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Montag, 25. Oktober 2021

Rachmaninoff, Sergei - 26 Lieder

Immer noch faszinierend


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Dmitri Hvorostovskys neues Rachmaninov-Album ist nicht frei von Vokalposerei, aber ein überzeugendes Beispiel für die ungebrochene Faszination eines großen Künstlers.

Seit mehr zwanzig Jahren ist der sibirische Bariton Dmitri Hvorostovsky aus dem internationalen Operngeschehen nicht mehr wegzudenken. Nachdem er anfangs hauptsächlich auf die beiden Tschaikowsky-Baritonpartien des Eugen Onegin und des Fürsten Yeletzki gebucht war, hat er sich langsam und mit Bedacht über Mozarts 'Figaro'-Grafen und Rossinis 'Barbiere' bis zum großen Verdi-Fach vorgesungen. Dass er dabei auch stets den Liedgesang gepflegt hat, vergisst man dabei leicht. In seinen Anfangsjahren, als er beim Label Philips unter Vertrag war, brachte er einige vielbeachtete Alben mit russischen Kunstliedern von Mussorgsky, Tschaikowsky und Rachmaninoff heraus, bis stilistische Fehltritte wie seine ‚Arie Antiche‘ den Lied-Recitals ein plötzliches Ende setzten. Mittlerweile hat Hvorostovsky das Plattenlabel gewechselt und bringt neben wenigen Arien-CDs auch wieder ausgesuchte Lied-Programme auf Tonträger heraus.

Im Juli 2011 war Dmitri Hvorostovsky für das Label Ondine in Moskau im Studio und hat 26 Romanzen von Sergej Rachmaninoff eingespielt. Begleitet wurde er dabei vom estnischen Pianisten Ivari Ilja. Sieben dieser Romanzen hat Hvorostovsky bereits 1990 für Philips eingespielt und somit sind die aktuellen Aufnahmen ein willkommener Vergleich, quasi ein Zeugnis für die musikalische Entwicklung eines außergewöhnlichen Künstlers, der sich von Mainstream-Aufnahmen weitgehend zurückgezogen hat. Die von Hvorostovsky und Ilja ausgewählten Lieder verschaffen dem Hörer einen imposanten Eindruck von Rachmaninoffs Liedschaffen, von frühen Kompositionen des damals gerade 17-jährigen Komponisten über seine populären Werke bis hin zur Liedsammlung op. 26, aus der immerhin sieben Romanzen in diesem Recital zu hören sind.

Stets authentisch

Hvorostovskys Bariton ist im Laufe der Jahre hörbar spröde geworden; das balsamisch dunkle Timbre ist einer kernigen, kraftvollen Tongebung gewichen und das einst strömende Legato klingt nicht mehr ganz so mühelos wie früher. Dennoch muss sich Hvorostovsky um kein störendes Vibrato Gedanken machen. Die Stimme ist kontrolliert geführt, unverwechselbar ist sein Gesang, stets ist der Sänger authentisch und restlos überzeugend. Das liegt nicht zuletzt an der Programmwahl. Auch ohne der russischen Sprache mächtig zu sein, nimmt Hvorostovskys Interpretation mit ihrer Eindringlichkeit gefangen. Man glaubt ihm jedes Wort, ohne unmittelbar zu verstehen, was er singt. Die im Booklet zumindest auf Englisch abgedruckten Liedtexte erhöhen den Genuss um ein weiteres.

Trotz seines Hangs zu schonungslos herausgeschleuderten Höhen und vokaler Kraftmeierei, ist auf diesem Album Hvorostovskys Bemühen um differenzierte Gestaltung und kammermusikalischer Intimität spürbar. Mal wählt er einen schlichten Tonfall, umgibt sich mit düster verschatteten Vokalfärbungen und überrascht mit zarten Piani. Man hat zwar stets den Eindruck, der Bariton müsse für diese Gestaltungsmittel stetig seine Kraft und Energie mit eiserner Disziplin zügeln, aber die Effekte verfehlen ihre Wirkung nicht. Gerade bei 'Morning' oder 'Do you remember the evening?' gelingen ihm überzeugende Darbietungen. Die dramatischeren Lieder scheinen Hvorostovsky dennoch mehr am Herzen zu liegen. Bei 'I am waiting for you' und 'A dream' legt er sich, wie bei anderen Nummern auch, beispielsweise mächtig ins Zeug, was auf Dauer ermüdend wirken kann.

'She is as beautiful as noon' ist eines der Lieder, die Hvorostovsky bereits 1990 im Studio einspielte. Damals klang es noch unbeschwerter und müheloser; die jüngere Aufnahme ist zweifelsohne intellektueller und farbärmer, aber nicht weniger zwingend. Das liegt nicht zuletzt an Hvorostovskys Klavier-Partner Ivari Ilja. Der Pianist erweist sich im Zusammenspiel mit dem Sänger als umsichtiger Begleiter und sensibler Dialogpartner. Mal beschwört er ein halbes Orchester auf seiner Klaviatur, dann bleibt sein Part wieder eine zarte Ahnung, die Hvorostovsky auf Händen trägt.

In manchen Liedern blitzt der jugendliche, verführerische Tonfall Hvorostovskys völlig unerwartet auf. 'How nice is the place' ist in seiner glanzvollen Stimmpracht geradezu überwältigend, ebenso 'Yesterday we met' und 'Sad night'. Auch die beiden Heine-Vertonungen gelingen dem Künstler beispielhaft, weil mit einem Mal ein wahrer Don Juan das Ruder übernimmt. Verführerisch zart und mit Bedacht umgarnt er den Hörer – und mit einem Mal weiß man wieder, weshalb Dmitri Hvorostovsky trotz einiger Schwächen und Unarten ein großer Künstler von ungebrochener Faszination ist.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rachmaninoff, Sergei: 26 Lieder

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Ondine
1
23.01.2012
Medium:
EAN:

CD
761195120729


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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