufe sind perfekt auf die Begleitfiguren abgestimmt, kein Ton tanzt aus der Reihe; die Passage ist sowohl technisch als auch interpretatorisch bis ins Detail gemeinsam ausgetüftelt und eingeübt.

Neben den Slawischen Tänzen sollten jedoch auch die weiteren Werke der CD genauere Beachtung erfahren. Ein weiterer Prager Komponist, den das Duo auf seine CD mit aufnimmt, ist Zdenek Fibich, ein Schüler Friedrich Smetanas, der sehr viele Werke für Klavier, unter anderem auch vierhändig, geschrieben hat. Von ihm ist die Sonate B-Dur op. 28 auf der CD zu hören, die er Antonin Dvořák gewidmet hat. Der erste Satz 'Allegro moderato' beginnt sehr innig und gesanglich gespielt. Fibich webt viele einzelne Melodiestränge dicht ineinander, was vom Klavierduo durch ein besonders enges Zusammenspiel gefördert wird, damit die einzelnen Stränge ein stimmiges Gesamtbild ergeben. Diesem ersten Satz folgt ein Variationensatz. Das Thema ist in leisen Tönen gehalten. Das Duo gibt dieser Spielanweisung jedoch noch eine gewisse Besinnlichkeit durch zeitliche Verzögerungen und Atempausen. In der zweiten Variation glänz vor allem der erste Spieler in dieser Aufnahme.

Leichtfüßig perlen die Staccato-Läufe der rechten Hand über die Tastatur, während das Thema leise und zurückhaltend im zweiten Spieler erklingt. Die Variation ist somit völlig unaufdringlich gespielt. Den Abschluss der Sonate bildet ein lebhaftes 'Allegro', das rondoartig angelegt ist. Trotz der Themenwiederholung wird es dem Hörer jedoch nicht langweilig, da das Klavierduo Danhel-Kolb die Themen jedes Mal mit Variation in einem der musikalischen Parameter vorträgt.

Ein weiterer auf der CD vertretener Prager Komponist ist Erwin Schulhoff (1894-1942), der ebenfalls in Kontakt zu Dvořák stand und von diesem gefördert wurde. Die Tonsprache seiner 'Ironien' op. 34 ist bereits dem romantischen Ton weitestgehend entwachsen. In fast aphoristischer Kürze der einzelnen Sätze komponiert er kurze musikalisch witzige Szenen. Die dritte 'Ironie', ein Satz 'Alla marcia militaristica', ist in seiner Interpretation durch das Duo besonders interessant. Die beiden Pianisten rücken hier nicht die melodische Linie in den Vordergrund, sondern die variierende Ausgestaltung eines ostinaten Begleitthemas, sodass der Hörer letztlich ganz auf dessen Veränderung fixiert ist.

Zum Abschluss der CD spielt das Klavierduo auch noch ein Werk des zeitgenössischen tschechischen Komponisten Ilja Hurnik ein. Es ist die Ersteinspielung der 'Variationen über ein Thema von Pergolesi'. Die Interpretation der vierten Variation ist besonders gut gelungen: Das Duo schwingt einheitlich im Dreivierteltakt und hat auch widmet sich mit gleicher Detailgenauigkeit den stillen Momenten der Komposition. Genauso viel Innigkeit hat die siebte Variation, in der viel Zeit für die Ausgestaltung der Melodie gelassen wird.

Die CD des Duo Danhel-Kolb ist vor allem deshalb interessant, da sie, ausgehend von Bekanntem wie Dvořák Slawischen Tänzen, in unbekanntere Schichten tschechischer Musik dringt, weitab von der slawischen Romantik, die man kennt. Die Aufnahme ist zudem von guter, ausgeglichener Klangqualität. Es wird gewährleistet, dass dem Hörer kein Detail entgeht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Slavonic Dances: Tschechische Musik von Dvorak, Fibich u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
23.03.2012
EAN:

4260036252378


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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