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Samstag, 21. Juli 2018

Debussy, Claude - Hommage à Debussy CD 2

Wie improvisiert


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Mit völliger Ruhe und scheinbar improvisatorischer Qualität setzt Amir Tebenikhin Debussys Klavierwerke um.

Die Werke eines Komponisten für eine Gesamtaufnahme nicht in ihrer chronologischen Reihenfolge auf die Scheibe zu bringen, hat einen großen Vorzug: Frühere und spätere Tonstücke treten einander gegenüber und können direkt miteinander verglichen werden. Ähnlich wie der erste beinhaltet auch der zweiten Teil der Klavier-Serie ‚Hommage à Debussy‘, die zum diesjährigen Jubiläum des Komponisten bei Genuin erscheint, Stücke aus zwei auseinander liegenden Schaffensperioden. In einer überaus spannenden Interpretation setzte sich der russische Pianist Amir Tebenikhin damit auseinander.

Auf der einen Seite stehen Werke, die um das Jahr 1890 entstanden sind, darunter die 'Deux Arabesques' (1888), auf der anderen Seite der erste Band der 'Préludes' (1910). Titel wie 'Ballade' (1890/91) oder 'Nocturne' (1892) mögen leicht dazu verleiten, die Stücke der früheren Phase der Romantik zuzuordnen; die immer wieder durchblitzenden Verweise auf Chopin, ein auf die Melodie fixierter, kantabler Satz, mögen dies an der Musik festmachen. In den Stücken sind aber mehr noch Eigenschaften angelegt, die – für uns heute − unverkennbar Debussys Stils kennzeichnen und durch welche sich die Abkehr von der Musik des 19. Jahrhunderts manifestiert, z. B. die Konfrontation von Klangschichten extremer Höhe und Tiefe oder ein zur metrischen Freiheit übersteigertes Rubato. In den zwölf ersten 'Préludes' erkennt man diese Eigenschaften wieder, nun aber sind sie über das punktuelle Erscheinen hinaus zu wesentlichen Prinzipien erhoben und verknüpft mit phantastischen, meist aus der Literatur übernommenen Vorstellungen, wie 'Danseuses de Delphes' (Delphische Tänzerinnen) oder 'La fille aux cheveux de lin' (Das Mädchen mit dem flachsblonden Haar).

Amir Tebenikhins (*1977) differenziertes Spiel wirkt wie improvisiert, wie unmittelbar aus dem Gefühl heraus auf die Tasten übertragen. Es überwiegen völlige Ruhe und klangliche Dezenz. Alle Anschläge erklingen meist in großer Transparenz; akzentweise werden durch das Pedal Klänge zu Flächen verwischt. All das sorgt dafür, dass auch an kontemplativen Stellen, in denen die Geschehnisse beinahe auseinanderzuklaffen drohen, die Spannung in fesselnder Weise aufrecht erhalten bleibt. Ebenso kommt die kraftvolle Dramatik, zu der in den Stücken deutlich seltener gegriffen werden muss, in faszinierender Weise zur Erscheinung: Zusammen mit der Dynamik wird auch das Tempo nach oben geschraubt. Der Steigerung wird dadurch mutig Nachdruck verliehen und das Langsam-Fragile erscheint bald schon fern zu liegen. Einzelne eingeworfene Akkorde erwecken den Eindruck reflexartig aus dem Handgelenk katapultiert worden zu sein. Hochzuhalten ist der aus der Interpretation sprechende Ideenreichtum, der ihr eine klar geprägte Individualität verleiht.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Sophia Gustorff Kritik von Sophia Gustorff ,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Debussy, Claude: Hommage à Debussy CD 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
23.03.2012
EAN:

4260036252279


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

Das Label GENUIN hat sich in seinem zwölfjährigen Bestehen zu einem Geheimtipp unter Musikern und Musikliebhabern entwickelt. Schon vor dem Leipzig-Debüt im Oktober 2004, einem Antrittskonzert im Robert-Schumann-Haus mit Paul Badura-Skoda, wurden die CDs in den deutschlandweiten Vertrieb gebracht und von Fachpresse und Musikerwelt hochgelobt. Inzwischen werden GENUIN-CDs in den meisten Ländern Europas sowie in Japan, Süd-Korea, Hongkong und den USA vertrieben.

Das Erfolgsrezept von GENUIN: Die gesamte Produktion, also die Beratung der Künstler bei Aufnahmeraum und Repertoire, die Vorbereitung und Durchführung der Aufnahme selbst, der Schnitt mit allen notwendigen Korrekturen, generelle Entscheidungen beim Cover- und Bookletentwurf bis hin zur fertigen Veröffentlichung liegen in der Hand der Tonmeister. Nur so haben die Musiker den größtmöglichen Entfaltungsspielraum bei der Einspielung und Gestaltung ihrer CDs. Und gleichzeitig kann bis zuletzt eine gleichbleibend hohe Qualität garantiert werden.

GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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