> > > Beethoven, Ludwig van: Komplette Werke für Klavier Vol. 11
Dienstag, 10. Dezember 2019

Beethoven, Ludwig van - Komplette Werke für Klavier Vol. 11

Beethoven-Variationen


Label/Verlag: BIS Records
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die elfte Folge von Ronald Brautigams Einspielung von Beethovens Klaviermusik auf historischen Instrumenten enthält nur Variationen: Die bekannten 'Eroica-Variationen' werden sechs kleineren Zyklen (WoO 71-77) gegenübergestellt.

Ronald Brautigam verdient mit seiner Gesamteinspielung von Beethovens Klaviermusik beim Label BIS schon allein deswegen Interesse, weil er auf Instrumenten aus der Beethoven-Zeit (bzw. deren Kopien) spielt. Da ist er zwar kein Pionier, aber (leider) doch die Ausnahme. Eine wirklich notengetreue und zugleich authentische Wiedergabe lässt sich auf einem modernen Instrument nicht unbedingt realisieren; der Interpret wird an bestimmten Stellen in den Gewissenskonflikt kommen, manche Spielanweisung zu modifizieren, um das Ergebnis dem gewünschten Klang anzupassen. Nicht unbedingt selbstverständlich ist ferner, dass sich das Projekt nicht in der Einspielung der Sonaten und großen Variationszyklen erschöpft, sondern Vollständigkeit anstrebt. So finden sich hier etwa auch die gern übersehenen frühen ‚Kurfürsten-Sonaten’. Die vorliegende elfte Folge bietet nun sechs eher unbekannte kleinere Variationsfolgen (allesamt Werke ohne Opuszahl), die den ‚Eroica-Variationen’ op. 35 gegenübergestellt werden.

Variationen über populäre Hits

Neben einem eigenen Thema (WoO 77) hat Beethoven in den hier zu hörenden Variationsfolgen Themen aus seinerzeit populären, heute aber weitestgehend vergessenen Werken variiert: aus Bühnenwerken von Paul Wranitzky ('Das Waldmädchen', WoO 71), André Grétry ('Richard Löwenherz', WoO 72), Antonio Salieri ('Falstaff', WoO 73), Peter von Winter ('Das unterbrochene Opferfest', WoO 75) und Franz Xaver Süßmayr ('Soliman II', WoO 76). Während sich Beethoven auch in diesen nicht in den Werkkanon aufgenommenen Werken als durchaus einfallsreicher Komponist erweist, verharren sie in formaler Sicht doch sehr in der Schablone, was im konkreten Fall besonders deutlich wird, wenn man die sechs Variationsfolgen an einem Stück hört. In den bekannten und bedeutenden Variationszyklen wie den ‚Eroica-Variationen’ hat Beethoven eben diese Schablone verlassen und die Variationenform selbst neu definiert. Das ist dann der typische Beethoven, wie man ihn auch von den Sonaten her kennt.

Zwei Instrumente

Ronald Brautigam hat für die vorliegenden Variationen zwei Instrumente zur Verfügung: Die kleineren Variationen ‚passen’ noch auf ein Instrument nach Walter und Sohn (ca. 1805; Kopie: Paul McNulty), wie Mozart eines besessen hat; die ‚Eroica-Variationen’ erklingen auf einer ebenfalls von McNulty stammenden Kopie eines Graf-Flügels von etwa 1819; Grafs Instrumente wurden nicht nur von Beethoven selbst, sondern auch von Komponisten und Pianisten wie Frédéric Chopin, Franz Liszt, Robert und Clara Schumann und Johannes Brahms gespielt und geschätzt. Wie in den zehn vorangehenden Folgen profitieren auch die hier eingespielten Werke vom transparenteren Klang der historischen Instrumente, deren verschiedene charakteristische Registerfärbungen der Musik Charakter verleihen. Wie in den Sonaten ist natürlich der Effekt umso stärker, je mehr Beethoven die Möglichkeiten des Instruments ausreizt oder gar gegen das Instrument komponiert. Aber auch der ‚intime’ Charakter, den die kleineren Zyklen erhalten, ist als Gewinn zu verbuchen; diese Stücke sind für das häusliche Musizieren geschaffen und nicht für einen donnernden Konzertflügel. Ronald Brautigam erweist sich einmal mehr als technisch versierter und differenziert gestaltender Pianist; dass er den Zyklen ohne Opuszahl nie durch aufgesetzte Effekte oder gezwungene Querdenkereien einen vermeintlich größeren Reiz abgewinnen möchte, sondern sie als das präsentiert, was sie sind, ist sympathisch. Die Klangqualität der SACD befindet sich einmal mehr auf höchstem Niveau; der ordentliche Booklettext sowie die charakteristische Covergestaltung runden diese Referenzklasseproduktion ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Komplette Werke für Klavier Vol. 11

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
BIS Records
1
15.02.2012
Medium:
EAN:

SACD
7318599916736


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BIS Records

Most record labels begin with a need to fill a niche. When Robert von Bahr founded BIS in 1973, he seems to have found any number of musical niches to fill. The first year's releases included music from the renaissance, Telemann on period instruments, Birgit Nilsson singing Sibelius and works by 29 living composers - Ligeti and Britten as well as Rautavaara and Sallinen - next to Purcell, Mussorgsky and Richard Strauss. A musical chameleon was born, a label that meant different things to different - and usually passionate - devotees.


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