> > > Rautavaara, Einojuhani: Cellokonzert Nr. 2
Donnerstag, 28. Oktober 2021

Rautavaara, Einojuhani - Cellokonzert Nr. 2

Breites Panorama


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das finnische Label Ondine fährt in seiner Reihe mit Einspielungen von Werken Einojuhani Rautavaaras mit einer in jeder Hinsicht erstklassigen und spannenden Einspielung fort.

Es ist nur wenige Jahre her, dass das finnische Label Ondine den Instrumentalkonzerten von Einojuhani Rautavaara eine CD-Box gewidmet hat. Sie wäre nun schon wieder ergänzungsbedürftig, denn der mittlerweile 84jährige Komponist hat in der Zwischenzeit zwei weitere Konzerte zu Papier gebracht. Sie werden von Ondine nun auf einer Einzel-CD vorgestellt. Um die Begeisterung nicht länger hinterm Zaun halten zu müssen: Diese Einspielung ist großartig, und das in jeder Hinsicht.

Ansprechendes Äußeres

Um mit dem Äußeren zu beginnen: Die Produktion ist mit einem informativen Werkkommentar (nur Englisch und Finnisch) versehen, auch das Cover passt bestens zur Musik. Exzeptionell ist aber einmal mehr das Klangbild, für dessen Reichhaltigkeit und Ausgeglichenheit Enno Mäemets verantwortlich zeichnet, Ondines Klangmagier, der nicht nur die Orchestergruppen, sondern auch die Solisten der beiden Konzerte in ein optimales Verhältnis zueinander bringt. Klangfarbenreichtum wie auch -verschmelzung sind bestechend, die dynamische Spannweite außergewöhnlich groß.

Stilistische Breite

Äußerst interessant ist zudem die Werkzusammenstellung. Ein Konzert für Percussion aus dem Jahr 2008 und Orchester sowie das Zweite Cellokonzert, entstanden in den Jahren 2008/09 umschließen ein Werk aus Rautavaaras frühem Schaffen, das allerdings 2003 neu zusammengestellt wurde. Aus der zwölftönigen Orchestersuite 'Modificata' in drei Sätzen aus dem Jahr 1957 wurde der erste Satz entfernt und durch 'Prævariata' (ebenfalls 1957) ersetzt, das erste serielle Orchesterstück Finnlands, in dem neben der Tonhöhe und die rhythmische Struktur durch eine Reihe determiniert ist. Zwischen den kompositorischen Methoden und Stilsphären von 'Modificata' und den beiden Konzerten, die in dem neoromantischen Stil gehalten sind, mit dem Rautavaara in den letzten Jahren große Erfolge feiern konnte, scheinen Welten zu liegen. Und doch wird deutlich, dass trotz des breiten Panoramas, das hier geboten wird, eine eigene Handschrift steckt, die Serielles und Neoromantisch-Opulentes gleichermaßen durchdringt. Selbst in 'Modificata' herrschen dunkel gefärbte Klänge vor, die sich nur langsam, in weiten Bögen bewegen.

Dem Horizont entgegen

Diese Bögen, in den Werken von 2008 nun aber mit den typischen Ingredienzen von Rautavaaras Spätstil – hymnische Themen weihevoller Grandeur, die in reicher, mit Dissonanzclustern eingefärbter Harmonik in langsamem Tempo voranschreiten und dabei gewältige (emotionale) Räume durchmessen – angereichert, prägen sowohl das Cello- als auch das Percussionkonzert. In beiden je dreisätzig angelegten Konzerten wird das eingangs vorgestellte rauschhaft schöne, kantable Hauptthema am Schluss wiederaufgenommen. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten schon, denn im Cellokonzert mit dem Titel 'Towards the Horizon' wird das Eingangsthema im zweiten Satz variiert und kehrt im Finale wieder, so dass das gesamte etwas über zwanzigminütige Konzert als Variation des ‚Motto-Themas‘ aufgefasst werden kann, während hingegen das Percussionkonzert aus drei selbständigen Sätzen besteht.

Es mag verwundern, dass ein Konzert für Schlagwerk den Titel 'Incantations' trägt; das würde man wohl eher als Überschrift eines Bläserkonzerts erwarten. Doch der Titel verweist insofern auf Wesentliches, als das Kantable, das in Rautavaaras Musikdenken einen zentralen Platz einnimmt, auch das Percussionkonzert entscheidend bestimmt. (Bemerkenswerterweise ist Rautavaaras Harfenkonzert aus dem Jahr 2000 fast perkussiver als dasjenige für Schlagwerk.) Da nimmt es nicht wunder, dass das Konzert mit einem Paukenglissando anfängt und sogleich mit gestimmtem Schlagwerk (insbesondere Marimba und Vibraphon) fortfährt. Ebenso reichhaltig an Klangfarben und sanglich in der Linienführung ist das im Ausdruck herrlich romantische Cellokonzert, das am Ende in der Cellolinie andeutet, wo für Rautavaara der Horizont liegt: Das Cello steigt in lichte Höhen auf, gen Himmel.

Beide Konzerte werden hier von den jeweiligen Widmungsträgern mit höchster Delikatesse in Klang verwandelt: das Cellokonzert von Truls Mørk, das Percussionkonzert von Colin Currie. Sie erweisen sich nicht nur als virtuos, sondern auch als äußerst feinfühlig für die Atmosphäre sowie deren subtile Beleuchtungs- und Stimmungswechsel. Umschlossen werden die Klänge der Solisten vom Philharmonischen Orchester Helsinki, das unter John Storgårds nicht ganz so opulent und opak klingt wie unter Leif Segerstam, aber die Mischung aus zarter Kantabilität, hymnischer Grandeur und als Farbwert eingesetzten Dissonanzen wunderbar in dunkel-sehrenden Klang verwandelt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rautavaara, Einojuhani: Cellokonzert Nr. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
06.02.2012
Medium:
EAN:

CD
761195117828


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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