> > > Hofmeir, Andreas Martin spielt: Werke von Duda, Näther u.a.
Samstag, 24. August 2019

Hofmeir, Andreas Martin spielt - Werke von Duda, Näther u.a.

Das Hohelied der Tuba


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der junge Tubist Andreas Martin Hofmeir, Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs 2005, stellt sich mit einer Solo-CD vor, die zugleich die musikalischen Möglichkeiten der Tuba als Soloinstrument durch zeitgenössische Kompositionen offenbart.

Ungewöhnlich, aber wahr: Andreas Martin Hofmeir, Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs 2005, bringt die Tuba als Soloinstrument auf seiner ersten CD-Einspielung ganz groß raus. ‚Junge, finde Komponisten, die für uns komponieren‘, forderte ihn einst sein erster Tubalehrer auf. Diesen Rat setzt der Tubist auf seiner ersten CD-Einspielung um. Gegenstand der CD sind Erstaufnahmen von Auftragskompositionen zeitgenössischer Komponisten. Unterstützt wird Hofmeir dabei von dem Harfenisten Andreas Mildner, dem Flötisten Michael Martin Kofler, der Philharmonie Salzburg und der Neubrandenburger Philharmonie.

Andreas Martin Hofmeir ist ein ungewöhnlicher Musiker. Der Weg zur Tuba führte über (langweilige) Klavierstunden, Schlagzeug in der Blaskapelle, Ausweichen auf das Tenorhorn bis zu dem Instrument, das immer und überall gebraucht wird und kaum jemand so gut zu spielen versteht wie er selbst. Eine Tatsache, die spätestens seit dem Gewinn des Deutschen Musikwettbewerbs im Jahr 2005 gewissermaßen amtlich wurde.

Jörg Duda, Jahrgang 1968, ist ein Komponist, der in seinem bisherigen Schaffen sowohl im ‚alten Stil‘ beheimatet ist als auch neue Klangverbindungen ausprobiert. Auf der Einspielung ist er viermal vertreten. Das Konzert für Tuba und Orchester dürfte von der Besetzung her das konventionellste der vier Werke sein. Desweiteren verbindet er Tuba und Harfe in der 'Fantasie II', Flöte, Bassklarinette und Tuba in 'Funky Nightmare' und Tuba, Harfe und Klavier in der 'Burlesque en Miniature'. Die Werke sind allesamt Auftragskompositionen von Hofmeir, der Duda im Interview als einen ‚wirklich großartigen Komponisten‘ hält. Das Konzert für Tuba und Orchester, laut Hofmeir ‚ein großes romantisches Konzert für Tuba und Sinfonieorchester‘ (Booklet), ist in Zusammenarbeit mit der Philharmonie Salzburg entstanden. Der erste Satz 'Allegro appassionato' rollt mit einem gewaltigen Orchesterklang an, der sich nach einigen Sekunden zugunsten der Solotuba zurückzieht. Wenn die Tuba einsetzt, wird die Skepsis gegenüber dem Instrument als Soloinstrument sogleich gegenstandslos: Der Klang setzt sich gut gegenüber dem Orchester durch und erzeugt gleichzeitig durch seinen weichen Klang eine unglaubliche musikalische Wärme. Assoziationen an den tubatypischen Blaskapellenklang sind völlig ausgelöscht. Die Begleitung der Philharmonie Salzburg ist einfühlsam gegenüber Passagen, in denen der Klang der Tuba tonlagenbedingt wenig durchscheint. Hofmeir entlockt dem Instrument, entgegen dem Klischee einer gewissen Behäbigkeit der Tuba, auch schnelle Passagen einwandfrei. Als zweiter Satz erklingt eine 'Reverie', eingeleitet durch zarte Holzbläserklänge. Die Tuba setzt mit einem traurig-schwelgenden Thema ein, einfühlsam begleitet von Violoncelli und Kontrabässen. Die Tuba zeigt wiederum Schnelligkeit im Finale, dem letzten Satz in vielen abwärts geführten Läufen, ergänzt von romantischen Melodien in Violinen und Flöten. Der Satz verändert sich zwischenzeitlich in einen beschwingten walzerartigen Teil, in dem Hofmeir zeigt, dass die Tuba auch für schwelgerische Melodien Verwendung finden kann.

Die 'Fantasie II' für Tuba und Harfe op. 29/2 ist ein Werk, das Hofmeir als 18-Jähriger bei Duda in Auftrag gab. Die Kombination hat einen reizvollen Charakter. Das Werk klingt durch die beiden eher unaufdringlichen Instrumente sehr privat und fast schüchtern, dabei aber fröhlich. Die Zusammenarbeit mit Andreas Mildner an der Harfe ist laut Hofmeir wohl so bewährt, dass es bald eine eigene Duo-CD geben könne. 'Funky Nightmare', ebenfalls eine Auftragskomposition, ist ein sehr ‚verrücktes‘ Werk. Die aufgeregten Töne der Flöte, begleitet von einem fast ostinaten Motiv in der Bassklarinette, werden im Verlauf des Werkes immer nervöser. Beeindruckend ist, dass die Musiker trotz der komponierten Nervosität ein exaktes Zusammenspiel liefern. Das letzte Werk Dudas auf der CD, die 'Burlesque en Miniature' für Tuba, Harfe und Klavier führt jedoch wieder in bekanntere Hörwelten. Hier sind nun plötzlich drei Begleitinstrumente Solisten, wobei der Klang der Tuba im Zentrum steht und Klavier und Harfe sich in der Begleitung vereinen. Wieder einmal überzeugt Hofmeir durch leichtfüßige Melodiebögen auf der Tuba.

Neben den Werken Dudas sind noch zwei Kompositionen von Gisbert Näther, geboren 1948, und Kjell Roikjer (1901-1999) zu hören. Das Duo für Tuba und Harfe op. 120 von Näther, ebenfalls von Hause aus ein Blechbläser, ist durch die Komposition Dudas mit gleicher Besetzung angeregt worden. Näther komponiert jedoch weniger melodisch ausgerichtet als Duda. Das Duo ist eher ein Klangexperiment mit dem Spektrum, das beide Instrumente bieten. Hofmeir zeigt hier viele der Klangvariationen, die mit einer Tuba möglich sind. Andreas Mildner begleitet diese Episoden exakt und einfühlsam. Das 'Capriccio' für Tuba und Orchester von Roikjer op. 66 rückt wieder die solistische Fähigkeit des Tubisten in den Vordergrund. In Zusammenarbeit mit der Neubrandenburger Philharmonie zeigt Hofmeir kapriziöse Eigenheiten seines Instruments.

Die CD trägt vermag zu gesteigerter Aufmerksamkeit für die Tuba als Soloinstrument beitragen. Das Booklet ist durch ein Interview mit dem Solisten abwechslungsreich und informativ gestaltet. Die Aufnahmequalität hätte jedoch etwas sensibler mit den Eigenheiten des Instruments umgehen können. So sind mechanische Geräusche an manchen Stellen hörbar; manchmal hätte die Technik zudem die klanglich schwachen Momente des Instruments etwas unterstützen können. Dennoch bleibt zu erwarten, dass der Tubist die Emanzipation seines Instruments durch weitere Produktionen vorantreibt. Man darf gespannt sein.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hofmeir, Andreas Martin spielt: Werke von Duda, Näther u.a.

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
01.09.2012
Medium:
EAN:

CD
4260036252316


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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