> > > Mazzocchi, Domenico: La Catena d'Adone
Donnerstag, 21. März 2019

Mazzocchi, Domenico - La Catena d'Adone

Frühe römische Oper


Label/Verlag: Alpha Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble Scherzi Musicali führt mit Domenico Mazzocchis 'La Catena d'Adone' eine frühe römische Oper auf und weiß mit hinreißender Musikalität zu begeistern.

Die Oper 'La Catena d‘Adone' (1626) ist eine musikhistorische Rarität. Als eins der ersten Werke seiner Gattung, die in Rom komponiert und aufgeführt wurden, stellte die Oper damals eine absolute Sensation dar. Das Musikleben der Stadt wurde nämlich bis dahin von der Kirchenmusik dominiert, weshalb nur wenige weltliche Werke zur Aufführung kamen. Umso erstaunter dürfte das damalige Publikum im Palazzo Conti gewesen sein, als es eine opulente Verwicklungsgeschichte um Venus und Adonis zu sehen bekam, an deren Schluss die liebesverrückte Zaubrerin Falsirena zur Bändigung ihrer Leidenschaften an einen Felsen gefesselt wird.

Komponist der amourösen Liebeswirren war der Sekretär von Kardinal Aldobrandini, Domenico Mazzocchi (1592–1665). Er war ein höchst gebildeter Mann, der neben seiner Hauptaufgabe als Jurist ausgeprägte musikalische Interessen hatte und auch als Historiker reüssierte. So beschäftigte er sich auch als Archäologe und setzte sich für die Ausgrabung etruskischer Dörfer in seiner Heimatstadt Civita Catellana ein. Die Grundlagen der Musiktheorie bekam Mazzocchi wohl während seiner Priesterausbildung vermittelt, doch ist ansonsten nichts über seine musikalische Ausbildung bekannt. Mazzocchis Bruder Virgilio war als maestro di capella am Petersdom einer der einflussreichsten Kirchenmusiker Roms und leitete die Capella Giulia in der Sixtinischen Kapelle.

Den Anstoß zur Komposition der Oper 'La Catena d‘Adone' erhielt Domenico Mazzocchi wohl von seinem Dienstherren Kardinal Aldobrandini, der ein Mäzen des neapolitanischen Dichters Giambattista Marino war und deshalb dessen Werk vertont sehen wollte. Nach einigen Umarbeitungen durch Ottavio Tronsarelli erhielt der Text seine spätere Fassung. Zu diesem Zeitpunkt lagen die ersten Opernversuche von Jacopo Peri und Giulio Caccini aus Florenz schon zwanzig Jahre zurück, weshalb Mazzocchi eine schon erfolgreich erprobte Formensprache für seine Komposition verwenden konnte. In seiner Vertonung stützt er sich deshalb über weite Strecken auf die Konventionen des rezitativischen Gesangs, der durch die Florentiner Opern berühmt geworden war. Die langen, für heutige Ohren ermüdend gleichförmigen Rezitative sind gleichzeitig Markenzeichen dieser frühen Opern wie auch ihr Fluch, der vielfach ihre Aufführung verhindert.

Verdiente Wiederentdeckung

Mazzocchis Oper erlebt nun durch die jungen Musiker des Ensembles Scherzi Musicali ihre verdiente Wiederentdeckung. Geleitet wird die Gruppe von Nicolas Achten, der nicht nur das Basso continuo mit Erzlaute, Harfe und Spinett gestaltet, sondern der auch als Sänger in drei kleineren Partien auftritt. Ansonsten besteht das Orchester aus sieben Instrumentalisten, die hauptsächlich im Basso continuo agieren. Solmund Nystabakk und Simon Linné spielen auf Theorben und anderen Zupfinstrumenten, der Gambist Eriko Semba begleitet in den Arien mit Gambe und Lirone und Korneel Bernolet ergänzt die Bassgruppe mit Orgel und Clavecin. Als Melodieinstrumente erklingen Cornett und Blockflöte (beides gespielt von Lambert Colson) sowie zwei Geigen (Justin Glorieux, Varoujan Doneyan) , die meist in den instrumentalen Zwischenspielen zum Einsatz kommen. Entsprechend dieser Besetzung ist der Ensembleklang äußerst fein und zart ausdifferenziert.

Die vielen unterschiedlichen Zupfinstrumente sorgen im Wechsel für delikat hingetupfte Begleitungen, neben der die jungen Stimmen mit großer Ausdrucksstärke aufblühen können. Alles klingt schwerelos schön. Wie Nicolas Achten im Booklet erläutert, hat er jeder Figur der Geschichte ein Basso continuo-Instrument zugeordnet, um die Partien musikalisch besser zu charakterisieren. Auf diese Weise gestaltet Achten mit wenigen Mitteln sehr effektvolle Klangdarstellungen, die den Hörer durch die wirre Geschichte um Liebe und Verrat leiten. Desweiteren entschied sich Achten dafür, Instrumentalstücke von Kapsberger als Ouvertüre und Zwischenaktmusiken in die Oper einzufügen, um den Ablauf etwas aufzulockern. Auch wenn Kapsbergers ‚Sinfonie‘ ursprünglich nicht für Mazzocchis Oper entstand, bilden die Werke der beiden Komponisten eine sinnvolle Einheit und ergänzen sich stilistisch.

Das Sängerensemble wird von der Mezzo-Sopranistin Luciana Mancini angeführt, die den Part der Zaubrerin Falsirena mit Leidenschaft und Hingabe gestaltet. Ihr leicht herbes Timbre gibt ihrer Rolle einen androgynen Charakter, da sich ihr Gesang mit dem des Adonis-Darstellers Reinoud Van Mechelen ähnelt. Desweiteren fällt Marie de Roy als Idonia auf, die mit ihrem engagierten Gesangsstil die langen Rezitative ihrer Rolle lebendig und glaubwürdig singt. Den Musikern von Scherzi Musicali sowie ihrem Leiter Nicolas Achten gebührt aufgrund ihrer temperamentvollen und farbigen Neuinterpretation von Mazzocchis Werk größter Respekt, stellen doch die vielen Rezitative eine echte musikalische Herausforderung dar, die sie mit Leichtigkeit und Eleganz zu lösen wissen. Sie geben der musikalischen Form Sinn und zeigen, wie vielschichtig und abwechslungsreich die damaligen Instrumentationsmöglichkeiten waren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Mazzocchi, Domenico: La Catena d'Adone

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Alpha Classics
2
01.02.2012
EAN:

3760014191848


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Alpha Classics

"Haute-Couture-Label", "Orchidee im Brachland der Klassikbranche" oder schlicht "Wunder", das sind die Titel mit denen das französische Label ALPHA von der Fachpresse hierzulande bedacht wird. In der Tat ist die Erfolgsgeschichte des Labels ein kleines Wunder. Honoriert wurde hiermit die Pionierlust und Entdeckerfreude des Gründers Jean-Paul Combet und die außerordentliche Qualität seiner Künstler und Ensembles (z.B. Vincent Dumestre, Marco Beasley, Christina Pluhar u.v.a.), aber auch die auffallend schöne, geschmackvolle Präsentation der Serie "ut pictura musica" mit ihren inzwischen mehr als 200 Titeln. Das schwarze Front-Layout und die Grundierung mit venezianischem Papier im Innern sind mittlerweile genauso zum Markenzeichen geworden wie die ausgesprochen stimmungsvollen Fotografien der Aufnahmesitzungen durch den Fotografen Robin Davies. Das Programm umfasst die Zeitspanne von der mittelalterlichen Notre Dame-Schule bis hin zur klassischen Moderne, doch ist nach wie vor ein deutlicher Schwerpunkt auf Alte Musik zu erkennen. Innerhalb des Labels möchte die zweite, auch "Weiße Reihe" genannte, Serie "Les Chants de la terre" die ältesten Quellen musikalischen Ausdrucks erkunden. Mit Virtuosität und Spielfreude widmet man sich hier dem Beziehungsfeld von schriftlich überlieferten und mündlich weitergegebenen Musiktraditionen, um alte Melodien zu neuem Leben zu erwecken. Trotz akribischer musikwissenschaftlicher Recherche geht es hier nicht um eindimensionale, akademisch trockene Werktreue, sondern um lebendigen Umgang mit altem Material.


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