> > > Humperdinck, Engelbert: Hänsel und Gretel
Mittwoch, 17. Juli 2019

Humperdinck, Engelbert - Hänsel und Gretel

Hänsel und Gretel 'unter der Haut'


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


?Heute Morgen habe ich das Glück gehabt, einer Orchesterprobe beizuwohnen, die mir gegeben hat, was ich nach langer Zeit brauchte, einen großen inneren Erfolg. Mir ist zumute wie Moses, der das gelobte Land von Ferne sah.? Diese Zeilen schrieb Humperdinck an seine Schwester, die Librettistin der Oper, nachdem er in München die Ersteinstudierung seines Werks erlebt hatte. So oder so ähnlich wird auch dem Hörer zumute sein, wenn er sich die Aufnahme des Werkes mit der Staatskapelle Dresden und Mitgliedern des Dresdner Kreuzchores unter Otmar Suitner angehört hat.

Sehr gute Besetzung
Diese Tatsache liegt wohl an der Besetzung, die wie geschaffen für dieses Werk zu sein scheint. Mit Gisela Schröter, Theo Adam und Peter Schreier sind die Partien der Gertrud, des Besenbinders und der Hexe vorzüglich besetzt. Aber noch viel wunderbarer ist die Staatskapelle Dresden. Schon bei den ersten Hornklängen des Vorspiels fühlt man sich mit allen Sinnen in den tiefsten Märchenwald versetzt. Humperdinck verstand es wie kein Zweiter, in seinem genialen Erstlingswerk durch musikalische Mittel den Wald darzustellen.
Und die Staatskapelle, die bekannt dafür ist ein äußerst homogener und ausgewogener Klangkörper zu sein bringt diesen wunderbaren Wald orchestral nahezu zur Perfektion. Wenn man diese Aufnahme hört, hat man den Eindruck, dass Humperdinck dieses Werk für die Staatskapelle Dresden geschrieben hat. Gänsehautfaktor haben die Klarinettensoli. Mit einem einmalig vollen, weichen und runden Klang scheint genau der Gestus getroffen worden sein, den Humperdinck selbst gewollt haben könnte.

Ein kleiner Wehrmutstropfen sind die Partien von Hänsel und Gretel, mit Ingeborg Springer und Renate Hoff besetzt. Der äußerst vibratoreichen Ton der beiden Damen ist nur schwer nachvollziehbar und . Natürlich ist ?Hänsel und Gretel? eine Oper und natürlich sind die Damen Opernsängerinnen. Aber man hat angesichts der stellenweise schon fast tremoloartigen Stimmschwankungen den Eindruck, dass hier etwas übermotiviert über das Ziel hinausgeschossen wird. Hänsel und Gretel sind nun mal Kinder und bei der Interpretation einer Kinderpartie sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Kinder bei weitem keinen druckvollen Ton besitzen. Vielmehr sind Kinder in ihrem ganzen Wesen doch eher spielerisch und leichtfüßig. Und genau so sollten auch diese beiden Partien gesungen werden. Die beiden Damen haben sich entweder über diese Frage keine Gedanken gemacht oder sie bevorzugen einfach die schwere und ?erwachsen? ernste Singweise, was aber hier nicht besonders angebracht ist.
Trotzdem: Diese Aufnahme geht unter die Haut und wird auch diejenigen begeistern, die dieses tolle Werk noch nicht kennen. Sollte in keiner CD-Sammlung von Opernbegeisterten fehlen!

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




Kritik von Kai Linsenmaier,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Humperdinck, Engelbert: Hänsel und Gretel

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
04.05.1993
95:00
1970
1993
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0782124200725
0020072BC

Cover vergössern

Humperdinck, Engelbert


Cover vergössern

Dirigent(en):Otmar, Suitner
Orchester/Ensemble:Staatskapelle Dresden
Interpret(en):Mitglieder des Dresdner Kreuzchores,


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

  • Zur Kritik... Fesselnd: Einspielungen des Cellisten Claudio Bohórquez sind vergleichbar mit einem Jahrhundert-Wein. Sie sind äußerst selten. Sie sind ausgereift. Ein Luxus, den er sich leistet. So entstehen Referenzeinspielungen. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Introvertierter Rachmaninow: Claire Huangci hat eine extrem detailfreudige und kontrollierte Interpretation aller Préludes von Rachmaninow vorgelegt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
  • Zur Kritik... Die Orgel der Elphi: Ungewöhnliche Werke für ein ungewöhnliches Instrument. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Kai Linsenmaier:

Alle Kritiken von Kai Linsenmaier...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Musik aus Andalusien: Das Orquestra Baroca Sevilla bringt eine CD mit Trauermusik aus dem Andalusien des 18. Jahrhunderts heraus. Weiter...
    (Anneke Link, )
  • Zur Kritik... Les Rarissimes de Gina Bachauer: Die griechische Pianistin Gina Bachauer hätte eine vertiefte diskografische Erkundung verdient. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Klingende Jahreszeiten: Dmitri Kitajenko gibt mit der Zagreber Philharmonie eine Lehrstunde in musikalischer Poesie. Weiter...
    (Karin Coper, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (7/2019) herunterladen (2731 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Jaromir Weinberger: Bohemian Songs and Dances - No.4

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Isabelle van Keulen im Portrait "Mir geht es vor allem um Zwischentöne"
Isabelle van Keulen im Gespräch mit klassik.com über ihre Position als Artist in Residence der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein, historische Aufführungspraxis und das Spielen ohne Dirigent.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich